Entrümpeln im Keller

Macht Keller entrümpeln glücklich?

Entrümpeln oder Ausmisten haben am Anfang eines Jahres Hochsaison. Liegt es am Frühling, welcher uns zum Wischmob und Putzeimer lockt? Ist es ein wirf-das-weg-Virus, das gerade zu dieser Zeit immer wieder ausbricht oder schlummert tief in uns ein Sauberkeits-Gen? Noch widerstehe ich der Verführung, denn entgegen der allgegenwärtigen Versprechen finde ich nicht, dass Aufräumen glücklich macht oder zu mehr Leichtigkeit und Klarheit führt.

Der Keller: Ein Ort unendlicher Schätze

Der Keller ist mehr als vollgestellt. Dort stapeln sich die restlichen Möbel aus den ehemaligen Kinderzimmern. Die jungen Menschen zogen aus und ließen alles zurück, was sie im neuen aufregenden Leben nicht mehr brauchten. Dazu gesellen sich Sachen, welche nach einem Umzug keinen Platz mehr in der Wohnung fanden. In die Lücken zwängen sich Werkzeug, leere Kartons, Weihnachts- und Osterartikel, Spielzeug, Elektrogerät, Bücher und Kleidung. Durch diese vollgestopften Kellerräume führt ein schmaler Gang, damit man an die Dinge herankommt, falls man sie mal benötigt. Irgendwann einmal. Vielleicht. Oder auch nie.

Entrümpeln? Wieso? Es stört doch niemand!

Dieses im Laufe der Jahre entstandene Kunstwerk wollte meine jüngste Tochter nun zerstören mit der Aufforderung: „Mama, ich habe 2 Wochen Resturlaub. Wir entmüllen zusammen den Keller. Ist das nicht eine super Idee?“
„Was? Super Idee? Vergiss es. Außerdem kommt mir das zu plötzlich. Da muss ich mich erst drauf einstimmen.“
„Mama, das ist DIE Gelegenheit und zu zweit geht es viel einfacher und schneller. Los.“
Hmm. Mag nicht. Wieso soll ich zu Tätigkeiten gezwungen werden, zu denen ich keine Lust habe, nur weil dem Töchterlein langweilig ist. Außerdem stört mich der Krempel da unten überhaupt nicht. Ich wohne ja nicht im Keller sondern zwei Etagen darüber.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Schön wäre es, doch wenn ich ganz ehrlich bin, besetzt das Chaos aus Erbstücken, Firlefanz, nie benutzen oder nicht mehr gebrauchten Dingen meine Gedanken. Das Gerümpel ist eben nicht weg, im Gegenteil, es ist stets präsent. Es erinnert mich an nicht zu Ende gebrachte Projekte, unbewältigte Probleme aus der Vergangenheit, an schmerzliche Zeiten und festsitzende Glaubenssätze, eben an alles, was ich weg oder nicht wahr haben will.

Soll ich oder soll ich nicht?

Während ich noch das Für und Wieder dieses barbarischen Akts abwäge, teilt mir das Kind mit: „Ich fange schon mal an, wenn du es dir überlegt hast, kommst du nach und hilfst mir.“ Und mein Rumpelstilzchen flüstert: „Sie wird alles rausschmeißen, da sie emotional nicht so an diesen Gegenständen hängt wie du. Willst du das?“ Oh, dieser vorlaute, sich ständig in alles einmischende Wicht.

Ich hasse es, wenn mir Entscheidungen aus der Hand genommen werden. Vor einigen Jahren zwang mich ein Leitungswasserschaden zum Keller entrümpeln und davor war es ein Hochwasser. Und wenn ich ehrlich bin, wie oft habe ich mich geärgert, weil ich Sachen gesucht, nicht gefunden und neu kaufen musste, weil ich sie brauchte. Außerdem drückte dieser Wurschtelkeller, wenn ich durchging auf meine Stimmung.

Und Rumpelstilzchen insistierte weiter: „Du wirst unglaublich erleichtert sein, geradezu glücklich, wenn der ganze gehortete Krempel da unten weg ist. Seit Jahren liegen da Sachen, für die es keinen Platz mehr in deiner Wohnung gab, die du grässlich fandest oder Dinge, die nicht mehr in dein Leben passten.“ Gut, ich beuge mich diesem Ansturm aus Tatkraft und Einflüsterungen. Ich bin dann mal im Keller.

