Was ich mit 60 Jahren tun und lassen sollte

Was sollte ich mit 60 Jahren tun und lassen

Mit 60 Jahren verlasse ich die Gruppe der Best Ager und gehöre nun zur gesellschaftlich sehr bedeutenden Spezies der jungen-Alten. Das sind Menschen im Alter zwischen 60 und 80. Ich finde die Bezeichnung hat was, ist nicht Fisch noch Fleisch sondern irgendwie dazwischen. Man ist so alt, wie man sich fühlt, einen Tag sehr jung, am nächsten uralt.

Diese 60 Jahre rütteln an meinen Glaubenssätzen

Nachdenklich und teilweise irritiert blicke ich auf diese 60 Jahre. Die Plagegeister scheinen sich plötzlich zu vervielfältigen. Lassen sie mich normal in Ruhe, sind sie zur Zeit besonders aktiv. Jedes Zwacken im Rücken, jede Anspannung in Nacken und Schulter registriere ich genauestens und beobachte besonders meine Gelenke. Bei vielen meiner Bekannten begann ab 60 der körperliche Abbau. Nun laufen sie vermehrt mit Ersatzteilen herum, haben künstliche Hüftgelenke oder Knie-Operationen hinter sich, sind eingeschränkt in ihrer Mobilität.

Diese 60 starrt mich an, lässt mir keine Ruhe, nistet sich in meine Gedanken ein, knabbert an meiner Lebensfreude. Eigentlich ist es mir ziemlich egal wie alt ich bin. Ein Geburtstag ist schließlich nur diese eine Sekunde um Mitternacht, die bestimmt, dass ich nun ein Jahr älter geworden bin. Trotzdem – dieses Mal rüttelt er an meinen Grundfesten, meinen Glaubenssätzen: Älter werden nur die Anderen, damit habe ich nichts zu tun oder man ist so jung wie man sich fühlt.

Nein, liebe 60, bange machen gilt nicht

Auch als junge-Alte werde ich jeden Morgen mit dem rechten Fuß aufstehen. (Ein Narr, wer da an Aberglauben denkt.) Danach ist Grimassen schneiden mit Lachen vor dem Spiegel angesagt, und als letztes bedanke ich mich für den wunderschönen Tag. Dieses Ritual lässt mich täglich nur das Beste erwarten und hilft meiner Lebensfreude und der guten Laune auf die Sprünge.

Natürlich nagen Ängste an mir herum:
Reicht das Geld?
Was ist, wenn ich krank werde oder sogar ein Pflegefall?
Wohin gehe ich, wenn ich nicht mehr zuhause leben kann?
Wie steht es um meine Altersvorsorge, um den Kindern nicht zur Last zu fallen.
Was kann ich jetzt bereits loslassen?
Das Thema Einsamkeit
Fragen zur Nachhaltigkeit und Ökologie
Das Gefühl, mir rennt die Zeit davon
Wie kann ich gut mit mir umgehen?

Mit 60 Jahren fängt die Party an, es wird niveauvoll

Halt, stopp, bevor ich trübsinnig werde, da war noch was. Was habe ich gelesen „60 ist das neue 40“. Klingt gut. Sucht man nach Sprüchen, dann ist ab diesem Alter echt der Bär los. Reim dich oder ich fress’ dich, hier mal stellvertretend für alle anderen eines der wundervollen Gedichte:

Mit 60 wird es turbulent,
mit 60 wird nicht mehr gepennt.
Mit 60 fängt die Party an,
jetzt nimmt das Leben seinen Gang.

Ja, mit 60 lassen wir es noch einmal richtig krachen. Äh, wie bitte? Was war denn vorher? Klickt man sich durch das große weltweite Netz, gibt es noch mehr Niveauvolles, Lustiges und Freches. Bei diesen Aussichten bleibe ich besser auf ewig 59?

