Gehen, unterwegs

Wenn Zwei sich streiten, entsteht daraus das Fastenprojekt 2018

Alle Jahre wieder ist Fastenzeit. Und so sehr ich mir auch mein Gehirn über die Frage: „Was soll mein ganz persönliches Fastenprojekt 2018 sein?“, zermarterte, es fiel mir partout nichts Gescheites dafür ein.

Fastenprojekt 2018: Die Suche nach dem zündenden Funken

Weglassen, reduzieren, verzichten? Alles schon da gewesen und mehr oder weniger erfolgreich abgehakt. Manches war extrem schwierig und manches war dermaßen öde, dass ich es mittendrin verändert oder abgebrochen habe. Seitdem bin ich ein Fan von Plus-Fasten oder der Formulierung ‚weniger ist mehr‘, denn da wehrt sich mein Innerer Schweinehund nicht so vehement dagegen wie beim Wort verzichten. Bereits beim geringsten Verdacht tobt und rebelliert er und zieht alle Register, um mich von meinem Vorhaben abzubringen. Am Besten ist, man fängt ganz klein und leise an, dann merkt er nicht, dass gerade eine Veränderung stattfindet.

Was mache ich? Der Kalender auf meinem Tisch zeigte unerbittlich den 14. Februar an und gleich dahinter stand: Valentinstag, Aschermittwoch. Da prallten Welten aufeinander, einerseits der Tag der Liebenden und andererseits der Tag des Verzichts oder in Farben ausgedrückt: sprühendes Rot gegen fades Grau. Noch während ich darüber nachdachte, platzten meine inneren Geister ungefragt dazwischen.

Wenn sich zwei Geister streiten, freut sich das Fastenprojekt 2018

Rumpelstilzchen in Rot schrie aufgeregt: „Oh ja, ja, ja, mach wieder ein Projekt. Das mit dem Plastik vermeiden war zum Lachen komisch und gleichzeitig zum Heulen traurig. Oder als bei der Suche nach dem grünen Daumen am Schluss was ganz anderes herauskam. Bei ‚Anders kochen‘ kreierten wir die seltsamsten Gerichte, weil zuerst alle Vorräte aufgebraucht werden mussten, bevor man neue Lebensmittel kaufen durfte.
Los, denk nach! Ich will was Neues lernen und eine Menge Spaß dabei haben.

Dagegen donnerte meine grau gewandete Mieseprimel: „Höre ich da Spaß in der Fastenzeit? Bist du kleines Rumpelstilzchen völlig verquer? Bedenke, das Ganze nennt man auch Passionszeit, weil sie Leiden schafft. Leiden nicht Spaß! Buße, Askese und Verzicht sind angesagt.“
Ihr Zorn war geweckt und ich versuchte sie zu besänftigen, was mir halbwegs gelang mit der Frage, ob sie einen Vorschlag hätte für meine Fastenzeit 2018.

Noch echauffiert blickte sie mich an und grummelte: „Wenn ich dich ansehe, . . . mmh, wie wäre es mit weniger essen? Täte deiner Figur sehr gut. Am besten, du machst Fasten im wahrsten Sinne des Wortes, also nichts essen, nur trinken. Dann purzeln die Pfunde. Obergesund soll es auch sein, habe ich gelesen. Reinigt den Körper, stärkt den Geist. Mach das! Ach, und mehr Bewegung würde dir auch nicht schaden. Den ganzen Tag sitzt du vor dem Computer herum. Damit kannst du gleichzeitig dein Durchhaltevermögen aufpolieren.“

„Iiiigitt, das ist langweilig, das mag ich nicht. Du bist eine Spaßbremse“, empörte sich Rumpelstilzchen, während mir beim bloßen Gedanken an den totalen Verzicht auf jegliche feste Nahrung schwarz vor Augen wurde. „Sieh, was du angerichtet hast mit deiner blöden Idee vom nichts essen. Nun sitzt sie apathisch herum und glotzt Löcher in die Luft.“

Mieseprimel plusterte sich zu ihrer ganzen stattlichen Größe auf: „Du kleiner vorlauter Kerl. Ich soll schuld sein, dass sie apa. . .“

„Seid doch mal still! Alle beide! Ich glotze nicht, ich denke. Mieseprimel, das war eine sehr gute Idee – das Fastenprojekt 2018 lautet ganz einfach ‚Gehen‘. Passt doch auch ideal zu meinem Jahresmotto, der Langsamkeit. Jetzt haben wir ein Projekt und die Freude kommt automatisch beim Tun“, erklärte ich und verbannte die Lustlosigkeit an diesem Vorhaben aus meinem Gesicht. (Wozu spiele ich jahrelang Theater? Da werde ich doch meine Mimik im Griff haben.)

„Das ist das langweiligste Projekt aller Zeiten. Planlos in der Gegend herumspazieren ist völlig sinnlos. Ich will das nicht“, meuterte Rumpelstilzchen und hockte sich mit heruntergezogenen Mundwinkeln à la Angie in eine Ecke.

„Jetzt pass mal auf“, versuchte ich das Kerlchen aufzumuntern, „ich verspreche dir, wir werden dabei viel Spaß haben. Außerdem gibt es viele Vorteile. Alle namhaften Gelehrten preisen das Gehen als Wundermittel für Körper, Geist und Seele.“

Rumpelstilzchen schaute weiter mürrisch und wenig überzeugt drein, und ich argumentierte weiter: „Hör mal zu, was mir zum gehen oder laufen noch einfällt.“

8 gute Gründe mit dem Gehen zu beginnen

  • Gehen ist sehr anspruchsvoll. Babys brauchen fast ein ganzes Jahr bis sie es gelernt haben. Gleichgewicht und Koordination werden aufeinander abgestimmt. Die rechte und linke Gehirnhälfte müssen perfekt zusammenarbeiten, sonst plumpst du hin.
  • Laufen macht gute Laune, bringt Schwung ins Leben und der Energiepegel steigt.

