Lebensfreude Perlen

Die Perlen der Lebensfreude

Der November macht seinem Namen alle Ehre. Grau und trüb schleichen die Tage dahin, von Lebensfreude keine Spur. Es ist der Monat des Rückzugs, der Einkehr, der Stille, des Todes. Unser Gemüt ist in eine dicke Decke eingepackt. Alle Energien sind auf der Flucht. Träge wabern Gedanken durch den Kopf wie Nebelschleier in der Natur. Das Sofa ist unser bevorzugtes Möbel und am liebsten würden wir es vor dem nächsten Frühjahr nicht mehr verlassen.

Bevor dich der Novemberblues völlig im Griff hat, schildere ich dir, was es mit meinen Perlen der Lebensfreude auf sich hat.

Die Entstehung einer Perle

Sie entstehen aus der Verletzung einer Muschel und deren Heilung. Ähnlich ist es bei uns Menschen. Wie oft wurdest du auf deinem Lebensweg schon verletzt, hast Narben, die keiner sieht, weil sie tief in deinem Inneren verborgen sind. Dort ruhen sie bis ein Ereignis an deinen festgebauten Mauern rüttelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis deine gewohnten Strukturen zerreißen und die äußere Schale aufbricht. Was entdeckst du dann? Geht es dir vielleicht wie der Muschel, die mitten in der Krise, im Chaos, im Sterben ihr Wunder freigibt: eine kostbare Perle.

Die großen Perlen des Lebens

Sie alle sind Zeugen einer Verletzung, welche das Leben mehr oder weniger auf den Kopf gestellt hat. Mit steigenden Lebensjahren haben sie sich zu einer Kette aneinander gereiht. Jede hat dich zum Innehalten, Nachdenken und neu Ausrichten gezwungen. Jede erinnert dich an Zeiten der Wandlung und Veränderung. Es sind meist tiefgreifende Einschnitte im Leben, wo Entscheidungen getroffen und die Weichen neu gestellt werden müssen. Du weißt nie, wann du eine dieser großen Schicksalsperlen findest.

Wenn die Wogen
über mir zusammenschlagen,
dann tauche ich tiefer,
um nach Perlen zu suchen.
(Mascha Kaleko)

Die kleinen Perlen der Lebensfreude für jedes Jahr

In der Krise, im Tal der Tränen, der Trauer und der ewigen Frage nach dem Warum, habe ich nach meinen kleinen Perlen der Lebensfreude gesucht. Sie sind kein Wundermittel, welche die Verletzungen von Herz und Seele sofort heilen können. Ihre Wirkung entfalten sie erst bei ständiger Anwendung, wenn du sie in dein Leben einbaust und ihnen dort einen festen Platz gibst.

Wenn du sie suchst, wirst du sie finden, deine ganz persönlichen Perlen, die mit ihrem zarten Schimmer Glanzpunkte auf tiefschwarze Traurigkeit setzen können. Hier ist meine persönliche Sammlung, die mich durch die  letzten Jahre begleitet hat.

2010 – Theater spielen

Nach über 10 Jahren Pause kurz vor dem Ausbruch der Krankheit meines Mannes habe ich wieder damit begonnen. Wie gut und richtig. Wir probten damals ein Lustspiel, etwas Seltenes in unserer Laienspieltruppe. Was als purer Spaß begann, wurde für mich zur Ablenkung in der Krise und letztendlich Trost sowie ein Teil des Heilungsprozesses. Die Premiere erlebte mein Mann leider nicht mehr, doch meine Mitspieler haben mich getragen und mir mein Lachen erhalten. Seitdem steht (fast) jeden Mittwoch Abend „Theater spielen“ auf dem Programm.

2011 – Qigong
Ausgelöst durch ein Jahr Daueranspannung, der Gratwanderung zwischen Hoffen und Bangen, Verdrängen und Wissen brauchte ich dringend etwas, dass nicht nur meinem Körper, sondern noch mehr dem Geist und der Seele half. Eine DVD „Die Acht Brokate“ aus der Klinik am Steigerwald veranlasste mich, einfach mal mit Qigong anzufangen. Ich habe es bis heute beibehalten. Es belebt meinen Lebensfluss, schenkt mir Konzentration, Erdung und Achtsamkeit. Es ist der perfekte Start in jeden Tag. Seit 2018 gehe ich Mittwoch morgens in die Qigong-Gruppe, um zusammen mit anderen neue Übungen zu lernen.

