Elbe bei Stadt Wehlen

Bald 60 – muss ich mich jetzt neu erfinden?

Es ist kaum zu glauben aber wahr: Ich werde bald 60. Nur noch ein halbes Jahr, dann ist es soweit. Verständlich, dass diese Phase mit Grübeln, Erinnern und einer Innenschau gespickt ist, sich Fragen ausbreiten und mich zu überschwemmen drohen.

Wenn ich 60 bin, dann . . .

Ich stehe am Fluss des Lebens, dessen Landschaft sich mit den gelebten Jahren veränderte. Mein Erfahrungsschatz wurde größer und mein Wissen, was gelingen kann und was nicht, ebenfalls. Ich lernte mit Schwierigkeiten umzugehen und Gegebenheiten, so wie sie sind, zu akzeptieren, Probleme anzupacken, Geduld zu entwickeln und nicht gleich hysterisch zu werden, falls sich mal keine Lösung zeigte. Das Entweder-oder ist einem sowohl-als auch gewichen und ehemaliges Schwarz-Weiß-Denken löste sich auf in unzählige Grauschattierungen. Ich erkannte, dass Glück flüchtig und Liebe, Vertrauen, Menschlichkeit sowie Dankbarkeit der Schlüssel zur Freude sind. Nun stehe ich hier und schaue von oben auf meinen Fluss. Nur ein Teil lässt sich überblicken, dann macht er eine Biegung und verschwindet aus meinen Augen. Lohnt es sich überhaupt Zukunftsgedanken nachzuhängen, etwas zu planen oder die berühmte Aussage zu treffen: „Wenn ich . . ., dann . . . .“

Bald 60 – Hilfe, ich komme ins „Pubsalter“

Bernhard Meyer, Professor an der Evangelischen Hochschule Darmstadt, nennt die Zeit ab dem Ruhestand bis ungefähr 80 „Alterspubertät“. Es kann unruhig machen, wenn man darüber nachdenkt, was ist, wenn die Arbeit wegfällt. Wer bin ich dann, was bleibt von mir übrig? Wie nutze ich meine Restlaufzeit? Welche Wünsche habe ich ständig aufgeschoben? Wo soll ich hin mit meinem Tatendrang? Für was lohnt es sich, mich zu engagieren?

Und die Kinder staunen über Eltern, die plötzlich Dinge tun, die sie noch nie getan haben, die keine Zeit mehr haben, von wegen sich um Enkel kümmern, denen 1000 und 1 Idee im Kopf herumschwirrt, und die nicht wissen, welche sie zuerst umsetzen sollen.

Bald bin ich 60 – Soll ich oder soll ich nicht?

Höchste Zeit, mein wahres Ich auszugraben und mich neu zu erfinden. Oder soll ich bleiben wie ich bin und wo ich bin, wo doch unzählige Chancen und neue Welten locken. Während ich hier am Fluss stehe, flimmern Gedanken durch meinen Kopf:

Wir dürfen uns ändern oder bleiben wie wir sind.

Wir können tun, was wir zuvor noch nie getan haben oder können es lassen.

Wir dürfen uns neu entdecken oder alles beim Alten lassen.

Wir dürfen aus der Reihe tanzen oder uns an Erwartungen anpassen.

Wir dürfen auffallen oder zurückgezogen leben.

Wir dürfen bunt sein oder graue Maus spielen.

Wir dürfen laut unsere Meinung kundtun oder still unseren Gedanken nachhängen.

Wir dürfen hüpfen und springen (wenn es die knirschenden Knöchelchen noch mitmachen) oder eine ruhige Kugel schieben.

Wir dürfen unsere Freiheiten in vollen Zügen genießen oder am rahmenlosen Leben zerbrechen.

Wir dürfen aus Gewohnheiten ausbrechen oder Traditionen weiter pflegen.

Wir dürfen ständig dazulernen, neugierig bleiben oder mit dem Erreichten zufrieden sein.