Rumpelstilzchen verzog keine Miene, wackelte aber mit seinem Kopf hin und her. Ein gutes Zeichen.

  • Es fördert die Konzentration, wir werden kreativer und die Ideen purzeln nur so aus uns heraus.
  • Draußen sein und sich bewegen ist erholsam. Unsere innere Uhr stellt sich nach dem Tageslicht ein, das wirkt sich wiederum positiv auf den Schlaf aus.

„Habe keine innere Uhr, brauche nicht schlafen und kreativ bin ich sowieso“, grummelte mein Geisterchen in Rot, während ich weitere Vorteile aufzählte.

  • Beim Gehen schicken wir unsere Gedanken in alle Richtungen und gewinnen neue Perspektiven. So manches Problem löst sich bei einem Spaziergang in Nichts auf.
  • Wenn ich draußen unterwegs bin, überträgt sich die Ruhe der Natur auf mich, und ich habe das Gefühl, dass mein Gehirn besser arbeitet, wenn es viel Sauerstoff getankt hat.
  • Dann ist es sehr gesund. Bereits 30 Minuten Gehen am Tag schützt vor Herz- und Kreislauferkrankungen, verbessert Diabetes 2, verlangsamt eine Demenz oder wirkt gegen Depressionen. Sogar die Lust auf Süßigkeiten soll verringert werden. Das haben renommierte Universitäten in zahlreichen Studien herausgefunden. Das sind doch großartige Aspekte.
  • Und nicht zu vergessen, Gehen entschleunigt und schont die Umwelt. Wenn dann auch noch meine Pfunde dahinschmelzen, wäre das doch phänomenal.

Erschöpft hielt ich inne. Die vielen Vorteile des Gehens hatten mich inzwischen völlig überzeugt. Da es Mieseprimels Vorschlag war, rechnete ich mit ihrer Unterstützung. Der innere Schweinehund würde die Veränderung kaum bemerken, da ich ganz sacht starten wollte. Meine Augen wanderten mit der Frage weiter zu Rumpelstilzchen.  Der kleine Kerl hockte da, wiegte seinen Kopf hin und her, runzelte die Stirn, verzog den Mund und . . . schwieg.

„Rumpelstilzchen, ohne dich wird aus dem ganzen Projekt nichts. Bestimmt haben wir Unmengen an Spaß dabei, werden kleine Naturwunder entdecken und viel über Flora und Fauna lernen. Komm, gib deinem Herzen einen Stoß. Ich brauche deine Hilfe. Ohne dich geht es nicht.“ Tiefes Luft holen, Ausatmen, Schweigen, Starre. Plötzlich sprang es auf und schrie: „Gut, ich mache mit, aber wehe, es wird nicht lustig, dann höre ich sofort auf“, sprach’s und wirbelte davon.

Mit dieser Drohung startete ich also am 14. Februar, dem Tag der Liebe und des Verzichts das Fastenprojekt 2018. Und da die Zeit, während ich das hier schreibe, bereits zu zwei Dritteln herum ist, verrate ich schon einmal, dass es sowohl den Geisterchen als auch mir viel Freude macht. Einzelheiten aus dem Tagebuch gibt es in einem späteren Artikel.

Nimmst du an den Fastenwochen teil, um vielleicht eine Gewohnheit zu ändern, was Neues zuzulassen oder durch Verzicht andere Seiten deines Lebens zu entdecken? Schreib mir doch einen Kommentar, denn wie Rumpelstilzchen bin ich sehr neugierig und das Jahr 2019 kommt wieder mit der Frage: „Was ist dein Fastenvorhaben?“

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Deine Elvira

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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira,
    dein Beitrag – wunderbar. Meine Großmutti hätte gesagt: „Kööööstlich!“ Ich kann mir dein Rumpelstilzchen so richtig bildlich vorstellen. In der Fastenzeit mal etwas zu tun und nicht etwas zu lassen, ist mal was anderes. Auf Fleisch verzichten, auf Süßes verzichten und, und, und ist doch alles schon mal da gewesen. Ich habe mich (ehrlich gesagt) noch nie an der Fastenzeit beteiligt. Ich lege mir meine „Auszeiten-Zeiten“ oder „Verzicht-Zeiten“ wie es mir wichtig erscheint. So habe ich vor einiger Zeit beschlossen, den Zucker zu reduzieren. Klappt noch nicht so wie ich mir das vorstelle, aber es ist schon weniger geworden.
    Ich bin gespannt auf deine Erfahrungsberichte (auch vom kleinen Rumpelstilzchen).
    Liebe Grüße
    Gudrun

    1. Liebe Gudrun,

      naja, solch ein Rumpelstilzchen kann auch ganz schön nerven.

      Zucker reduzieren ist eine echte Herausforderung. Wenn man ihn sieht oder weiß, dass in einem Nahrungsmittel Zucker enthalten ist wie in Süßigkeiten und anderen leckeren Sachen, ist es noch einfach. Doch jetzt habe ich mal gehört, er versteckt sich sogar in der Wurst. Abenteuerlich, eine echte Herausforderung, die du sicherlich meistern wirst.
      Wäre ja auch „zum Lachen“, wenn der Zucker unser Leben regiert.

      Mit zuckersüßen Grüßen
      Elvira

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