Sind Gewohnheiten Freund oder Feind?

Gewohnheiten und Rituale

Die lieben Gewohnheiten sind wohl das mächtigste Instrument, um dich zu einem rundherum zufriedenen Menschen zu machen. Sie legen ihre starken Arme um dich und wiegen dich in Sicherheit: „Mach alles so wie immer, dann passiert dir nichts.“ Willst du deine Gewohnheiten ändern, werden sie bösartig und stellen dir bei jedem Schritt einen Fuß in den Weg, über den du stolperst.

Gewohnheiten sind dein größter Freund

Sie sind im Alltag unheimlich praktisch und nützlich. Sie erledigen über die Hälfte deiner Aufgaben, ohne dass du lange darüber nachdenken musst. Zuverlässig, schnell, routiniert. Sie kennen ihr Handwerk, du kannst dich stets auf sie verlassen. Das Ritual am Morgen lautet: aufstehen, ins Bad gehen, duschen, Zähne putzen, anziehen, Frühstücken. Ändere das einmal und du wirst ein wahres Chaos erleben. Du hast verschlafen? Kein Problem, deine gewohnte Routine ist auch in dieser Stresssituation zur Stelle. Den Weg zur Arbeit findest du, obwohl deine Gedanken ganz woanders sind, weil du bereits hunderte Male die gleiche Strecke gefahren bist.

Sei ein liebes Kind

Bestimmte Denkmuster hast du mit der Muttermilch eingesogen. Deine Eltern haben dir von klein auf beigebracht, wie du dich innerhalb der Familie verhältst. Durch Abschauen hast du uralte Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, übernommen. Du funktionierst nach einem geheimnisvollen Mechanismus, der dich in einer festen Umklammerung hält. Teilweise ist dir noch nicht einmal bewusst, warum du auf eine bestimmte Art und Weise handelst. Du fragst dich, woher deine Ansichten stammen, warum du was als gut oder schlecht empfindest. Du möchtest es ändern, doch es gibt kaum ein Entrinnen aus diesem Gewirr.

Sei eine brave Alte

Mit dem Alter nimmt die Zahl der Gewohnheiten zu. Sie verleihen uns eine Art Sicherheit, Stabilität und Vertrauen, dank derer wir uns zurechtfinden. Sie sind das Geländer, an dem wir uns im Alltag entlang hangeln. Routine erleichtert uns das tägliche Leben. Jede Änderung strengt an, deshalb bleiben wir beim Bekannten und Bewährten.

„Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden dazu und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen“ (Thomas Mann)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Das Gehirn unterscheidet nicht in gute oder schlechte Gewohnheiten. Einmal drin, brauchst du eine ganze Menge Disziplin, um von den eingefahrenen Wegen abzuweichen und noch mehr, sie ganz zu verlassen.

Du weißt genau, dass dir eine Veränderung gut täte. Knochen und Gelenke wollen nicht mehr so, du müsstest dich mehr bewegen. Deine Gesundheit ist angeknackst, du hättest schon lange auf das Rauchen verzichten und obendrein deine Ernährung umstellen sollen. Die Arbeit ist pure Quälerei, der Chef ein Depp. Du solltest kündigen, aber was kommt danach.

Sollte, hätte, müsste, lassen das Raubtier „Gewohnheit“ selig weiterschlafen.

Wecke das Raubtier

Oft stört es dich, was du dir im Laufe des Lebens antrainiert hast. Doch alle Appelle und Argumente an den Verstand nützen nichts, um Gewohntes zu verändern. Erst wenn der Leidensdruck groß genug ist, bist du bereit aus Zwängen auszubrechen. Damit weckst du das Raubtier und es wird seinen angestammten Platz mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Es gibt kaum ein Entrinnen.

Wage es nicht

Wehe, wenn du nach jahrelangem Eingesperrtsein auf einmal das Bedürfnis hast, über die Grenzmauern zu blicken und entdeckst, dass das Gras auf der anderen Seite viel grüner und die Kirschen viel röter sind.
Wehe, wenn du auf einmal bemerkst, dass dir dein Tellerchen als Spielfläche zu klein geworden ist, weil du beim neugierigen Blick über dessen Rand hinaus siehst, welche vielfältigen Möglichkeiten der Weiterentwicklung es gibt.
Wehe, wenn du gar vorhast, aus deinem Umfeld auszubrechen, weil du beabsichtigst, dein Leben zu leben und zu tun, was dir Freude bereitet. Du willst nicht mehr wie eine Marionette am Seil die Vorstellungen des Puppenspielers verwirklichen, sondern deine Eigenen.
Wehe, wenn du von Autopilot auf „ich fahre meiner eigenen Nase nach und wohin ich will“ umschaltest.
Mach dich auf was gefasst.

Spontanität und Neugierde sind die Gegenspieler der Gewohnheiten

Beide unterbrechen den gleichförmigen Trott und verleiten dazu, den Ritualen ein Schnippchen zu schlagen. Es erfordert fast übermenschliche Kräfte, jahrelange Routinen zu verändern. Dazu braucht es die Einsicht, dass man mit seinen bisherigen Verhalten auf der Stelle tritt, den festen Willen zur Veränderung und neue andere Entscheidungen. An jedem dieser Punkte umwickelt dich die Gewohnheit mit ihren unsichtbaren Stricken, saugt sich an dir fest, klebt unlösbar an dir.

Von Reizen und Belohnung

Gewohnheiten zu verändern geht niemals von jetzt auf gleich. Es wird nicht klappen. Ein ist ein immens hoher Aufwand nötig, um Anfangswiderstände und Ängste zu überwinden.
Um neue Rituale zu etablieren brauchst du erst einmal einen Reiz – die Frage nach dem Warum. Dann folgt das Tun und die ständige Wiederholung. Am Schluss, beim Erreichen des Ziels, gibt es eine verdiente Belohnung. Was als fast unsichtbare Fußspur im Gehirn beginnt, weitet sich nach und nach zum Trampelpfad bis zur breiten Straße aus.

Ein Entschluss: Ich höre mit dem Rauchen auf

Am Anfang einer Veränderung steht die Analyse und das Erkennen deiner Verhaltensmuster.

Ich habe in jungen Jahren mal geraucht. Bereits mit 13 Jahren begann mein Raucherleben. Warum? Ich wollte unbedingt zur Gruppe dazugehören. Die erste Übelkeit überwand ich, weil ich mich mit der Zigarette groß und selbstbewusst fühlte. Dann folgten die Wiederholungen, heimlich, im Verborgenen. Der Griff zur Zigarette erhielt in den kommenden Jahren immer neue Auslöser. Endlich ist man alt genug, in der Öffentlichkeit zu rauchen. Später ist man gestresst vom Studium neben dem Beruf. Der Griff zur Zigarette bringt Gelassenheit. Abends in der Disco gehörte zum Alkohol die Zigarette, cool, lässig.

Warum habe ich abrupt aufgehört. Der Grund ist bescheuert. Wein und Zigarette vertrugen sich nicht. Nach jedem Ausgehen waren Kopfschmerzen die Folge. Also habe ich für mich gedacht: „Eins kann ich beibehalten, Eins muss ich aufgeben.“ Es traf das Nikotin. Meine Ersatzhandlung war, dass ich in die Kneipe Bleistifte mitnahm und sie im Laufe des Abends anknabberte.
Eine hervorragende Entscheidung, denn das Gläschen Wein am Abend schmeckt mir nach wie vor.

Ändere Gewohnheiten in kleinen Schritten

Mache es deinem Gehirn so leicht wie möglich mit kurzen winzigen Handlungen. Kleine Schritte führen zum Ziel und nicht der große Sprung, bei dem du leicht ins Stolpern gerätst und auf die Nase fällst.

Ab morgen jeden Tag 30 Minuten joggen funktioniert nie und nimmer. Dein innerer Saubär wird alles daran setzen, das zu verhindern und 1000 Argumente finden, warum es dir damit schlecht geht. Spätestens nach 3 Tagen ist aus der Anfangseuphorie und dem Traum, ein umjubelter Marathonläufer zu werden, wieder der Couchpotatoe geworden.

Überliste deinen Saubär. Während er schläft, gehst du schnell eine kurze Runde ums Haus, läufst die Treppen, anstatt den Aufzug zu nehmen, benutzt für kurze Strecken deine Füsse statt das Auto. Lege dir abends bereits die Sportsachen zurecht. Freue dich auf die Dusche danach und das leckere Frühstück. Sei stolz auf deine Leistung, klopfe dir auf die Schulter und schenke dir eine dicke Extrabelohnung. 66 Tage (manche tendieren zu 100) soll es nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen dauern bis eine Routine entstanden ist. Hast du das geschafft, setzt der „Suchtfaktor“ ein, und das schlechte Gewissen bewahrt dich vor Aussetzern.

