Auszeiten Atempausen

Auszeiten – von der Atempause bis zum Sabbatjahr

Auszeiten kommen gerade jetzt besonders oft vor. „Aus“ tönt es bei der Fußball WM und der Linienrichter zeigt mit seiner Fahne an, dass sich der Ball außerhalb des Spielfelds befindet. Für einen winzigen Moment tritt eine Pause ein. In dieser Zeit können sich alle konzentrieren, orientieren und neu positionieren bevor mit einem Einwurf das Spiel weitergeht.

Die großen Auszeiten

Oft denkt man bei einer Auszeit gleich an die großen Veränderungen wie das Ausklinken aus dem Beruf, also das Sabbatjahr oder die Reise um die Welt, um wieder zu sich zu kommen. Fest verankert ist der Begriff mit Wellness allgemein, Massagen oder kosmetischen Behandlungen. Auszeit suggeriert uns Wohlfühlatmosphäre mit Entspannung und Ruhe. An diese Sehnsuchtsorte geht auch mein erster Gedanke, wenn hundert verschiedene Ansprüche mal wieder zu einer Blockade in meinem Hirn führen. Gleich darauf folgt der zweite Gedanke: „Das wäre schön, nur woher soll ich die Zeit zum wellnessen nehmen? Sie läuft mir sowieso schon in Riesenschritten davon und immer ist zu wenig da.“ Und ich funktioniere weiter. Auch der wohlverdiente Jahresurlaub ist ja in gewisser Weise eine Auszeit, doch am Anfang und Ende stehen Stress pur. Vor dessen Beginn müssen noch tausend Dinge erledigt werden. Bei der Rückkehr ist das Gegenteil der Fall, denn dann heißt es: Liegengebliebenes aufarbeiten. Vorbei ist die Wirkung dieser Auszeit.

Die kleinen Auszeiten zwischendurch

Wie im Sport sind auch im Alltag, in der Familie oder im Beruf Unterbrechungen wichtig. Auszeiten sind eine Wohltat für Körper, Geist und Seele, und wir sollten sie täglich in homöopathischer Dosis zu uns nehmen. Einfach mal kurz abbremsen, sinnbildlich den Ball ins Aus werfen, nimmt das Tempo heraus. Das kann das Recken und Strecken auf dem Bürostuhl sein, der Blick aus dem Fenster, der die vom Bildschirm strapazierten Augen erfrischt, ein paar Schritte oder ein großer Schluck Wasser. Danach geht es konzentriert weiter.

Auszeiten verlangsamen das Tempo

Damit du Tag für Tag deine eigenen Ansprüche oder die der Anderen, erfüllen kannst, ist es möglicherweise nötig, insgesamt einen Gang zurückzuschalten und das Tempo zu verlangsamen. Paradoxerweise schafft man mit dieser Methode wesentlich mehr als mit hektischem Tun, Tun, Tun. Zurücktreten, auf den gegenwärtigen Zustand blicken, Denkpausen oder sogar einen „Träumerle-Tag“ einlegen, prüfen, was du hast und verändern, was nötig ist. Die Einteilung deiner Kräfte bringt mehr Erfolg als kopflose Betriebsamkeit. Hierfür kann es nötig sein, ein paar Tage abzuschalten. Raus aus eingefahrenen Strukturen, hinein in einen neuen Raum, eine andere Umgebung.

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben (Indianische Weisheit)

Auszeiten korrigieren und justieren neu

Gefangen im Hamsterrad mit ständiger Erreichbarkeit, überflutet von Informationen und keinerlei Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, vielleicht sogar in einem ungeliebten Job plus Dauerbelastung im privaten Bereich, lassen dir keinen Spielraum mehr. Du stehst mit dem Rücken zur Wand und in deinem tiefsten Inneren spürst du, dass diese Situation dich irgendwann in den Zusammenbruch führen wird. Dann habe den Mut, dir eine „echte“ Auszeit zu gönnen. Ein paar Tage, mal so eben zwischendurch, werden dafür nicht ausreichen. Schau auf das, was du hast, was davon gut ist, was du beibehalten willst, was dringend weg sollte. Dann beginnt die Korrektur oder, auch das gibt es, das Umkrempeln aller bisherigen Strukturen sowie das Wagnis, völlig neu anzufangen. Das geht in der Regel nicht allein. An diesem Punkt ist das Hinzuziehen eines Beraters oder Therapeuten wichtig, dem man vertraut.

Ziehe dich ab und an von dem zurück,
womit du dich beschäftigst (Bernhard von Clairveaux)

Auszeiten gibt es freiwillig oder gezwungenermaßen

Solange deine Auszeiten freiwillig geschehen, weil du es willst oder die Notwendigkeit siehst, ist alles gut. Das kann durchaus sinnvoll sein zwischen zwei Lebensabschnitten wie Schule und Ausbildung/Studium oder vom Erwerbsleben zum Ruhestand, um sich mit einem gewissen Abstand neu einzurichten. Was aber ist, wenn dir die Auszeiten aufgezwungen werden und völlig unvorhergesehen kommen wie es ein Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Trennungen oder sogar der Tod des Partners mit sich bringt? Dann warte nicht erst. Suche dir jemand, der dir hilft oder dich in dieser Phase begleitet, der unvoreingenommen die Situation betrachtet und dir zur Seite steht. Das kann auch in einer Selbsthilfegruppe sein.