2012 – Lesen
Meine absolute Lieblingsbeschäftigung verlor ich über Jahre aus den Augen. Das fiel mir schlagartig in der ersten Zeit des Alleinseins (nicht einsam!) auf, als ich mich immer öfter abends vor dem Fernsehen wieder fand. Diese Kiste hatte es echt geschafft mich zu unterhalten oder wie das Wort sagt, mich unten zu halten. Kopf ausschalten, konsumieren, fertig. Gut, manchmal braucht man das.

Zum Glück habe ich das Hirn rechtzeitig wieder eingeschaltet und nun stapelt sich das Lesefutter überall. Es bevölkert Regale, Tische und den Boden, wird gekauft oder in der Bücherei geliehen. Es schmiegt sich in Papierform in meine Hand oder begleitet mich auf dem Kindle gespeichert auf Reisen. Ein Buch ist Kopfkino vom Feinsten, Eintauchen in die Welt der Vorstellungskraft, Aufruhr der Gefühle und Teilhabe am Erfahrungsschatz anderer Menschen. Das richtige Buch zur richtigen Zeit hilft mir aus mancher unschönen Lebenslage.

Wenn ich die Welt nicht mehr ertrage,
verkrieche ich mich mit einem Buch,
das mich wie ein kleines Raumschiff
in die Ferne trägt.
(Susan Sontag)

2013 – Reisen
Als Kind war ich immer mit dem Finger im Atlas unterwegs, als 15jährige habe ich Winnetou und Old Shatterhand begleitet. Es folgten viele Jahre Familienurlaub an die Ostsee, später nach Kärnten  und als 50jährige war endlich Zeit, die Welt zu erobern. Doch weil Leben das ist, was geschieht während man Pläne schmiedet, wurde nichts daraus.

Die Reiseperle jedoch wollte ich unbedingt haben und so folgten die ersten unsicheren Schritte als „Alleinreisende“. Inzwischen sind Reisen bei mir ein fester Jahresbestandteil. Mal finde ich mich in einer bunt gemischten Gruppe wieder, mal mit Partner, in Familie oder mit mir allein. Egal ob fern oder nah, überall gibt es interessante Entdeckungen. In 2013 war es die Langsamkeit beim Pilgern. Seither hat mich das Gehen völlig in den Bann gezogen, und ich bin oft zu Fuß unterwegs.

2014 – ins Kino und Theater gehen 
Jemand anders sein und sich in dieser Rolle austoben können bereichert mein Leben als Laienschauspielerin. Genauso gern gehe ich ins Theater oder Kino. Während es mit den Kinogängen ganz gut funktionierte, wäre die Sache mit dem Theater fast unter den Tisch gefallen. Spontanität und ausgebuchte Vorstellungen passen einfach nicht zusammen. Ein Plan musste her und nun heißt es einmal im Monat: Vorhang auf zu Tanz oder Musical, Drama oder Komödie und manchmal schaue ich bei den Probenarbeiten (Kostprobe genannt) zu. Wundervoll inspirierend.

Die Suche nach der Perle

Jedes Jahr gehe ich wieder auf die Suche. Welche Perle ist die Richtige? Es darf immer nur eine sein.  Am liebsten hätte ich gerne alle auf einmal. Warum hat ein Tag nur 24 Stunden? Da ist Beschränkung doch vorprogrammiert, denn was nützt mir eine Perle der Lebensfreude, wenn ich es nicht schaffe, sie in den Tagesablauf zu integrieren?

2015 – Bewegung: Gehen
Beim Pilgern, bei Wanderungen, bei Spaziergängen merkte ich wie gut die Bewegung meinen Gelenke tat. Nur zwischen punktueller und regelmäßiger Bewegung liegt ein himmelweiter Unterschied. Zeitweise klappte es sehr gut, z.B. als Training für meine Rolle als Puck im „Sommernachtstraum“, danach war wieder Ebbe. Eine Reise in die Wüste von Marokko hatte mir wieder gezeigt, dass jeder Schritt meine Gesundheit fördert. Nach dem Motto „Mühselig ernährt sich das Eichhörnchen“ laufe ich nun täglich 20 Minuten am Feldweg hinter dem Haus entlang.