Es hilft auch ungemein, sich mit Anderen zu verabreden. Bevor der kleine Saubär dir einflüstert: „Heute ist das Wetter schlecht, bleib lieber auf dem Sofa liegen“, lässt der Gruppenzwang dich aufspringen.

Ändere immer nur eine einzige Gewohnheit

Es ist übrigens viel viel einfacher eine neue Gewohnheit in den Alltag aufzunehmen, als eine jahrelang Bewährte zu verändern.

Mein heimlicher Neujahrsvorsatz war, mehr Bewegung durch Laufen in mein Leben zu bringen. Am 1.1 gedacht und selten gemacht. Der Reiz, Laufen ist gesund, war zu schwach. Besser: Ich bewege mich gerne im Wald und der Natur. Viel stärker: Mich überkommt eine tiefe Ruhe, wenn ich in Feld und Flur unterwegs bin. Ich schaue mich um, sauge den Geruch des Waldes ein, höre die Vögel singen, erfreue mich an den Veränderungen durch die Jahreszeiten. Der Kick: Die Abwechslung beim Laufen, mal joggen, walken oder schlendern, dann rückwärts trippeln und stehenbleiben. Die Krönung: Bewegung im Wald plus Fotografieren. Die Belohnung ist, dass die Rückenschmerzen verschwunden sind.

Der Aussteiger – Lebensveränderung von jetzt auf gleich

Große radikale Veränderungen gelingen in der Regel nur mit Hilfe und Unterstützung von außen. Ausnahme ist ein Zusammenbruch des bisherigen Lebens durch Kündigung, Krankheit, Scheidung, Tod oder die Erkenntnis, wo der Sinn des Lebens liegt. Ein plötzliches Umdenken erscheint dann zwingend notwendig. Man kommt nicht mehr daran vorbei, die Augen vor Tatsachen, die einem schon lange bewusst sind, zu verschließen. Das eine Neuorientierung gelingt, hat vor diesem Hintergrund die besten Chancen.

Welche deiner Gewohnheiten liebst du? Gibt es welche, die du lieber heute als morgen los werden willst?

Lass und zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und aus Gewohnheit andere Sachen machen

Elvira

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Elvira, während ich Dein Thema lese sehe da so einige Gleichheiten. Seit ich nach einem intensiven Berufsleben im selbstgewählten Ruhestand bin stelle ich fest, daß es gar nicht so einfach ist neue Gewohnheiten zu lernen. Die eingefahrenen Sachen sind ziemlich „festgefahren“. Dabei bin ich aber immer ein Mensch der für Neues offen ist.

    1. Liebe Leni,

      offen sein für Neues ist die beste Voraussetzung um eine andere Gewohnheit ins Leben hineinzulassen.

      Herzliche Grüße
      Elvira

  2. Ich habe eine Gewonheit geändert und es ist mir enorm leicht gefallen.
    Ich bin umgezogen und habe einen neuen Lebenspartner gefunden und seit dem habe ich gar keinen Spass mehr am joggen.
    ich fahre jeden Tag mindestens 8 km Fahrrad und es geht mir richtig gut dabei egal bei welchem Wetter.
    Ich habe mir zusätzlich ein Sportgerät für die Wohnung gekauft, aber da komm ich leider auch gar nicht dran.
    Ich bewege mich lieber draussen und da ist es völlig egal wie das Wetter ist hauptsache drausen.
    LG
    Sylvia

    1. Liebe Sylvia,

      super Disziplin gepaart mit einer neuen Liebe. Das muss ja gelingen.

      Herzliche Grüße
      Elvira

  3. Ich bin ja auch Raucher und habe genauso angefangen, wie du. Die Coolen in der Schule standen halt in der Raucherecke.
    Vor ein paar Jahren habe ich einmal aufgehört und bei dieser Gelegenheit festgestellt, dass ich in den Wechseljahren bin. Nach ein paar Jahren war ich damit so überfordert, dass ich wieder mit dem Rauchen angefangen habe. Die Wechseljahre sind mir allerdings erhalten geblieben 😉
    LG
    Sabiene

    1. Hallo Sabiene,
      dann haben wir noch eine Sache gemeinsam. Bin froh, dass ich früh angefangen und früh wieder aufgehört habe.

      Ganz herzliche Grüße
      Elvira

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