Was mich die Fastenzeit 2016 am Ende doch noch lehrte

Irgendwie beginnt bei mir seit Ostern eine neue Zeitrechnung. Mir ist ganz anders zumute. So ein bisschen feierlich. So ein bisschen prickelnd. So ein bisschen Neubeginn.

Die Natur erwacht, neues Leben erwacht. Die Osterfeiertage waren so etwas wie ein Wendepunkt dieses Jahr, vielleicht weil sie so eng mit Frühlingsanfang und dem Erwachen der Natur zusammenfielen. Und so langsam darf nun aus dem „bisschen“ ein „bisschen mehr“ werden.

Fastenzeit 2016 – ohne mich

Ich schließe meinen Fastenkalender, der mich 40 Tage lang begleitete. Ich hatte, wie du weißt, keine festen Vorsätze oder gar Verzichtspläne wie im letzten Jahr. Nur ein Jahresprojekt habe ich mir herausgepickt „Gutes aus dem eigenen Garten“.

Ja, da stand er nun eine kleine Ewigkeit auf meinem Schreibtisch, dieser Kalender mit Gedichten, Gedanken und kleinen Geschichten. Jeden Tag stupste er mich an, mein Denken, meine Gewohnheiten, mein Tun und Lassen unter die Lupe zu nehmen. Und deshalb war mir am Ostersonntag, so feierlich, so leicht zumute.

6 Wochen lang habe ich mir jeden Tag einen kleinen Moment nur für mich gegönnt, habe die Texte auf mich wirken lassen. Sie waren nach Themen zusammengefasst und das ist für mich dabei herausgekommen:

Ballast abwerfen – leichter und einfacher werden

Weniger ist mehr, spricht sich so leicht und ist doch so schwer getan. Kann ich, möchte ich auf was verzichten? Welch ein Luxus, darüber selbst entscheiden zu dürfen. Menschen in Kriegsgebieten oder in zahlreichen anderen Ländern nimmt man diese Wahl.

Auf meinen Reisen bin ich immer mit kleinem Gepäck unterwegs. Der Rucksack oder Koffer limitiert die Menge. Und zuhause? Nun, da sammelt sich so einiges an Krimskrams an, denn schließlich kann es doch sein, dass ich es noch irgendwann einmal brauche. Außerdem gibt es genügend Schubladen und Schränke für die Aufbewahrung. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Ich darf wählen. Deshalb standen 7 Wochen lang Gewohnheiten, Krimskrams, Probleme, Informationen, Kleidung, Gedanken, Dinge, Essen, Trinken und Projekte auf den Prüfstand. Entrümpeln, ausmisten, abladen, umdenken, sortieren, verzichten, loslassen sind Tu-Worte, bei denen es mir graust und ich das Tun tunlichst vermeide.

Gepäck abladen befreit, schenkt mir wieder Luft zum Atmen und lässt mich leichter voranschreiten. Zuerst hieß es die Vorratsschränke leer essen, dann Projekte verabschieden, die ich mal halbherzig begonnen und nie weiterverfolgt habe. Als nächstes ist der Kleiderschrank an der Reihe. Mit meiner kleinen Enkelin habe ich bereits einen festen Termin vereinbart.

Versöhnung riskieren

Versöhnung war mein Jahresmotto 2015. Ich habe mich sehr dagegen gewehrt und wollte das Thema nicht annehmen, da ich wußte, es fängt bei mir selbst an: bei meiner Vergangenheit, meinen Erinnerungen, meinen Schwächen, meinen Verletzungen, generell bei meinem Leben.

Und wenn ich so einigermaßen mit mir und meinem Leben versöhnt bin, gibt es noch meine lieben Mitmenschen. Da herrschte in den Beziehungen nicht immer eitel Sonnenschein. Und wenn ich es geschafft habe, mich innerlich mit einem Menschen zu versöhnen, kommt noch das Verzeihen dazu. Keine leichte Aufgabe. Erst wenn ich einem anderen Menschen verzeihe, kann ich mich von ihm befreien, von seiner Macht, die er über mich und meine Gedanken hat. Erst dann können meine Verletzungen heilen, finde ich Frieden in mir selbst und gewinne wieder Leichtigkeit.

Ein Klick und du kannst den Artikel zu meinem Jahresthema 2015, die Versöhnung lesen.

Wunder sehen

Welch eine wunderbare Aufforderung, denn Wunder sind überall um uns herum. Nur mit dem Sehen hapert es sehr oft, weil wir in Hektik und Eile sind oder weil sie so klein und alltäglich daherkommen. Manchmal erscheint ein Glücksmoment auch im Arbeitsoverall, dann sehen wir ganz schnell weg und verpassen es. Oder wir sind völlig eingesponnen in Frust und negativen Gedanken und verwehren damit dem Wunder den Zutritt.

Eine Woche lang habe ich ganz bewusst meine Sinne auf Empfang gestellt für die Wunder im Alltag. Ein freundliches Lächeln in der Kassenschlange, das Schneeglöckchen, welches Eis und Kälte trotzt, das laute Gezwitscher eines Vogels, Wölkchen, die am Himmel schweben, das langsame Erwachen der Natur, eine freundliche Berührung, ein Kuss, ein nettes Wort, eine Hand, die mir gereicht wird, alles „Kleinigkeiten“, die mein Herz erfreuen.

Vertrauen wagen

Vor allem in der Lebensmitte muss ich mich darin üben, Vertrauen zu den Veränderungen meines Körpers, zu meinen Fähigkeiten und zu den Menschen zu haben. Vertrauen dazu, dass das Leben weitergeht, wenn mich schmerzliche Verluste treffen. Auch die nehmen ab 50+ plötzlich zu, sei es weil sich Lebenswege trennen, weil es „Freunde auf Zeit“ waren, weil der Tod dazwischen funkt. Vertrauen, dass ich fähig bin, meine Trauer anzunehmen, zu überwinden, mir ein Neubeginn gelingt und das Lachen wieder zurückkehrt.

Dann fiel mir in den 7 Wochen auf, dass ich eine Art Urvertrauen besitze:

  • Ich vertraue darauf, dass Menschen grundsätzlich erst einmal gut sind.
  • Und das Vertrauen darin, dass Alles, was ich brauche zur rechten Zeit vorhanden ist und auf mich zukommt. (Da erfüllen sich sogar Wünsche!)
  • Zuletzt vertraue ich darauf, dass jeder Tag wunderbar ist und nur Gutes in mein Leben kommt.

Gelassenheit üben

Das Wort üben steht hier an der richtigen Stelle. Ich gestehe, Gelassenheit hört bei mir auf, wenn mich Menschen, ein Verhalten oder auch die Handhabung von Sachen nerven. Gelassenheit hört auch bei mir selbst auf, wenn ich was nicht begreife oder mich bei irgendwas selten blöd anstelle. Die Reaktion fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Sie reicht von Schreien, auf den Tisch hauen über Haare raufen, in den Wald rennen bis zum über mich selbst lachen.

In jeder Lebenslage gelassen reagieren? Geht das überhaupt? Ich käme mir da seltsam vor, blutleer, langweilig, ohne Höhen und Tiefen.

Gelassenheit beinhaltet das Wort „lassen“ und ist eng verwandt mit dem Loslassen, nichts erzwingen wollen, anderes Verhalten tolerieren und zu respektieren. Ich übe mich darin, gelassen zuzusehen beim Tun anderer Menschen und nicht gleich hilfreich dazwischenzuhüpfen. Ich lasse es zu, dass sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln dürfen, aus den Fehlern lernen und so gestärkt ihren eigenen Weg gehen. Das fällt mir oft schwer, denn ich will doch nur das Beste für die Menschen, die ich liebe. Meine Kinder sind Meister darin, den richtigen Knopf zu finden und zu drücken, der dieses Helfersyndrom auslöst.

Und manche Dinge, selbst Großartige, erledigen sich mit gelassenem täglichen Tun fast im Schlaf:

Nach Kraft ringen, das klingt alles so dramatisch. Man tut eben, was man kann und legt sich dann schlafen. Und auf diese Weise geschieht es, dass man eines Tages etwas geleistet hat
(aus einem Brief von Paula Modersohn-Becker an ihre Schwester, 1906)

wesentlich werden

Ich habe mal im Duden nachgeschlagen und es gibt viele Synonyme für wesentlich: wichtigstes, hauptsächlich, unverzichtbar, den größten Anteil oder die Wirklichkeit betreffend, lebensnotwendig, charakteristisch, erstrangig, bedeutsam und mehr. Das hört sich sehr gut an.

Je älter ich werde, um so weniger will ich mich verbiegen, eine Rolle einnehmen (außer beim Theaterspielen) oder anderen gefallen. Ich bin geduldiger geworden gegenüber den Wirrnissen des Lebens und den täglichen Anforderungen. Vieles, was mir früher wichtig erschien, ist es nicht mehr. Heute stehen meine Familie und mein Partner an erster Stelle, gefolgt von Freunden. Danach kommt die Arbeit gemixt mit meinem persönlichen Wohlergehen. Ich bemerke besser und früher, wann mir alles zuviel wird und reagiere darauf mit Rückzug und einen Blick nach innen.

Mich im Spiegel anschauen und für gut befinden, Zugeschüttetes ausgraben, authentisch und unverwechselbar sein sowie voller Freude meinen Weg gehen, sind weitere wesentliche Faktoren für gelungenes Leben, dazu eine große Portion Dankbarkeit für alles Gute. Morgen kann es vorbei sein, deshalb drängt das Jetzt und Gleich immer mehr in den Vordergrund. Worauf warten? Ich habe zu oft die „Rentnerpläne“ gehört, welche niemals ausgeführt wurden.

Auswählen dürfen, was mir jetzt gerade wichtig ist und es dann zu tun, fühlt sich richtig richtig gut an.

Grenzen annehmen

Von allen Seiten wird uns heute suggeriert, dass die Welt grenzenlos sei, und wenn ich Grenzen verspüre, dann sind sie selbst gezogen aus Angst über den Tellerrand zu schauen. Grenzenlos soll es sein bei Freiheit, Wachstum, Gedanken, Wirtschaft, Möglichkeiten.

In der Lebensmitte schlichen sich neue Grenzen ganz subtil in mein Bewusstsein. Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, alles geht nicht mehr. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ging auch in jüngeren Jahren vieles nicht. Dass ich Grenzen besitze, wird mir ganz deutlich, wenn jemand sie überschreitet oder gar niederreißt, einbricht in meine „Heile Welt“, ohne dass ich die Erlaubnis dazu gegeben habe. Dann ist Schluss mit lustig, dann fühle ich mich unwohl. Und wieder gibt es diese Wahlmöglichkeit: Diesen Jemand generell abzulehnen und fortzujagen oder mit ihm reden, ihn kennenlernen und erst dann die Entscheidung zu fällen, ob aus einem Fremden ein Freund werden kann, der mein Leben bereichert.

Es ist, glaube ich, die Aufgabe in der zweiten Lebenshälfte, seine Grenzen anzusehen, sie annehmen und zu akzeptieren, jedoch niemals in ihnen zu erstarren. Immer wieder eine Reise über seine Grenzen hinaus zu tun, ist erfrischend und erweitert den Horizont. So kann der Körper mich begrenzen, weil er nicht mehr so will, doch mein Geist kann über die Mauern hinweg fliegen. Und so wünsche ich mir, dass ich noch lange meine Grenzen überwinden kann bei Begegnungen und Gesprächen mit Menschen, beim Lernen von Neuen, auf Reisen, beim Lesen, beim Träumen. Seine Grenzen annehmen, aber die Tore weit offen lassen für das bunte Leben, welches hineinströmen will.

Jetzt wünsche ich dir einen bunten Frühlingsanfang voller Energie und guter Laune.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und frühlingsfrische Sachen machen

Deine Elvira

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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