2016 – Musik und Klang
Musik streichelt meine Seele, rührt mich zu Tränen, lässt mich durch die Wohnung tanzen, hilft mir aus Traurigkeit heraus und bringt Fröhlichkeit in mein Herz. Dass mir Musik soviel bedeutet, hatte ich verdrängt bis es mir die abendlichen Facebook-Posts von Dr. Beate Forsbach wieder ins Bewusstsein brachten. Ich wusste sofort, dass es meine neue Perle der Lebensfreude sein wird. Am Neujahrstag waren Thomas und ich im Konzert und noch drei Tage später schwebte ich im Walzertakt durch das neu begonnene Jahr.

2017 – hat keine neue Lebensfreudeperle
Manche gerät im Lauf der Zeit in Vergessenheit. Dann ist es sinnvoll sie ganz zu streichen oder sie, falls dein Herz daran hängt, wieder neu ins Bewusstsein zu holen. Kino und Theater war eine solche Perle, die ich in diesem Jahr reaktiviert habe.

2018 – Noch einmal: Gehen
Mein Jahresmotto war „Langsamkeit“. Das passte bestens, da mich mein heiß geliebtes Vehikel unerwartet verlassen hat. Von einem Moment auf den anderen trat ich eine Ausbildungsstelle zur Fußgängerin an. Was lag also näher, als sich ganz bewusst mit dieser gemächlichen Fortbewegungsart auseinanderzusetzen. Oft musste ich meinen Schweinehund zwar überlisten, doch inzwischen ist diese Zeit fest ins Tagesprogramm integriert und trägt wesentlich zu meiner Lebensfreude bei.

2019 – draußen SEIN
Mit den Wellen der Ostsee landete diese Perle in der letzten Rauhnacht am Strand. Beglückt habe ich sie aufgehoben, verband sie sich doch auf’s Feinste mit dem Gehen, der Langsamkeit und meiner Liebe zur Natur. Mir fiel auch sofort ein wundervolles Projekt ein und jede Menge Gründe, die dafür sprachen, es endlich in Angriff zu nehmen: Gartenneugestaltung.

1. Es stand schon lange auf meiner Muss-ich-mal-irgendwann-machen-Liste.
2. Die Arbeit würde mich tagtäglich nach draußen ziehen.
3. Ich stellte es mir großartig vor, selbst Gemüse anzubauen.
4. Bunte Blumenbeete wären eine Freude für mich und unsere Bienen.
5. Seit Jahren esse ich das Unkraut im Garten einfach auf. Nun wollte ich mehr über die Wirkung dieser Pflanzen wissen und absolvierte deshalb im Frühjahr/Sommer eine Ausbildung zur Kräuterfachfrau. Nun sollen noch viel mehr wildes Kraut den Garten bewohnen.
6. Auf die Frage, welches Thema fehlt dir in diesem Blog, antworteten viele Leserinnen: Garten. Nun bin ich in der Experimentierphase, um darüber schreiben zu können.

Wie ist es bei dir? Hast du auch Perlen der Lebensfreude, damit es dir gut geht? Was hilft dir, schwierige Zeiten zu überstehen? Welche lieb gewordene Gewohnheit ist Bestandteil deines Lebens und hilft dir aus traurigen oder belastenden Situationen? Wofür könntest du dich begeistern, so dass du Zeit und Raum vergisst? Was lässt dein Herz hüpfen oder schenkt dir neuen Lebensmut? Schreib mir einen Kommentar, denn die anderen Leserinnen freuen sich über jede Ergänzung zum Artikel.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und lauter bunte Sachen machen

Deine Elvira

Perlen der Lebensfreude
Wenn das Leben grau ist, such dir eine Perle der Lebensfreude aus

50 Jahre – mitten im Leben      

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14 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira,
    danke für diesen schönen Beitrag. Ja, auch grau – für mich eher bunt und schön, wie das Herbstlaub in unserem Pfarrgarten.
    Deine Idee mit nur einer Perle ist toll für mich als Scanner.
    … und ich kenne meine Perle schon. PFERDE bzw. ein Pferd
    Mein Traum ist es Pferde als Co-Coach einzusetzen, damit das kein Traum bleibt, gehe ich jetzt auf die Suche nach einer Pferde-Beteiligung. DANKE für diesen tollen Impuls!!
    Ich wünsche Dir eine wundervolle Tanzvorstellung und einen fund-reichen November.
    Herzliche Grüße aus der Pellenz und noch einmal DANKE für Deinen so authentischen Input, der mir wirklich gut tut

    Martina

    1. Hallo Martina,
      ein Pferd als Co-Coach, welch eine fabelhafte Idee, welch eine herrlich glänzende Perle für das neue Jahr. Und nur die eine, damit du dich darauf konzentrieren kannst. Möglich, dass du dafür etwas Anderes loslassen musst, doch es lohnt sich immer.
      Ich wünsche dir viel Freude an dieser Perle.

