Fastenkur

Fastenkur – wie ich 7 Tage ohne Essen überlebte

Unglaublich. Unvorstellbar. Ich habe mich getraut eine Fastenkur zu machen, so richtig ohne was zu essen. Null. Nichts. Es war eine ganz spontane Idee und so begann ich hastig und ziemlich unvorbereitet. Doch ich wollte die 72-Stunden-Regel nutzen, die sagt, wenn du ein Projekt nicht innerhalb von drei Tagen beginnst, wird daraus meistens nichts. Also sprang ich ins kalte Wasser und schildere euch die Höhen und Tiefen in einer Woche Fastenkur.

Die Macht von Glaubenssätzen

Glaubenssätze sind was ganz Gemeines. Sie stecken tief in dir drin, beeinflussen deine Gedanken und damit auch Handlungen. Das Dumme dabei – du bemerkst es überhaupt nicht, da sie dir oft bereits im Kleinkindalter indoktriniert wurden. Bei manchen habe ich sogar das Gefühl, sie wurden mir vererbt. Kein Wunder, dass ich 60 Jahre brauchte, um den Glaubenssatz loszulassen: Ohne Essen überlebst du nicht. Fastende Menschen betrachtete ich deshalb immer als genußfeindliche Spaßverderber, verkehrt im Kopf, seltsame Wesen oder Außerirdische. Jetzt gehöre ich selbst zu dieser merkwürdigen Spezies der Menschen, die freiwillig und ohne Zwang auf Nahrung verzichten. Komisches Gefühl.

Glaubenssatz: Essen macht groß und stark

Wenn ich mich zurückerinnere an meine Kindheit, war Essen immer sehr wichtig in unserem Zwei-Frauen-Ein-Kind-Haushalt. Oma hatte zwei Weltkriege miterlebt, meine Mutter einen und beide litten mit Sicherheit unter Hunger. Erzählt haben sie es nie, Andeutungen gab es genug. Emsig sorgten sie dafür, dass unsere Vorratskammern mehr als genug gefüllt waren. Natürlich achteten sie darauf, dass ich den Teller leer aß und sagten mir oft, wie gut ich es habe, weil ich keinen Hunger leiden müsse. Alle Lebensmittel zu verbrauchen war selbstverständlich, nichts wurde weggeworfen. Zu diesen vorbildlichen Verhalten kamen noch ein paar Anmerkungen, und ich wußte, dass es fürchterlich ist, nichts zu essen. Weitere Erzählungen von älteren Menschen in meinem Leben untermauerten dieses Wissen.

Fastenkur - 7 Tage ohne Essen
7 Tage überleben ohne etwas zu essen

Warum der Gesinnungswandel mit der Fastenkur?

Wie beim Domino braucht es nur das Antippen eines Steins und das ganze Glaubensgebäude fällt in sich zusammen. Der Impuls kam von der Freiraumfrau, mit der ich bereits die Rauhnächte durchlebt hatte.

Klick zum Lesetipp: Wie ich die Rauhnächte erlebte

Im Rahmen eines Fernsehberichts über das Fasten wurde sie interviewt. Ich hatte die Sendung angesehen, eine Nacht darüber geschlafen und motiviert von meinem „Rumpelstilzchen“ am nächsten Morgen die Entscheidung getroffen: „Jetzt probiere ich es aus, wenn das wirklich so gesund ist.“

Bisher betrachtete ich Fastenkuren nur im Zusammenhang mit Abnehmen, wozu ich absolut keine Lust hatte. Der Gesundheitsaspekt war der Auslöser zur veränderten Sichtweise, denn als „Alte Frau“ hatte ich inzwischen einige diffuse Zipperlein zu verzeichnen. Fasten sollte das nun alles wieder ins Lot bringen. Um den Willen zu stärken, malte ich mir aus, dass ich danach rundum erneuert und von Glücksgefühlen überwältigt wieder als junges Kücken herumhüpfen würde.

