Grün

Grün, grün, grün ist alles was ich habe

Wer kennt noch dieses Kinderlied: Grün sind alle meine Kleider.  Ganz stimmt es bei mir nicht, denn ich mag mehr andere Farben wie pink, zitronengelb und ganz besonders rot. Das Blumenmädchen Eliza Doolittle dagegen singt: „Es grünt so grün“, im erfolgreichen Musical „My Fair Lady“. An der korrekten Aussprache des Wortes „Grün“ hängt Ihre ganze Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Überhaupt steht diese vielseitigste aller Farben für (fast) alles Positive im Leben, als da sind Hilfsbereitschaft, Toleranz, Zufriedenheit, Wachstum, Freiheit und Ausdauer.

Grün ist alles in der Natur

Gerade jetzt in Pandemiezeiten schätzen wir einen Spaziergang im Wald ganz besonders. Die scheinbar unendliche Palette der Grüntöne steckt uns an mit seiner unbändigen Energie. Wir könnten jauchzen und springen, tanzen und singen. Bereits nach kurzer Zeit spüren wir, dass sich die Turbulenzen im Kopf legen, Geist und Seele regenerieren und der Körper entspannt. Die Fülle der Natur schenkt uns neue Kräfte, ist Sinnbild für Aufbruch und Wachstum, spendet Trost und Ruhe, sättigt unsere Sehnsucht nach Harmonie und Frieden.

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Die Galerie der Grüntöne

Grün begleitet uns das gesamte Jahr. Das Aufbrechen der Natur kündigt der Frühling mit frischem Mai- oder Grasgrün an. Die Hitze des Sommers dämpft ein sattes Waldgrün. Verborgen unter farngrünen Wedeln wohnen die Zwerge. Mit Salbei- und Minzgrün umschmeichelt ein würziger Duft unsere Nasen. Der Herbst kleidet sich in samtiges Moosgrün. Bevor wir uns jedoch auf diese weichen Polstern niederlassen, pflücken wir eine apfel- oder birnengrüne Frucht vom Baum. Schleichend erfolgt der Übergang zur dunkelsten Jahreszeit. Winterstimmung vermittelt das matte Algengrün, während sich die Kälte zur Tarnung einen olivgrünen Mantel überstreift. Das Tannengrün mit seinem Hauch von frischem Blau verspricht an Weihnachten die Wende zum Licht und wird dabei unterstützt vom magischen Mistelgrün. Lebensfreude beginnt zu keimen, mitten im Winter.

Hildegard von Bingen und das heilige Grün

Frische, Natürlichkeit, Zuversicht und Lebendigkeit wohnen im Grün. Für Hildegard von Bingen besitzt sie als heiligste aller Farben die größte Heilkraft.

Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit
und diese Kraft ist grün.
Aus lichtem Grün sind Himmel
und Erde geschaffen
und alle Schönheit der Welt.
(Hildegard von Bingen)

Sie weiß, dass Grün, diese Mischung aus Blau und Gelb, also aus dem Licht der Sonne und der Farbe des Wassers, zwei unverzichtbare Dinge des Lebens sind. Menschen, die an überanstrengten Augen leiden empfiehlt sie, hinauszugehen auf eine grüne Wiese und sie so lange anzuschauen, bis seine Augen wie vom Weinen nass werden.

Sie kannte sowohl die Heilkräfte der Kräuter als auch die gesundheitsfördernde Wirkung der Edelsteine. So soll der grüne Smaragd das Herz schützen und dafür sorgen, dass die Seele wieder ins Gleichgewicht kommt. Anderen grünen Steinen wie Jade, Malachit oder Aventurin wird nachgesagt, das Herz-Kreislauf-System sowie Leber und Nieren zu stärken. Sie alle tragen zum persönlichen Wohlbefinden bei, fördern Harmonie, Liebe, Freundlichkeit als auch Mitgefühl und lassen uns die Schönheiten des Lebens wiederfinden.

Grün, die Herzkraft himmlischer Geheimnisse,
die die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst
(Hildegard von Bingen)

Heute setzt man Grün in der Medizinischen Farbtherapie ein, um den Rhythmus von Herz und Nieren auszubalancieren. Es beruhigt ohne zu ermüden.

Grün ist Wachstum
Besser kann man die Farbe Grün nicht beschreiben

Die grüne Farbpalette der Künstler

Kostspielig und instabil war das aus dem Malachit hergestellte Grün in der Antike, deshalb wurde es von den damaligen Malern nur sehr sparsam eingesetzt. Immer verbanden die Menschen mit grün positive Assoziationen. Die Farbe galt zu allen Zeiten als Symbol für Natur, Kraft, Wachstum, Ernte und Reichtum. Kein Wunder, dass Bankiers und Kaufleute im Mittelalter ein Faible für grüne Kleidung hatten und selbst die Mona Lisa auf dem Gemälde von Leonardo da Vinci ein grünes Gewand trägt. Später verwendeten die Mönche in den Klöstern Grünspan für ihre Manuskripte und Hintergründe.

Erst im 18./19. Jahrhundert entdeckte man die synthetische Herstellung grüner Farbstoffe. Maler schufen nun Landschafts- und Gartenbilder in einer Sinfonie aus Grüntönen, so Vincent van Gogh sein „Grünes Weizenfeld“ oder Claude Monet „Der Seerosenteich“ mit unzähligen Varianten. Als Meister der Grüntöne gilt Henri Rousseau. Ungefähr 40 Schattierungen hat er in seinem Werk „Der Traum“ aufgetragen. Es ist eines von insgesamt 25 Dschungelgemälden und ich bin fast sicher, er verwendete dazu auch Urwald- und Amazonasgrün.