Eine Wundertüte voller Auszeiten

Ich habe mal herumgefragt und hier ist eine Liste von kleinen und großen Unterbrechungen des Alltags.

    • Denkpause: Augen schließen, an Wellen und Meer denken, eintauchen in die Farben Blau oder Grün
    • radeln
    • Atempause: Fenster auf und tief ein- und ausatmen
    • Ohne Ablenkung mein Essen genießen
    • Recken und Strecken
    • am Arbeitsplatz sind es kleine Dehnübungen
    • Musik hören
    • in die Bücherei oder Buchhandlung gehen und dort stöbern
    • Meditieren
    • langweilige gleichförmige Tätigkeiten wie bügeln
    • Klangreise, auch Gongreise genannt
    • autogenes Training
    • Auspowern beim Tennisspielen (also Sport allgemein)
    • Yoga, Tai Chi oder Chi gong
    • eine Reise durch meinen Körper vom Kopf bis zu meinen Füßen
    • tanzen, auch zwischendurch immer wieder
    • mit meinen Kindern was unternehmen
    • wandern
    • wenn es mir zuviel wird, gehe ich raus, verlasse die Situation, gehe in ein anderes Zimmer und setze mich still hin
    • wenn ich von der Arbeit komme, bleibe ich einen Moment im Auto sitzen, dann bin ich ganz für die Familie da
    • Gartenarbeit
    • ich male sehr gern (Kreativität)
    • bei meinem Hobby, dem Segelfliegen, die Welt von oben betrachten
    • eintauchen in die Ruhe des Waldes
    • lesen
    • mein täglicher Spaziergang mit dem Hund
    • einfach nichts tun, einen kleinen Moment
    • das Mittagsschläfchen
    • auf dem Marktplatz sitzen, Eis essen, Leute schauen
    • gehe zur Kosmetikerin
    • mit Freunden zusammensein
    • in Reiseführern blättern
    • lege mich in die Badewanne mit viel Schaum
    • gönne mir eine Fußmassage
    • ins Museum gehen
    • zusammen mit meinem Mann was Schönes kochen
    • Handy aus
    • mit dem Auto durch die Gegend fahren
  • Traumtage, wenn ich meine Wunschliste überarbeite
  • ein Wellness – Wochenende
  • besuche Workshops, um mal was ganz anderes zu machen als sonst
  • fahre jedes Jahr einmal ins Kloster zum Schweigen
  • ein Wochenende nur für mich und mit mir (Irgendwann klappt das mal eine ganze Woche)
  • bei einer Familie als Granny – Au pair
  • Rückzug in die Wüste
  • Pilgern
  • die Weltreise
  • ein Sabbatical

Auszeiten sind keine Zeitverschwendung. Sie sind extrem wichtig und heilsam. Du solltest sie dir jeden Tag nehmen und sei sie noch so winzig. Pausen sind die Voraussetzung, dass du gesund bleibst. Darüberhinaus dienen sie deiner Weiterentwicklung, dem inneren Wachstum und der Kreativität. Verlasse mal den Zug deines Lebens, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick und schau dich um, was auf anderen Bahnhöfen, in anderen Städten alles los ist.

Gönnst du dir Auszeiten? Und wenn Ja, wie sehen die aus? Was machst du dann? Ich freue mich auf deine Ergänzung der Liste.

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Deine Elvira

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ach wie passend! Habe gerade verkündet das ich bis Oktober auf Mallorca bleibe. Ich habe mir selbst diese Auszeit verordnet, nach dem in diesem Jahr so viel passiert ist, habe ich sie dringend nötig. Also seit 3 Tagen heißt es für mich absolute Entschleunigung! Danke für die wöchentlichen Impulse!

    1. Liebe Bärbel,

      wow, dann wünsche ich dir gutes Kräftetanken und beste Entschleunigung. Fast hätte der Artikel ein Mallorcafoto bekommen vom Kap Formentera, doch dann schien mir das karibisch blaue Meer hinter Eisenstangen leuchtender.

      Pass gut auf dich auf und komm gut erholt zurück.

      Es grüßt dich ganz herzlich
      Elvira

  2. Liebe Elvira, ein schöner Artikel, der einen wieder daran erinnert, wie wichtig Auszeiten im Alltag sind. Mir hilft es, in meinen Garten zu gehen, tief einzuatmen und die Natur zu beobachten. Das lässt mich wieder Kräfte tanken und Beschwerliches loslassen.

  3. Hallo Elvira,
    vielen Dank für diesen Beitrag. Auch in meinem Kopf sind immer tausend Dinge die noch erledigt werden müssen. Leider gönne ich mir auch zu selten eine Auszeit. Was mir ein wenig hilft – ich fahre nun jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Das hilft mir. Genauso wie bügeln. Ich sage immer zu meinem Mann – ich gehe in den Keller entspannen.

    Leider vergisst man zu oft dass die Entspannung und Abschalten sehr wichtig ist. Ich habe mir vorgenommen dies in Zukunft mehr zu tun.

    Viele Grüße

    1. Liebe Heike,

      die Auszeit, also das radeln, zwischen Aufstehprogramm und Arbeit zu legen ist genial. Ach und bügeln, das hätte mir auch selbst einfallen können. Mache ich zwar ungern, ist aber so schön entspannend.

      Danke für deine Tipps und ich wünsche dir, dass es mit dem Abschalten in Zukunft noch besser klappt.

      Einen wundervollen Tag
      und schöne Grüße
      Elvira

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