Ich habe mal nachgeschaut, was mich geschenketechnisch erwartet: Da sind Altersruhebänke, Erste-Hilfe-Sets oder Überlebenskoffer angesagt und besonders kreativ: Toilettenpapier mit aufgedruckten 60 Schildern, damit ich mein neues Alter auch am stillen Örtchen nicht vergesse. Besonders originell das Anti-Falten-Duschgel oder äußerst ausgefallen, das bedruckte T-Shirt, natürlich in femininer Erscheinungsform und hoher Qualität. Manche wohlwollenden Präsente sind so scheußlich, die will ich hier nicht erwähnen.

Mit 60 Jahren gehöre ich zu den jungen Alten
Der 60. Geburtstag steht vor der Tür. Soll ich ihn reinlassen oder so tun, als wäre ich nicht zuhause?

Mit 60 Jahren werde ich umworben wie nie

Doch Alter hat auch was Gutes. Ich gehöre ja zur großen Gruppe der Baby-Boomer, und die haben clevere Marketingstrategen als kaufkräftige Zielgruppe entdeckt. Dumm nur, dass unser Kaufverhalten so schlecht einzuschätzen ist: Wir lassen uns nicht in eine Schublade stecken, sind aufgeschlossen Neuem gegenüber, durchaus experimentierfreudig, anspruchsvoll, haben im Lauf des Lebens unseren eigenen Stil entwickelt, sind gestandene Persönlichkeiten, dazu unternehmungslustig, gesund, anpassungsfähig – also ziemlich speziell. Nun sind Massen von Entwicklern, Designern und Kreativen damit beschäftigt, Produkte und Dienstleistungen passgenau auf unsere Bedürfnisse abgestimmt zu fabrizieren. Man stelle sich vor, welch eine Marktmacht von uns ausgeht, da könnten wir uns doch vornehmen, mit unserem Kaufverhalten die Welt ein bisschen zu verändern.

Mit 60 Jahren darf ich alles tun, was mir in den Kopf kommt

Natürlich werde ich mein „hohes Alter“ voll ausnutzen. Ich male mir in den prächtigsten Farben aus, was ich dann alles machen darf ohne seltsam zu wirken.

  • Mir vergnügt einen Seniorenteller bestellen, denn man hat ja nicht mehr so viel Hunger.
  • Sollte ich ein paar Pfunde zunehmen, liegt es nicht am übermäßigen Essen. Ungeniert schiebe ich es auf den Stoffwechsel oder sind es die Hormone? Nein, die sind für meine Gefühlsschwankungen zuständig und davon gönne ich mir sehr viele.
  • Endlich hindert mich nichts und niemand mehr daran, an einer Kaffeefahrt teilzunehmen und diese wunderbar überteuerte Heizdecke zu kaufen.
  • Bis jetzt war ich immer gesund, doch nun wird es Zeit, mir einen Hausarzt zu suchen. Der darf gern etwas älter sein, aber gut aussehen. Damit wäre der freie Montag morgen gesichert. Erst der Plausch mit anderen Patienten im Wartezimmer, dann noch ein bisschen in der Regenbogenpresse schmökern und anschließend das Gespräch mit dem attraktiven Doktor. Perfekt.
  • Meine Gesprächsthemen bedürfen einer kolossalen Neuausrichtung. Redete ich früher über die Kinder und später die Enkel, wird nun der Schwerpunkt auf Gebrechen und Krankheiten liegen. Da gibt es einiges auszuarbeiten, denn es soll ja unterhaltsam und spannend sein. Und mit wem rede ich über „alte Zeiten, in denen alles besser war“? Bis jetzt müssen sich das meine Kinder anhören, doch eine neue Zuhörerschaft wäre von Vorteil.
  • Bei der Kleidung werde ich mir einen völlig neuen Style zulegen. Um ein fröhliches Beige führt kein Weg vorbei. Und wenn schon Farbe, dann in ganz zarten Pastelltönen. Weg mit „Shocking Pink“, Rot und Zitronengelb, her mit Taubengrau, Altrosa oder schlichtem Creme.
  • Kleiner Gedankensprung zwischendurch und eine Notiz, damit ich es nicht vergesse: den Katalog der Volkshochschule besorgen. Ich muss mich dringend um neues Hobbys kümmern.
  • Auf meine Ehre sollte ich unbedingt achten und rumfragen, in welchem Amt ich gebraucht werde. Zahlreiche Vereine und Organisationen suchen händeringend nach Menschen, die unentgeltlich arbeiten und sich zum Wohle anderer einsetzen. Es ist an der Zeit, der Gesellschaft was zurückzugeben und gleichzeitig ein gutes Mittel gegen Vereinsamung.
  • Schließlich möchte ich mein Leben ab 60, als junge-Alte mit ein paar Verrücktheiten krönen. Die sollten schon gut ausgewählt sein und deshalb denke ich darüber nach: Was hat mir früher Spaß gemacht, was wollte ich schon immer gerne tun, was fasziniert mich oder welche Wünsche will ich mir noch erfüllen?
  • Und zu guter Letzt: Das Leben wird günstiger. Her mit den Seniorenrabatten bei Bahn, Bus, Theater, Museen und, und, und.