Es geht nichts über gute Vorbereitung

Alle Ordnungsexperten in schlauen Büchern raten, mehrere Kisten oder Körbe bereitzustellen. Dort hinein kommen Sachen,

  • die für den Müll bestimmt sind.
  • die repariert werden sollen (Achtung: Setz dir ein Zeitlimit, bis wann das erledigt werden sollte, denn erfahrungsgemäß passiert das selten oder nie).
  • die verschenkt, verkauft und anderweitig verwertet werden können.
  • die später einen anderen Platz bekommen sollen. Problem: Dort liegt noch Kram, der erst wegsortiert werden muss.

Dann gibt es noch einen 5 Karton. Alles, was dort hinein wandert, wiegt richtig schwer auch wenn sie klitzeklein sind. Es sind die Dinge, von denen man sich nicht auf die Schnelle trennen kann, weil jedes Stück mit Erinnerungen beladen ist und sich Gefühle daran klammern.

Auf los geht’s los: Wie funktioniert Keller entrümpeln im Sauseschritt

Eine weitere Empfehlung der Ordnungsspezialisten lautete: Beginne mit kleinen Projekten. Fang an, eine Schublade oder ein Regal aufzuräumen, damit deine Seele Zeit hat, mit den Veränderungen Schritt zu halten. Das ist sicher sinnvoll, doch mit diesem Kleinklein-Vorschlag biss ich bei meiner lieben Tochter auf Granit. „Rigoroses Ausmisten“ lautete ihre Parole. Wir begannen in der äußersten Ecke und arbeiteten uns nach vorn. Mit jedem Stück, dass mich verließ, stieg meine Stimmung. Um dran zu bleiben, sagte ich sogar Termine ab.

Gewissensfragen und der Krempeltest

5 Tage werkelten wir von morgens bis abends. Erst einmal räumten wir einen Raum komplett leer. Wir packten den Inhalt geheimnisvoller Kisten aus, nahmen jedes Teil in die Hand und entschieden möglichst schnell aus dem Bauch heraus, kann es weg oder darf es bleiben. Im Zweifel wandten wir den Krempeltest aus dem Buch „Feng shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston an und fragten uns:

  1. Steigert es meine Energie, wenn ich das Teil anschaue oder in die Hand nehme?
  2. Liebe ich es aus vollem Herzen? Wenn Ja, inspiriert es mich wirklich oder ist es nur nett.
  3. Ist es wirklich nützlich? Wenn Ja, wann habe ich es das letzte Mal gebraucht oder wann werde ich es wieder brauchen?

Nur wenn alle 3 Fragen eindeutig mit Ja beantwortet wurden, durfte diese Sache bleiben und kam in den 5. Karton. Ein halbes Jahr werde ich mir Zeit lassen, diese Kiste zu leeren. Was dann davon übrig bleibt, ist wirklich meine Herzensangelegenheit und wird auf ewig in einer wunderschönen Erinnerungskiste aufbewahrt.

Klar Schiff vom Boden bis zur Decke

Jeder Tag endete damit die Altlasten aus dem Haus zu schaffen, bevor wir der Versuchung nachgaben und unsere Entscheidungen revidierten. Wir brachten

– Kaputtes auf die Mülldeponie
– Elektroteile zum Recyclinghof
– die Marmeladenglassammlung zum Container
– Kleidung zum Rote Kreuz-Laden
– Bücher zur Flohmarktsammelstelle der Schule

Einige Möbel nahmen Bekannte oder Vereine
Teile aus Baby- und Kinderzeiten wurden verkauft
Vieles kam an den Straßenrand und fand dort sofort dankbare Abnehmer

Nur die Sachen für den Sondermüll warten noch in einer Kiste auf das Schadstoffmobil, welches nur alle paar Monate kommt.

Luftig, bunt und pflegeleicht

Dann hieß es putzen und Wände neu streichen. Dafür nahmen wir einfach Farbreste der letzten Wohnungsrenovierung und mischten fröhlich drauflos. Unsere Männer ersetzten die alten wurmstichigen Regale durch neue. Dort hinein kamen durchsichtige Plastikboxen mit den Sachen, die wir behalten wollten. (Nein, keine Pappkartons aus Umweltgründen. In einem alten Haus mehren sich Wasserschäden, so die Erfahrung).