      Ganz liebe Grüße
      mit strahlendem Sonnenschein gegen Novembergrau
      Elvira

  2. Liebe Elvira,

    Ich habe auch ein paar Perlen. Vorne vorweg das Schreiben, diese Perle bekommt 2015 einen ganz besonderen Stellenwert, wenn ich meinen zweiten Blog starte.

    Lesen, Perle Nummer 2, bekam bei mir nicht durchs Fernsehen (ich schaue kaum Fern), sondern durchs Schreiben Konkurrenz. Früher las ich ein Buch pro Woche, jetzt eines pro Monat. Ist aber in Ordnung so. Und unter diesen Leseperlen befindet sich der Star, der Perlen, die ganz seltene, besonders schöne: Schiller lesen! Schiller-Texte sprechen mich in jeder Lebenslage an!

    Die Perlen, die momentan ein bisschen zurückstehen, aber nicht vergessen sind: Kino und Musicals.

    Dafür habe ich eine neue Perle entdeckt, oder eigentlich wiederentdeckt: Ich höre Musik. Und endlich habe ich meinen eigenen Musikgeschmack herausgefunden, und so klingt der Tag fast immer mit jazzigen Songs aus.

    Alles Liebe
    Barbara

    1. Liebe Barbara,
      denke ich an unser Treffen in Wien zurück, bin ich sicher, dass du deine Perle für 2015 gefunden hast. Schreiben tauchte in deinen Erzählungen mindestens alle 10 Minuten auf. Hau in die Tasten, dass sie glühen, denn ich werde immer neugieriger auf deinen nächsten Blog.
      Ja und irgendwann hast du mich soweit, dass ich mir mal diesen „Herrn Schiller“ genauer ansehe.

      Liebe Sonnengrüße
      und viel Freude an der neu entdeckten Musik
      Elvira

  3. Liebe Elvira,
    Ein sehr schöner, berührender Artikel, danke. Ich habe dieses Jahr eine ganze Perlenkette gesammelt bei meinem Aufenthalt in Laos. Du hast recht, es macht Sinn innezuhalten und über die Perlen nachzudenken. Es finden sich immer welche oder wir können endlich anfangen sie zu entdecken.
    Beste Grüße
    Gila

    1. Liebe Gila,

      ich wünsche dir, dass du, wieder zurück in Deutschland, auch hier Perlen für eine neue Kette entdeckst.

      Liebe Grüsse und einen guten Neustart
      Elvira

  4. Ich weiß, das ist jetzt nicht direkt das Thema, aber entstehen Perlen wirklich durch Verletzungen der Muschel? Das finde ich echt faszinierend.

    Bei deinen ganz persönlichen Perlen bekam ich eine Gänsehaut. Vor allem deine Perle des Theaterspielens hat mich berührt.

    Für mich sind Bloggen und Lesen meine Perlen. Jahrelang habe ich nur Ratgeber und Fachliteratur gelesen. Vor kurzem habe ich mich wieder den Romanen zugewandt, die für mich lange Zeit wie Zeitverschwendung vorkamen.

    Liebe Grüße
    Sibilla

    1. Liebe Sibilla,

      Ratgeber und Fachliteratur ist sicher wichtig und daraus lernt man viel. Wissen, dass du durch deine Bloggenperle weitergeben kannst. Doch für das Herz und die Seele ist das wichtiger, was du als Zeitverschwendung betrachtest. Um dich gut zu fühlen, brauchst du beides.
      Romane behandeln die stärksten Gefühle, die uns Menschen zu eigen sind: Liebe, Macht/Neid/Eifersucht und Versöhnung. Bester Lernstoff zur Krisenbewältigung.

      Liebe Grüsse
      und wundervolle Momente Zeitverschwendung
      Elvira

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