Hach, es wird spannend, amüsant und umtriebig werden. Ab jetzt habe ich keine Zeit mehr. Habt also bitte Nachsicht, wenn sich an der Supermarktkasse ein älteres Wesen vordrängelt. Es eilt, jeder Tag ist mit Terminen vollgestopft und es gibt viel zu erleben bis ich mit 80 Jahren eine alte-Alte werde.

Sollte ich für mein neues Lebensjahrzehnt etwas vergessen haben, dann schreibt mir. Bestimmt habt ihr noch den ein oder anderen Vorschlag. Ich freue mich darauf. Manchmal ist es ja so, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Lass uns zusammen Leben – Lieben – Lachen
und bunte Sachen machen

Deine Elvira

50 Jahre – mitten im Leben      

Du möchtest das Beste aus Deiner 2. Lebenshälfte machen und in Zukunft keinen Blogartikel mehr versäumen? 

Dann trage bitte Deine E-mail-Adresse unten ein und Du erhältst jede Woche einen persönlichen Brief von mir mit  Impulsen, Geschichten, Notizen und dem Link zum Artikel sowie
jedes Vierteljahr „Septemberfrau – Das Magazin“  

Also, worauf wartest du noch. Trag dich ein und ab geht die Post. Ich freue mich auf Dich.

Deine E-Mail-Adresse gebe ich garantiert nicht weiter. Versprochen. Mehr dazu erfährst Du in meiner Datenschutzerklärung sowie den Informationen zum Newsletter

Wenn Du den Newsletter nicht mehr haben möchtest, kannst Du ihn ganz bequem mit dem Abmeldelink am Ende jedes Wochenbriefes abbestellen.

12 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hach, Elvira – herrlicher Text! 🙂 .. ich hab noch 5 Jahre bis zu dem herrlich von Dir beschriebenen Wechsel in ein neues Zeitalter! Ich wünsch Dir schon jetzt GOTTES SEGEN und eine weiterhin unerschöpflich munter sprudelnde SchreibQuelle. Damit wir von Dir inspiriert werden .. DANKE für so viel tiefsinnge Heiterkeit.

    Lieben Gruß – BiRGiT

  2. Toller Text, liebe Elvira. Eines kann ich noch ergänzen: Du findest ab jetzt vorsorglich Informationen über Sterbegeldversicherungen, Treppenlifter, Tena Lady usw. in Deinem Postfach. Du wirst also für den Fall der Fälle frühzeitig informiert. Außerdem Empfehlungen für brüchige Knochen, Seniorenreisen usw. Ach ja und Kataloge von bestimmten Versandhäusern die Dir unförmige Röcke in Deinen Lieblingsbeigetönen in Stretchqualität oder mit phantasievollen merkwürdigen Mustern bedruckte Blusen in Hängerform, im Katalog aber gern von jungen hübschen Frauen präsentiert, offerieren. Viel Spaß!