Wow, mit einem verzückten Lächeln im Gesicht betrachteten wir unser Werk. Grandios. So viel Helligkeit, freier Raum und Übersicht. So viel Zufriedenheit, Freude und ein rundherum gutes Gefühl. Und das Beste: Alle verschwundenen Sachen tauchten wieder auf. Na bitte, wusste ich es doch, das Haus verliert nichts. Manche Teile besitze ich jetzt doppelt und dreifach. (Oh, wir müssen dringend entrümpeln.)

Und die Moral von der Geschicht’?

Ja, Keller entrümpeln macht glücklich. Mich auf jeden Fall. Ich fühle mich leicht, beschwingt, kann wieder durchatmen und freue mich über den Raumgewinn. Warum drückt man sich eigentlich davor und schiebt solch eine Aktion auf die lange Bank. Wie ist das bei euch? Schreibt mir doch einen Kommentar. Ich bin mega neugierig auf eure Erfahrungen.

Lass uns zusammen Leben – Lieben – Lachen
ausmisten, entrümpeln und bunte Sachen machen

Eure Elvira

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Keller entrümpeln - muss das sein?
Soll ich mein kreatives Chaos wirklich entrümpeln?

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9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Entrümpeln habe ich bei meinem Umzug in die kleinere Wohnung letztes Jahr gemacht und zwar rigoros. Jetzt stehen im Keller ein Regal und zwei meiner alten Büroschränke, in die, bis auf einige Weihnachtskartons, alles verstaut wurde, was ich noch brauche. Der Keller sieht sauber und ordentlich aus und ich finde alles auf Anhieb.
    … und ja, es macht Freude das zu sehen. Ist es nicht schön, dass Du und ich jetzt glücklich sind? Vielleicht machen es uns einige Deiner Leserinnen nach?

    Ganz, ganz liebe Grüße
    Karin

  2. Ja Entrümpeln macht glücklich!!!! Weniger ist manchmal viel mehr.
    Räume gerade mein Wohnzimmer auf, es ist erleichternd sich von Dingen zu trennen, die man einfach nicht braucht.
    Ich bin oft eine Chaosqueen, doch auch erleichtert, wenn die Sachen weg sind und ich sie nicht mehr hin und her räumen brauche.
    Weg mit allem Ballast!!!!

  3. Hallo Elvira,
    also ich habe nun letzte Woche zwar nicht den Keller, aber unsere Abstellkammer – eigentlich ein Zimmer mit allem Möglichen, aufgeräumt und ausgemistet. Es hat so gut getan, ich habe alles was ich mind. 2 Jahre net mehr gebraucht habe weggeworfen und richtig aufgeräumt und geputzt. Jetzt ist alles so schön ordenlich und mir geht es einfach prima. Ich glaube als nächstes kommt nun unser Bürozimmer dran.

    Also ich kann das alles nur bestätigen – ausmisten tut gut !!!

    Liebe Grüße Heike

  4. Wir haben heuer den Dachboden entrümpelt, meine großen Jungs waren ähnlich motiviert wie deine Tochter.
    Und ich hab die Order ausgegeben, wovon ihr denkt, das ihr das noch braucht, behaltet.
    Ich brauch vom Dachboden nix mehr.
    (Hab mein Zeug alles in der Wohnung.)
    Und dann hab ich die Augen zugemacht, mein Herz festgehalten und eine Woche rumoren, krachen, Hänger wegfahren und Säcke wegschaffen ignoriert.
    Luft, ich kann direkt wieder Bettwäsche dort aufhängen…herrlich!
    Ich hab noch nix vermisst….
    Nun muß ich allerdings auch erwähnen, das ich krankheitshalber zu solchen Aktionen selber nicht mehr in der Lage bin, und froh war, das meine Truppe meine Altlasten entsorgt haben.

    1. Vor allem dieses Gefühl, viel mehr Luft zu haben und durchatmen zu können ist sehr beglückend.
      Wundervoll, dass du den Mut hattest, deinen großen Jungs den Auftrag zu geben. Ich wünsche dir eine gute altlastenfreie Zeit.

      Liebe Grüße
      Elvira

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