Wir können Menschen, Erinnerungen und Dinge loslassen oder sie festhalten.

Wir dürfen grauhaarig herumlaufen oder färben, was das Zeug hält.

Wir dürfen Stunden im Fitness-Studios verbringen oder auf den Jugendwahn pfeifen.

Wir dürfen unsere Grenzen überwinden oder sie als gegeben respektieren.

Wir dürfen die spirituelle Seite in uns erwecken oder weiter mit rationalem Verstand und beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen.

Wir können unser Leben ernst nehmen oder mit Spaß und Leichtigkeit hindurch tänzeln.

Wir dürfen wunschlos glücklich sein oder endlich unsere Jugendträume verwirklichen.

Wir dürfen, können, sollten, hätten . . . die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.

Was wolltest du noch alles tun?

So viele Möglichkeiten, so viele Fragen, so viele Entscheidungen. Und als ob das noch nicht genügend Beschäftigungsmaterial für meine zukünftigen Lebensvorstellungen ist, tönt eine Stimme ständig dazwischen: „Nur noch ein halbes Jahr, dann wirst du 60. Hast du schon alles erreicht, was du wolltest? Wie wäre denn mal ein Neubeginn, eine neue Herausforderung? Beweg dich! Mach was! Verwirkliche dich selbst, deine Wünsche und Träume! Was wolltest du schon immer tun und hast es nie gemacht, weil die Zeit nicht gepasst hat, der Mann gepflegt, die Kinder gehegt und das Geschäft am Laufen gehalten werden mussten. Jetzt ist alles möglich. Trau dich! Du musst auf Niemand mehr Rücksicht nehmen. Du bist frei.“

Gedanken, die nerven

Warum soll ich weiterhin rennen, hetzen, eilen? Ich will einfach nur mal Ruhe haben, tun und lassen, was ich will. Nichtstun zum Beispiel, mich in die Ecke legen und lesen, Löcher in die Luft starren. Ich muss mich nicht neu erfinden oder irgendeinem Trend hinterherrennen. Ich darf mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen leben und nicht nach den Erwartungen anderer,“ maule ich vor mich hin. „Zeit ist so ein wertvolles Gut und endlich darf ich sie mir einteilen, wie ich es will. Darf ziellos vor mich hinwerkeln, einfach weil es mir Spaß macht, ohne tieferen Sinn, weil mir der Weg gefällt und nicht das Erreichen eines großartigen, abartig hochgesteckten Ziels. Ich muss nicht mehr am Wettbewerb größer, höher, weiter, schneller teilnehmen. Ab 60 Jahren darf es geruhsamer sein, ein selbstbestimmtes Leben. Ich darf bleiben wie ich bin. Ich darf alles, muss aber nicht. Hört sich doch klasse an,“ ergänze ich meine Gedankengänge.

Eine Bilanz des Lebens

Na ja, also, eigentlich habe ich schon etwas Angst, dass mir langweilig wird. Nur so vor sich hinblödeln ist nicht das Wahre. Ich will schon noch gebraucht werden, mich einsetzen und ganz wichtig: viel mit meiner Familie und netten Menschen zusammensein. Und dann stehen da diese 101 Sehnsüchte auf meiner Wunschliste. Wenn ich es mir recht überlege, sollte ich vor dem 60. Geburtstag mal eine Bilanz meines Lebens erstellen. Kann ja nicht schaden. Feststellen, wo ich stehe oder noch hin will, was bleiben soll und was weg muss, wegen des besseren Überblicks. Ich kann doch nicht so unorganisiert in mein 60. Lebensjahr stolpern. Man muss doch vorbereitet sein auf alle Eventualitäten und seine Kräfte einteilen. Und dann träumt man vor sich hin, freut sich auf’s Älterwerden und springt in den Fluss hinein.

bald 60

Was hast du so vor, wenn du 50 (60, Ruhestand oder 70 bist)? Machst du dir Gedanken, was du dann Neues in dein Leben holen oder ändern willst? Sind diese Daten ein Einschnitt im Lauf des Lebens oder bedeuten sie nichts? Schreib mir doch einen Kommentar.

