Am Ende kriege ich sie Alle!

Das sind nicht die Worte, welche der Tod vor 20 Jahren zu mir sprach sondern der Orthopädie-Schuhmachermeister im Geschäft nebenan. Ein unheilverkündender Satz, bedeutungsvoll und schwer zu verdauen. Dazu passte so gar nicht das spitzbübische Grinsen, mit dem er den Blick auf meine Füße richtete. Die steckten gerade in einem Paar wunderschöner eleganter High Heels, denn schließlich besaß ich ein Geschäft für italienische Schuhe, und mit was kann Frau besser Eigenwerbung betreiben als mit solchen Stöckelschuhen – echten Hinguckern.

Hilfe, ich bin High Heels verfallen

Ich glaube, dass jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben der Anziehungskraft von High Heels verfällt. Ob diese dann von ihr getragen werden oder im Schuhschrank ihr weiteres Dasein fristen und verrotten, steht auf einem anderen Blatt. Hin und wieder habe ich mich hinreißen lassen, ein besonders gefährliches Exemplar zu erstehen. Also welche mit ultradünnem, extrem hohen Absatz, sogenannte „Sitzschuhe“. Immerhin habe ich es geschafft, damit von der Haustür bis zum Auto und vom Auto bis in ein Restaurant oder Kinosessel zu gelangen ohne von Krämpfen in der Wade geschüttelt zu werden. Noch schlimmer ist die Vorstellung vornüber zu kippen und in den Dreck zu stürzen.

Das letzte Mal konnte ich vor 5 Jahren der Versuchung nicht widerstehen und kaufte mir in einem verrückten Anfall lila Stiefeletten. Völlig bekloppt. Bei meiner Entrümpelungsaktion vor 4 Wochen habe ich sie losgelassen. Fast unbenutzt verließen sie mein Schuhmuseum, in dem sich weitere 15 Paar zu hoher, zu enger, zu unbequemer Schuhe aus vergangener Zeit angesammelt hatten.

High Heels – staksen oder schreiten, das ist hier die Frage

Ich gestehe, dass ich selbst nach langem Üben nie wirklich gut in solchen Dingern laufen konnte. Ich vermute, es lag an meiner Schuhgröße 37. Da reichte der Abstand von den Zehen zur Ferse wahrscheinlich nicht aus, um die Stöckelhöhe von 10 cm auszugleichen, es sei denn, ich wäre als Spitzentänzerin unterwegs. Keine Ahnung, wie das andere Frauen meistern, die mit geradezu lässiger Eleganz sogar über Kopfsteinpflaster dahinzuschweben scheinen. Bei meiner Reise ins Baltikum habe ich die Schönheiten wahnsinnig bewundert, die trittsicher von Stein zu Stein balancierten. Ich hatte Mühe, unfallfrei in meinen flachen Tretern die Marktplätze zu überqueren.

Hoch, höher, am Höchsten

An High Heels scheiden sich die Geister. Kein Star oder Sternchen würde es wagen, bei einem Event in flachen Schuhen die Bühne zu betreten. Beim Defilee über den roten Teppich geht es ohne himmelhohe Absätze gar nicht. Man will sogar herausgefunden haben, dass hohe Schuhe die Karriereaussichten von Frauen begünstigen. Ich habe den Verdacht, dass da Männer an den entscheidenden Stellen sitzen, die über einen Aufstieg in höhere Positionen bestimmen. Jedenfalls sollen sie zur Standard Business Kleidung erfolgreicher Frauen gehören mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Angela Merkel, der mächtigsten Frau der Welt.

Wer sagt, dass 6,5 cm Absatz nicht ausreichend sind?

Wer sagt, dass 6,5 cm Absatz nicht ausreichend sind?

Machen mich High Heels sexy und erfolgreich?

Abgesehen von beruflichem Erfolg scheint in den Köpfen der Frauen fest verankert zu sein, dass sie in High Heels sexy und begehrenswert aussehen, und ihnen die Blicke der Männer sicher sind. Fremdbestimmt? Eingeredet von den Medien? Menschliches, besser frauliches Balzverhalten?

In der Tierwelt ist es umgekehrt. Die Männchen sind bunter und auffälliger. Sich ihrer Pracht bewusst, stolzieren sie herum, stoßen wilde Rufe aus, tun alles, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen. Tierisches Balzverhalten.

Es gibt keinerlei Zweifel, dass Stilettos (das sind die Dinger, für die du einen Waffenschein benötigst) jedes Bein unendlich lang erscheinen lassen. Frauen wirken damit größer. Die gesamte Körperhaltung sieht aufrechter aus: der Po wird angehoben (dann kann man auch besser damit wackeln), der Busen in den Vordergrund gerückt, das Becken nach vorn gekippt. Zudem verleihen sie, sofern Frau das Gehen darin beherrscht, einen wahrhaft eleganten Auftritt. Kannst du es nicht, sieht es eher nach lächerlichem Herumgestakse aus. Schönheit hin oder her, dann sind ein paar Zentimeter weniger Absatz die bessere Lösung.

Zum Wohle deiner Füße und Beine hoffe ich, dass du dich dem Sog dieser „Waffen einer Frau“ größtenteils entziehen konntest. Dann werden sie in der 2. Lebenshälfte jubeln und Freudentänze aufführen, denn du leidest nicht

  • unter dem „Cinderella Syndrom“ mit verformten Zehen, Überbeinen, verkürzten Wadenmuskeln und verlängerten Sehnen
  • unter Krampfadern, weil der venöse Rückfluss des Blutes gestört wurde (besonders extrem, wenn noch schwaches Bindegewebe dazu kommt)
  • unter verstärkten Abnutzungserscheinungen des Rückens und der Hüfte, der Bandscheiben sowie Knie- und Fußgelenke
  • unter Senk- und Spreizfüßen
  • unter unzähligen Wehwehchen bis hin zur Migräne

Der Weg von High Heels zu kanadischen Waldbrandaustretern

Nun ist seit dem Gespräch mit dem Orthopädie-Schuhmachermeister einige Zeit ins Land gegangen. Ich bin nun 57 und von meinen kurzen gelegentlichen Ausflügen ins „sexy High Heels Land“ ist überhaupt nichts mehr übrig geblieben.

Ich fühle mich pudelwohl in meinen Flachlandtretern. Es gibt sie in überaus witzigen Varianten, in den peppigsten Farben, mit Flitter und Glitzer. Mal bevorzuge ich die grobe Version für das Wandern oder bei Regenwetter, mal die Sportliche für den schnellen Lauf und dann gibt es die ganz Feine. Sie ist aus weichem anschmiegsamen Leder, fühlt sich an wie eine zweite Haut und wenn ich mir die richtige Gangart (vom Ballen auf die Ferse wie es Babys beim Laufenlernen tun) wieder antrainiert habe, werde ich in diesen Barfußschuhen voller Leichtigkeit durchs Leben schweben wie eine Tänzerin.

Hinreißend, solche Barfußschuhe aus Marokko, welche sich wie eine zweite Haut um den Fuß schmiegen

Hinreißend, solche Barfußschuhe aus Marokko, welche sich wie eine zweite Haut um den Fuß schmiegen

Ich gestehe, zu Kleidern und Röcken sieht derartiges Schuhwerk absolut trampelig aus, geht eigentlich gar nicht. Dann greife ich zur Ballerina und bedanke mich bei Schauspielerin Audrey Hepburn, die diesen Schuh weltberühmt und salonfähig machte. Ein würdiger Ersatz für High Heels und Co.

Nach dem Entrümpeln im Schuhschrank habe ich mir vorgestern traumhaft schöne und bequeme italienische Pumps aus Spitzenstoff mit 4 cm tiefen (dünnen) Absatz gekauft. Das musste als Belohnung für das Loslassen von so vielen Schuhen sein.

Und wenn ich mal ganz ver-rückt bin und gar nicht widerstehen kann, dann kaufe ich mir ein Paar High Heels, stelle sie in mein neues Schuh-Museum, bewundere dieses Kunstwerk und freue mich, dass ich mit 50+ endlich mit beiden Beinen auf der Erde angelangt bin. Du findest, das es eine blöde Idee ist? Vielleicht. Doch manchmal brauche ich solche Stücke, damit ich mich daran erinnere, wieviele Freiheiten ich mir in der 2. Lebenshälfte, eigentlich ab 50+, geschaffen habe. Und sei es nur in der Mode. Jede Kleinigkeit zählt.

Ganz anders sieht es „Die Draufgängerin“ Birgit und zählt 10 + 1 Grund auf, welche Vorteile das Tragen von High Heels hat und das Training des Beckenbodens ist nur einer davon. Hier geht’s zu ihrem Artikel.

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Deine Elvira

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Das kommt mir alles so bekannt vor. Seit ich wegen meinem Knieverschleiß orthop. Einlagen tragen muss, sehe ich das es auch ganz schöne und tragbare Schuhe ohne hohe Absätze gibt. Da ist mir doch mein Wohlgefühl wichtig. Nach einer na vielleicht kannst Du die noch mal Anziehen Zeit, habe ich eingesehen: Die können weg! 😉 Ich wünsche Dir einen schönen, sonnigen Tag 💚

    1. Was tun wir Frauen doch alles, um schön auszusehen.
      Schön, dass sich Deine Füße in diesen Leisetretern nun so wohl fühlen.

      Ganz liebe Grüße
      Elvira

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