„Tausend Meilen
beginnen mit dem
ersten Schritt“
(aus Korea)

Samstag

Mit diesem leuchtenden Ziel vor Augen und einer wagen Vorstellung, was ich für eine Fastenkur brauche, zog ich los zum Einkaufen ins örtliche Reformhaus. Nach kleiner Beratung erstand ich

Säfte: sehr hochwertige, am besten aus Gemüse
Tee: basenbildend, entwässernd, jedenfalls aus Kräutern
Gemüse: um daraus Gemüsebrühe zu kochen (ohne Salz)
Kräuter und Gewürze: für deren guten Geschmack
Glaubersalz (Apotheke): igitt, das hat nichts mit dem Küchensalz zu tun

Um Nachdenken zu vermeiden, putzte ich die Wohnung und trank zwischendurch Wasser, Tee und Saft. Da Bewegung wichtig sein sollte, ging es raus in die eisige Natur. Und dann ließ sich das Fürchterliche nicht mehr vermeiden, wollte ich nicht gleich am Anfang scheitern: Trinken des Glaubersalz-Ekelwassers zur Darmreinigung. Nase zuhalten, das Gemisch in sich reinschütten, fertig. Boah, grauenvoll. Später lag ich in der Ecke herum, fühlte mich matt, energielos, uninspiriert, leer.

Sonntag

Die winzige Spur Aufbruchstimmung nutzte ich für einen sehr langen Spaziergang mit meiner Enkelin. In klirrender Kälte bewunderten wir die glitzernde Landschaft und beobachteten einen Fuchs, der auf der Suche nach Fressen seines Weges zog. Ein unfreiwillig Fastender. Ich möchte andere Erfahrungen machen. Welche? Ich weiß es nicht.

Aufmerksam blättere ich Bücher und Zeitschriften mit Fastenthemen durch und las meinem lieben Thomas, den ich überzeugt hatte mit mir zu fasten, die Vorteile einer Fastenkur vor:

Veränderung der Ernährungsgewohnheiten
Entgiftung und Reinigung des Körpers
Glückszustände
Gefühle von Freiheit
Gewinn von innerer Stärke
mehr Wohlbefinden
erhöhte Vitalität und Fitness
bessere Gesundheit
gesteigerter Energielevel
größere Leistungsfähigkeit
und Trommelwirbel – der Alterungsprozess wird aufgehalten.

Das ist doch spitzenmäßig, nur insgeheim glaubte ich nichts davon. Der Hunger nagte an den Eingeweiden. Der Kopf summte und brummte. Die Energie war im Keller. Was nun? Baden! Ein Schaumbad. Duft und Entspannung pur. Für einen Moment vergaß ich mein Leid.

Endlich kam der Abend, ich durfte Gemüse schnippeln für die Brühe. Wohltuender Duft zog durch die Wohnung und dann? Essen. Mit einem Löffel. Aus einem Teller. Die wässrige Brühe. Köstlich. Danach ab ins Bett, sich dem Hunger durch Schlaf entziehen.

Montag

Ich wachte sehr früh auf und prüfte meinen Schädel. Verflogen war aller Schmerz und alles Übel. Welch eine Freude. Nach einer meditativen Reise durch meinen Körper gab’s leckeres Frühstück: Wasser und Brennessel/Löwenzahntee. Ich flachste herum, das Fasten auch Zeitersparnis ist: keine Essensvorbereitungen und kein Kauen. Praktisch.

Bevor es mit Wasser und Saft an den Schreibtisch ging, folgte eine Runde Qui gong. Viele Monate hatte ich es vernachlässigt. Das rächte sich. Die Gelenke knackten, und die Muskeln lehnten sich gegen manche Übung auf. In der Mittagspause gönnte ich mir einen ausgedehnten Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein, bevor es wieder an die Arbeit ging. Der Gute-Laune-Pegel stieg.