Lass uns zusammen Leben – Lieben – Lachen
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Deine Elvira

50 Jahre – mitten im Leben      

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira, ich bin schon einige Tage 60, also eigentlich bin ich jetzt 63 und es tut gar nicht weh. In 2 Monaten gehe ich in Rente. Die Arbeit wird mir nicht fehlen, aber meine lieben netten Kolleginnen und mein Chef. Der letzte Tag wird kein leichter sein. Aber dann kommen wieder andere Dinge.
    Gerade ist bei mir eine Tür zugefallen. Ich werde nächste Woche meine letzte Lachyogastunde geben, dann wird die Lachschule von der Leiterin leider aufgegeben, aus mir nachvollziehbaren Gründen. Shit happens. Irgendwo wird eine neue Tür wieder aufgehen. Da bin ich mir ganz sicher. Und dann habe ich ja noch meine Löffelliste, zu der du mich inspiriert hast. Und du wirst es nicht glauben, einiges ist schon in die Tat umgesetzt worden.
    Also entweder du bleibst wie du bist oder du änderst dich. Alles kann, nichts muss. Du musst und sollst dich wohlfühlen. Mach verrückte Sachen, auch wenn andere den Kopf schütteln. Hauptsache du hast Spaß. Das Leben ist bunt, verrückt und schön. Lass uns daran teilhaben.
    Liebe Grüße
    Gudrun

    1. Liebe Gudrun,

      das ist ja schade mit dem Lachyoga. Ich hatte mal davon gehört und du warst die Einzige, die das auch praktiziert hat. Aber wie du schreibst, wird irgendwo eine neue Tür aufgehen. Danke für deine Ergänzungen. Du machst mir Mut mit: alles kann, nichts muss. Das klingt locker und leicht. Und dass ich dich zur Löffelliste inspiriert habe, freut mich sehr. Dann wollen wir mal am bunten, verrückten, schönen Leben teilnehmen.

      Ganz liebe Grüße
      Elvira

  2. Liebe Elvira,
    Dein Text berührt und betrifft mich gerade ganz intensiv.
    Bin gerade 59 geworden und hatte bis jetzt kein Problem mit dem Älterwerden.
    Deshalb irritiert mich, dass ich seit einer Grippe im Februar nicht mehr zu meiner Kraft zurückfinde.
    Bin müde, erschöpft, teilweise lustlos und irgendwie auch bewegungslos – was sich leider auch optisch bemerkbar macht. Und das macht mir Sorge, denn so hab ich mir das Altwerden nicht vorgestellt.

    Hoffe und wünsche mir, dass sich Kraft und Lebensfreude wieder einfinden. Ich hatte/habe doch noch so viel vor.

    Liebe Grüße

    Beatrice

    1. Liebe Beatrice,
      der 50. Geburtstag war kein gravierender Einschnitt. Alles lief wie gehabt. Doch inzwischen stelle ich eben fest, dass Kräfte schleichend nachlassen, und wir uns von Krankheiten nicht mehr so schnell erholen. Das irritiert wirklich und ängstigt eben auch. Da müssen wir lernen, sehr geduldig mit uns umzugehen, ruhig zu bleiben und auf unsere Bedürfnisse zu schauen, die möglicherweise versteckt in uns liegen. Ich weiß, das ist eine ziemliche Herausforderung, denn von überall wird uns suggeriert, wie fit und aktiv wir „Alten“ zu sein haben. Da passen Wehwehchen nicht ins Schema.

      Ich wünsche dir von Herzen, dass du nach und nach zu deiner ganzen Lebensfreude zurückfindest.

      Mit sonnigen Grüßen
      Elvira

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