Der expressionistische Maler Wassily Kandinsky allerdings empfand Grün als „beschränkendes Element“.

Weltumspannendes Grün

Fast die Hälfte der von der UNO anerkannten Staaten hat Grün in ihren Flaggen. Die Farbe der Natur, Fruchtbarkeit, Freiheit, Hoffnung und Gleichgewichts zieht sich um die ganze Welt. Mir fällt sofort Brasilien ein, Jamaika, Südafrika, Malawi (mein Plan-Patenkind wohnt dort) oder Vanuatu (Weltgebetstagsland 2021). In Europa ploppt Italien auf und gleich danach Irland, diese grüne Insel im Atlantik mit dem Kleeblattgrün in der Flagge, welches dem Irischen Katholizismus zugeordnet wird.

Grün gilt als Farbe des Propheten Mohammed und findet sich daher oft in Flaggen islamischer Länder.

In der christlichen Farbliturgie nimmt Grün eine umfangreiche Zeit im Jahreskreis ein und zwar vom 7. Januar bis Aschermittwoch und nach Pfingsten bis vor dem 1. Adventssonntag. Es verkündet den Triumph des Lebens über den Winter, begleitet die Zeit von Wachstum und Ernte.

Was grün ist, ist auch gut

Grüne Verpackungen signalisieren dem Verbraucher, dass der Inhalt frisch, gesund und natürlich ist. Seit Jahren ist Grün die Symbolfarbe für alles, was mit Umwelt- und Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit sowie Menschen- und Bürgerrechten oder grundsätzlich der Bewahrung des Lebens zu tun hat. Da ist es logisch, dass sowohl die Organisation „Greenpeace“ als auch die 1980 gegründete Partei „Die Grünen“ ihre Hoffnung auf eine gerechtere Welt mit Grün im Logo und Namen unterstreichen. Eine gute Wahl? Sicher, denn der Farbe wird nachgesagt bei Problemlösungen zu helfen.

Im grünen Bereich lebt es sich angenehm. Grünes Licht kennzeichnet, dass alles nach Plan verläuft. Grüne Ampeln lotsen mich gefahrlos durch den Straßenverkehr, während mir die Green Card erlaubt in den USA zu arbeiten.

Der Aufenthalt in grünen Räumen vertreibt meine Ängste und Sorgen. Und eingehüllt in grüne Tücher blicke ich vertrauensvoll auf die grüngewandete Ärztin, die mich gleich operieren wird. Alles wird gut, hoffe ich zumindest.

Die dunkle Seite von Grün

Nicht immer zeigt sich die Farbe von ihrer heiteren Seite. Giftgrün leuchtend und für die Gesundheit schädlich ist das „Schweinfurter Grün“, eine Verbindung aus Essigsäure, Kupfer und Arsen. Als Farbstoff verboten, wurde er noch lange als Insektizid eingesetzt.

Neid, Gier und Zorn zeigen sich, wenn jemand Gift und Galle spukt oder grün im Gesicht wird. Als „grünäugiges Monster“ taucht dagegen die Eifersucht in Shakespeares „Othello“ auf. Kobolde, Dämonen und andere Fabelwesen wurden mit grüner Haut dargestellt, ebenso Drachen und Lindwürmer. Grün verkörpert hier das Geisterhafte, Unheimliche und nicht Menschliche.

Weltweit werden Angehörige der Armee in olivgrüne Kleidung gesteckt, weil dieser Farbton das Licht nicht reflektiert, also fast unsichtbar macht und nahezu perfekt tarnt.

Wie etwas von der dunklen zur hellen Seite wechseln kann, zeigt die Geschichte der innerdeutschen Mauer. Der ehemalige Todesstreifen wurde nach der Grenzöffnung zum lebensbejahenden „Grünen Band“.

Mehr dazu: Erinnerungen am „Grünen Band“ in der Rhön

Ach du grüne Neune

Ein Ausruf, den ich noch von meiner Großmutter kenne, wenn sie plötzlich von etwas überrascht wurde. Spannend und ungewiss sind meine Reisen ins Grüne. Wenn zwei Dinge fast gleich sind, will man „dasselbe in Grün“.

Manchmal bleibt mir der Erfolg verwehrt, dann komme ich trotz aller Mühen und Anstrengung nicht auf einen grünen Zweig. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf diesem Gebiet noch grün hinter den Ohren bin, ein sogenannter Grünschnabel. Da erinnere ich mich an das Greenhorn, welches Karl May seiner Romanfigur Old Shatterhand zuordnete.

Mir steht übrigens das Blaugrün des Meeres ausgezeichnet, vielleicht weil ich im Wasserzeichen Skorpion geboren wurde oder weil ich eine mysteriöse und geheimnisvolle Zeitgenossin bin. Zum Glück besitze ich aber keine grüne Hautfarbe, die ist garstigen Monstern vorbehalten, wozu ich mich nicht zähle. Oder doch?

Was verbindest Dich mit Grün? Magst Du die Farbe, lehnst Du sie ab oder ist sie Dir gleichgültig? Ich freue mich über Deinen Kommentar. Danke sehr.

Lass uns zusammen Leben – Lieben – Lachen
in Grün schwelgen und auch bunte Sachen machen

Deine Elvira

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