Für das Abendessen bereitete ich Tomatenbrühe. Anschließend hatte ich viel Zeit, um nochmals die 1. Rauhnacht, welche für den Januar steht, zu reflektieren. Es war eine Skizze meiner Lebensreise. Viele Fragen standen da, die auf Antwort warteten:

Woher kommst du?
Wo liegen deine Wurzeln?
Wer sind deine Ahnen?
Was ist dir gut gelungen?
Wobei bist du auf die Nase gefallen?
Was hast daraus gelernt?
Wer waren und sind heute deine Wegbegleiter?
Wo willst du hin?

Dazwischen sind Wortschätze gestreut:
Komfortzone – Neuland
Verlust – Lust
Brücken – Verbindung
Fluss – loslassen
Erinnerungen – Schmerz und Freude

Dienstag – Freitag

Nach draußen gehen, arbeiten und unter Menschen sein war an diesen Tagen mein Rezept gegen Hunger. So ganz traute ich meinem Willen dann doch nicht, was das Durchhalten betraf. Unnötig. Null Hungergefühle. Zwischen die Arbeit streute ich Bewegungspausen und abends dann Entspannung, Lesen und Träumen. Die Belohnung war noch mehr gute Laune, Leichtigkeit und als Zugabe am Schluss 3 kg weniger Gewicht. Ach ja, das Zwacken im Rücken war ebenfalls verflogen.

Samstag

Voller Begeisterung wachte ich auf, denn ich habe 7 Tage Fastenkur durchgestanden und fühlte mich, als könnte ich Bäume ausreißen (kleine, also winzige). Was ich nie für möglich gehalten hatte, weil mir mein Glaubenssatz den Weg versperrte, wurde Wirklichkeit:

Ich kann eine Woche ohne Nahrung überleben.

Damit habe ich meine Komfortzone verlassen, Neuland betreten und das fühlt sich sehr gut an.

Nun war Fastenbrechen angesagt. Ich freute mich wie ein kleines Kind auf den Apfel zum Mittagessen. Voller Genuss biss ich hinein, kaute ganz andächtig, kaute nochmal, schmeckte die Süße, die Frische, die vielfältigen Aromen und fühlte mich wie im 7. Himmel.

Nun bin ich neugierig. Hast du schon mal gefastet? Wie waren deine Erfahrungen damit? Ich freue mich über deinen Kommentar. Herzlichen Dank für deine Ergänzungen.

Lass uns zusammen Leben – Lieben – Lachen
Neuland betreten und bunte Sachen machen

Deine Elvira

PS: Jetzt bin ich bei den Aufbautagen, esse viel Obst und Gemüse in jeglicher Form, wenig Milchprodukte, dazu viel trinken und weiterhin Kaffee (schluchz) und das gute selbst gebackene Brot (schluchz-schluchz) sowie Butter (großes Geheul) vermeiden.

PPS: Fastenkuren solltest du nur dann in Eigenregie durchführen, wenn du weißt, dass du pumperlgesund bist. Fasten ist eine Belastung für den Körper und darf bei bestimmten Krankheiten wie z.B. Herz-,Kreislauferkrankungen, Nierenproblemen oder Tumore ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden. Für Menschen mit psychischen Problemen und Essstörungen sowie für Kinder, Heranwachsende, Schwangere und Stillende ist Fasten tabu.

Gesucht und gefunden: Ich glaube, alles, was du über Fasten wissen willst, findest du auf der Seite von Tonia Tünnissen-Hendricks. Also, bevor du so spontan wie ich agierst, schau erst mal hier rein: Heilfastenkur

50 Jahre – mitten im Leben      

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9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Leider habe ich keinen Erfahrungsbericht für Dich liebe Elvira. aber das hört sich so gut an, dass ich darüber nachdenke es dir gleich zu tun. Allerdings muß ich erst mit meinem Arzt reden (nach meiner Krebserkrankung ist das sicherer). Ich werde dann berichten.
    Liebe Grüße
    Karin

    1. Manchmal braucht es wirklich nur einen kleinen Schubs. Und wegen deiner Krebserkrankung solltest du vorher auf jeden Fall deinen Arzt befragen. Wie immer es weitergeht, ich werde es bestimmt auf deinem Blog lesen.