    1. Hach, liebe Anne, das sind rosige Aussichten. Daran hatte ich noch nicht gedacht. Ich bin ja so begehrt.

      In Erwartung, was da kommen mag
      wünsche ich Dir ein schönes Wochenende
      Elvira

  3. Liebe Elvira, jede Woche wieder lesenswert und diesmal besonders aufschlussreich – schliesslich erwartet mich das Ganze auch in einem Jahr….

    Bis dahin und auch danach habe ich allerdings noch viel vor! Denn mit der grossen Freiheit beginnt die Lebens-„reise“ doch erst so richtig.

    Frei nach den Zitaten „zu reisen ist zu leben“ (Christian Andersen) und „Leute machen keine Reisen sondern Reisen machen Leute“ (unbekannt) haben wir doch noch Grosses und Vielversprechendes vor uns.

    Gemäss deiner Löffelliste hast du – und viele Bestager und jungen Alten – noch so einiges vor und ich finde es ein grossartiges Geschenk des Lebens, dass unsere Generation diese Chance hat.

    Mehr Inspiration dazu unter http://www.reisenmitsinn.de
    Reisen zur Begegnung, zur Natur und zu dir selbst.

    Herzliche Grüsse
    Birgit Kirchner

  4. Hallo Elvira, schön geschrieben.
    Wir sind jetzt Seniorinnen … die 60 ist schon ne komische Zahl gell?
    Und es heißt in einem Büchlein, das man mir schenkte: Man ist so jung wie man sich fühlt.
    Auf jeden Fall sind wir nun im gleichen Alter wie Madonna (das waren wir also schon immer) und der Fischer-Dübel. Ich hatte mal gegoggelt was man so findet rund um den 58er Jahrgang.

    In Zürich darf ich jetzt an der Senioren Uni „studieren“ und in D die Bahncard preiswerter erwerben. Das nehm ich nächste Woche gleich mal in Angriff.

    Nur die Zahl ändert sich sonst nix. Bleib gelassen!
    Herzlich. Petra

    1. Liebe Petra,
      die BahnCard finde ich auch einen guten Anfang – Seniorenrabatt! Wesentliche Umstürze, besser Umzüge in eine kleinere Wohnung gab es ja schon. Also, danke für den Tipp: Ich bleibe gelassen. Nur manchmal gelingt es nicht ganz.

      Herzliche Grüße
      Elvira

  5. Liebe Elvira,

    ich bin in diesem Jahr, vor gar nicht langer Zeit 64 geworden und Ende Juni in Rente gegangen. Ich bleibe auch immer gelassen. *grins*, aber du sagst es, manchmal gelingt das nicht. Die Senioren-Bahncard habe ich schon und sie kommt bei mir viel zum Einsatz. Wenn ich mir Gedanken um die Zukunft mache, dann sage ich mir: Es kommt, wie es kommt. Da mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist. Warum jetzt schon über ungelegte Eier nachdenken. Mir geht es gut und den Rest schaun wir mal. Mit der Zahl habe ich keine Probleme, aber ich mag seit 3 – 4 Jahren meinen Geburtstag irgendwie nicht mehr. Ich mag nicht mehr feiern (komme ich bei meiner Familie natürlich nicht herum). Aber am nächsten Tag ist wieder alles gut.

    Jeder geht also auf seine Weise mit dem Alter ob 60, 61, 62 oder…. damit um. Also lassen wir es krachen. Wir dürfen das!

    Liebe Grüße
    Gudrun

  6. Was für ein wunderbarer Text und Gott sei Dank nicht ganz so ernst gemeint. Von heute auf morgen ändert sich natürlich überhaupt nichts und von den Ängsten, die einen überfallen, darf man sich nicht die Freude am Leben nehmen lassen. „et kütt wie et kütt“, sagt der Kölner, also „Es kommt wie es kommt“ und wir können es sowieso nicht ändern.
    Liebe Grüße
    Karin

    1. Liebe Karin,
      danke für den Zuspruch, wenn mir zwei Mal hintereinander „Es kommt wie et kütt“ zugesprochen wird, nehme ich das gerne an.

      Mit herzlichen Gruß nach Köln
      Elvira

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere