Sommerzeit und die Entdeckung der Langsamkeit

Schnecke

Die Zeit rast und rast, unaufhörlich ticken die Zeiger der Uhr. Der Glockenschlag am Kirchturm verkündet: Wieder eine Stunde deines Lebens vorbei. Was hast du in dieser Zeit gemacht? Hast du diese Stunde sinnvoll genutzt, was immer das auch ist oder hast du auf den faulen Haut gelegen?

Wer hat an der Uhr gedreht?

Die Zeit saust an dir vorbei, sie läuft dir davon. Was tust du dagegen? Logisch: Du musst schneller laufen, um sie einzuholen, noch mehr hetzen, rasen, eilen, frei nach dem Motto: Zeit ist Geld oder größer, höher, weiter. Eigentlich merkst du, dass es dir damit nicht gut geht, doch das Aussteigen aus dieser Tretmühle fällt dir schwer. Langsamkeit, bereits das Wort hat einen negativen Beigeschmack. Sofort denkst du an träge, dumm, begriffsstutzig, an Warten und Langeweile, an Schneckentempo und Zeitlupe.

Aber ich muss doch . . .

Nein, musst du nicht, außer du stehst am Fließband und das gibt dir deinen Arbeitstakt vor.
Nein, musst du nicht, außer du willst als Musterbeispiel für Tüchtigkeit und Fleiss dastehen, ohne Rücksicht auf deine Befindlichkeiten.
Und du musst auch nicht, weil es so viel zu tun gibt, was nur du als Superpowerfrau mit Links und im Alleingang erledigen kannst.
Und als Letztes musst du erst recht nicht, nur weil dir das schlechte Gewissen einflüstert: „Was werden deine Familie, der Arbeitgeber, die Nachbarn denken, wenn du so langsam bist. An dir nagt der Zahn der Zeit. Bald gehörst du zum alten Eisen. Andere sind viel schneller als du.“

Von den Südländern Langsamkeit lernen

Ich habe auch das Geschwindigkeitsgen in mir und werde kribbelig, wenn nichts los ist. Ständig habe ich das Gefühl, ich verpasse irgendwo irgendwas. Selbst im Urlaub will ich meine Zeit nicht mit Nichtstun verplempern. Ich reagiere mit Unverständnis, wenn in südlichen Gefilden mittags alle Läden geschlossen sind und das Leben erschlafft. Siesta. Wie soll ich da bitte schön mein Programm schaffen?
Diese Zwangspausen sind ideal dazu geeignet, die Menschen in südlichen Gefilden zu beobachten, ihren Lebensrhythmus zu studieren und daraus zu lernen. Ihre Schritte waren viel langsamer als meine. Ihr Gang aufrechter. Sie wirkten ausgeglichen, gelassen, in sich ruhend. Sie erweckten den Eindruck, alle Zeit dieser Welt zu besitzen, während ich mich oft als ihr Sklave fühle.

Schnell, schnell, jetzt mach doch mal

Viele Aufgaben, die du sonst zack, zack gedankenlos erledigst, beginnst du zu hinterfragen. Was ist wirklich wichtig und dringend, was kann warten, ohne dass deshalb gleich die Welt untergeht und was wird gleich in Ablage P wie Papierkorb befördert.
Wie gehst du mit Nichtstun um? Erlaubst du es dir, bewusst faul zu sein, einfach mal alle 5 gerade sein zu lassen oder fangen dann deine Gedanken an, verrückt zu spielen?
Bist du auf Schnelligkeit programmiert? Achte mal auf deine Formulierungen. Hörst du dich oft sagen: „Ich muss noch schnell die Wäsche aufhängen bevor ich schnell zum Einkaufen fahre. Ich schreibe schnell den Artikel. Ich esse schnell eine Kleinigkeit. Zwischendurch hole ich schnell das Kind aus dem Kindergarten ab.“ Geschwindigkeit bestimmt dein Leben.

Das Leben langsam erleben

Die heiße Sommersonne mit 35 Grad im Schatten bot nun die ideale Gelegenheit, mein Leben langsamer anzugehen. Das funktioniert nicht von jetzt auf gleich und obendrein ist es anstrengend (upps, Anstrengung wollte ich in der Hitze doch vermeiden).
Es war ganz besonders, dieses Gefühl, dass ich mir die Zeit nehmen und nicht von ihr vereinnahmt werde. Jeden Weg bin ich bewusst gegangen, jeder Bewegung habe ich die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Bloß keine Bewegung zuviel, die Schweißausbrüche nach sich zieht. Mein Umgang mit mir selbst wurde achtsamer, gelassener, entspannter.
Stell dir vor, du läufst auf Sparmodus oder hast nur ein Notprogramm eingeschaltet, dann bleibt alles außen vor, was nicht absolut wichtig ist. Du erledigst Aufgaben voller Konzentration, nichts und niemand kann dich ablenken.

„Wenn eine Sache es wert ist, getan zu werden, dann ist sie es wert, langsam getan zu werden“ (Mae West)

Langsamkeit wie bist du schön

Nach 2 Wochen begann sich mein Tagesablauf schleichend zu ändern und Leichtigkeit stellte sich ein. Irritiert hat mich, dass mir die Langsamkeit zusätzliche Zeit schenkte. Das liegt wohl an der Entscheidung, eine Sache ganz oder gar nicht zu machen, denn jede Unentschiedenheit kostet unnötige Kraft. Der Drang zur Perfektion wird ausgeschaltet. Etwas gut zu erledigen genügt vollkommen. Und du nimmst die Welt aus einem anderen Blickwinkel wahr, deine Sinne schärfen und die Wichtigkeiten verschieben sich.

Und plötzlich sind sie da, die Glücksmomente, geboren aus der Langsamkeit in der heißen Sommersonne.

Hast du auch schon mal entdeckt, dass Vieles im Leben leichter geht, wenn man es langsam durchführt oder gehörst du zu den ständig Gehetzten?

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und Sachen mal gaaaanz laaaaangsam machen

Deine Septemberfrau
Elvira

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira,

    Sehr spannend. Mein erster Gedanke war nämlich „Ach bitte, nicht schon wieder!“ Denn ich liebe Tempo. Beim Schreiben, in Texten und vor allem im Denken. Doch je weiter ich in deinem Artikel kam, desto klarer wurde mir, hey, das mache ich ja eh alles!

    Ich glaube, es ist die Mischung aus Tempo und Langsamkeit. Sich immer wieder Auszeiten zu nehmen und vor allem zu genießen. Ja, mit Genuss kann ich sehr gut leben – und da sind wir wieder beim Süden 🙂

    Alles Liebe
    Barbara

    1. Liebe Barbara,

      doch schon wieder, nämlich immer mal daran denken, Langsamkeit zu üben. Und mit dem Genuss kann ich ebenfalls sehr gut leben. Und im sonnigen Süden sowieso.

      Langsame Grüße voller Sonne
      Elvira

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