      Liebe Grüße
      Elvira

  2. Ich hab das Fasten zuerst vor ca. 35 Jahren ausprobiert, zuletzt vor ca. 10. Es funktioniert tatsächlich, sobald Magen und Darm leer sind.
    Wobei das Nichts-Essen-Dürfen für meine Psyche ganz schlimm war. Im Gegensatz zu Dir, liebe Elvira, hatte ich eine Mutter, die mich dauernd auf Diät setzte.
    An positive Folgen kann ich mich nicht erinnern.

    Inzwischen vertrage ich es nicht mehr, nicht einmal mehr Intervallfasten. Obwohl es für einige Aspekte meiner Gesundheit und meiner Entwicklung sicher nicht schlecht wäre…

    1. Liebe Claudia,
      Glaubenssätze kann man sicherlich irgendwann überwinden, doch negative Erfahrungen durch „Zwangsdiät“ sind da sicherlich belastender. Die 2-3 Mal, die ich eine Diät ausprobiert habe, waren sehr frustrierend, denn ich habe ständig Hungergefühle gehabt und über das Essen nachgedacht. Nachts habe ich dann den Kühlschrank geplündert. Das war beim Fasten ganz anders. Schon seltsam. Und was nicht geht aufgrund gesundheitlicher Aspekte, einfach lassen und nicht weiter darüber grübeln, ist meine Devise.

      Ich wünsche dir noch eine fröhliche Woche
      Elvira

      1. Liebe Elvira,
        dass Du beim Fasten keinen Hunger mehr verspürst, beruht darauf, dass keine Verdauungssäfte mehr aktiv sind, ums mal ganz platt zu benennen.
        Ich hatte am Ende einer Fastenwoche einmal einen Löffel Apfelmus , das ich meinen Kindern servieren wollte, um zu testen, ob es noch gut ist. Prompt hab ich wieder Hunger bekommen…
        Bei Diäten ist sind die “ Verdauungssäfte“ ja nicht lahm gelegt. ( Um das genauer zu erklären, müsste ich nachlesen)

        Ich wünsche Dir ein genießerisches Fastenbrechen und viel Freude am neuen Umgang mit Nahrung.

  3. Liebe Elvira,

    von vielen schöne gehört, aber selbst noch nicht probiert. Einige haben das dann doch nicht so einfach weggesteckt und fanden die ersten Tage ganz schrecklich. So konnte ich mich auch noch nicht dazu bewegen.

    Liebe Grüße
    Gudrun

    1. Liebe Gudrun,
      ja, den ersten Tag fand ich auch kein Zuckerschlecken und die Zweifel waren abends riesengroß, doch wider Erwarten ging alles glatt.

      Ganz herzliche Grüße
      Elvira

  4. Hallo liebe Elvira, ich habe zwischen meinem 19. und 48. Lebensjahr jährlich 1 bis 2 mal gefastet und obwohl ich 4 Kinder zu bekochen habe, ist es mir sehr gut gelungen, hat es mir gutgetan und ich habe nie so gut geschlafen, wie beim fasten. Leider fehlt mir seit drei Jahren der Schwung, die Energie oder was auch immer um wieder zu starten, dein Bericht war ein guter Impuls und ich denke nochmals darüber nach.
    Ich habe aber immer die Erfahrung gemacht, dass fasten mehr ist, als nichts zu essen, sobald ich die Psyche, die Erholung vernachlässigt habe, ist kein langfristiger Erfolg hängen geblieben und ich meine damit nicht die 2 Kilos, die ich verloren habe. Es ist wirklich befreiend, auf Essen zu verzichten, ich gratuliere Dir zu deiner Erfahrung :-), liebe Grüße, Renate

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