Oma, Großmutter, Mimi

Die weltberühmteste Oma ist sicherlich die im Märchen „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm. Sie lebte allein in ihrem Häuschen mitten im Wald und wurde liebevoll von ihrer Enkelin mit Leckereien versorgt bis der böse Wolf dazwischen funkte.

Die Suche nach der Oma

Oma sein hat sich gewandelt und ist heutzutage völlig anders als noch vor Jahren. Denken wir mal ein bis zwei Jahrhunderte zurück. In der Regel starben die Frauen bei der Geburt eines Kindes. Großmütter sucht man deshalb in Geschichten und Erzählungen vergebens.

Romantisch, zerbrechlich und in ständiger Gefahr

Mit der Rotkäppchen-Oma stellen wir uns das romantische Bild einer zerbrechlichen alten Frau in Rüschen und Spitze vor. Silberne Löckchen umspielen ein gütiges runzliges Gesicht. Doch sie führte ein Schattendasein abseits der Familie im dunklen Wald, ständigen Bedrohungen ausgesetzt.

Oma und zwei Weltkriege

Kommen wir zu meiner Oma. Zwei Weltkriege, zahlreiche Verluste, die Flucht aus dem Sudetenland zusammen mit ihrer Tochter, haben tiefe Spuren hinterlassen. Diese Generation war hauptsächlich auf das Überleben eingerichtet. Alte Fotos zeigen eine ernst in die Welt blickende Frau. Sie war der Rückhalt meiner allein erziehenden Mutter, da mein Vater vor meiner Geburt durch die Folgen eines Unfalls verstarb.

Verwöhnen der Enkelin war Fehlanzeige. Für mich als Kind gab es jede Menge Pflichten und Aufgaben. Abends jedoch tauchte ich in eine Zauberwelt ein. Während die Stricknadeln in ihren Händen klapperten, das Feuer im Ofen knisterte, erzählte sie mir Märchen und Geschichten.

Die Schwiegermutter-Oma

Die nächste Großmutter ist die meiner Kinder. Sie ist auch gleichzeitig meine Schwiegermutter. Sie hat die Schrecken des Zweiten Weltkriegs miterlebt und hier wohl ihre besondere Gabe entwickelt: jedem Geschehen etwas Positives, Vorteilhaftes abzugewinnen, allem mit Neugier und Offenheit zu begegnen.

Als Oma wirkte sie zurückhaltend und distanziert, es fehlte die natürliche Herzlichkeit. War es ihr Schutz vor Traurigkeit? Großmutter sein, Oma wollte sie nie genannt werden, hatte bei ihr oft den Anstrich von Pflichtübung. Sie erfüllte eine Erwartungshaltung. Beim Singen und Klavierspielen blühte sie auf und es entstand Nähe zu ihren Enkeln.

Mein, dein, uns, echt und unecht

In ihrer zusammengewürfelten Familie (Patchwork – meine, deine, unsere Kinder) mit insgesamt 8 Kindern trennte sie später ihre 10 Enkel in echte und unechte.

Unser Verhältnis war nicht ganz frei von Spannungen, denn zu unterschiedlich waren die Auffassungen bei der Kindererziehung. Dass nächtelanges Schreien die Lungen des Kindes stärkt und dass ein Baby auf diese Weise das Durchschlafen lernt, war nur ein Punkt, an dem sich die Gemüter aufheizten.

Bereitschaftsoma oder Ersatzmama

Jetzt ist meine Generation an der Reihe. Ungeplant und überraschend bin ich Oma geworden. Damit hat sich nicht nur das Leben meiner Tochter auf den Kopf gedreht, sondern auch meines. Ich bin die Bereitschaftsoma oder Ersatzmama, genannt „Mimi“, damit meine allein erziehende Tochter ihren Beruf als Krankenschwester weiterhin ausüben kann.
Damit befinde ich mich in bester Gesellschaft, denn jedes 4. Kind wird heute von Großeltern regelmäßig versorgt, jedes 2. immerhin noch mehrmals die Woche.

Oma zwischen Distanz und Nähe

Gingen die 68er noch auf Distanz zu ihren Eltern mit den spießigen Weltanschauungen, läuft das Oma-Ersatzmama-Modell unter engster Zusammenarbeit und Nähe. Konflikte bleiben da nie aus, lassen sich aber mit gesundem Menschenverstand und Gesprächen lösen.

Sicher fühlen sich die Mütter/Eltern da eingeengt, haben sie doch kaum eine andere bezahlbare Alternative, wenn sie Job und Familie unter einen Hut bekommen wollen.

Was sollte eine „Mimi“ lassen?

Es ist herrlich, das Enkelkind maßlos zu verwöhnen. Das ist pädagogisch zwar nicht besonders wertvoll, doch Omas müssen, sollen und dürfen das.

Verwöhnen heißt allerdings nicht, dass du Narrenfreiheit hast. Mit Geschenken überhäufen, mit Süßigkeiten vollstopfen kannst du vergessen. Alle elterlichen Betreuungsvorgaben außer Kraft setzen läuft ebenfalls nicht. Das zeugt nicht von Liebe zum Enkel sondern setzt das Kind Konfliktsituationen aus.

Was darf eine „Mimi“?

Eine Oma darf die Enkel verwöhnen mit endloser Zeit, Geduld, Gelassenheit, Toleranz und Liebe. Verwöhnen heißt auch, dem Enkelkind zuhören, seine Wehwehchen ernst nehmen, es trösten, seine Wünsche respektieren, es loben, seine zahlreichen Fragen beantworten und seine Erlebnisse mit ihm zu teilen.

Wenn du ein Enkelkind hast, welches du oft und regelmäßig betreust, hast du gleichzeitig einen Erziehungsauftrag. Bestimmte, von meiner Tochter vorgegebene, Regeln halte ich ein, was das Zubettgehen, Süßigkeiten, Fernsehen, Geschenke, Benehmen bei Tisch, Wertvorstellungen, Rituale oder nur das Zähneputzen betrifft.

Als Oma kannst du Versäumtes nachholen

In deinem Elterndasein hattest du nie Zeit? Da ging es dir wie mir. 3 Kinder, Mann, Haus, Garten und ein Ganztagsjob musste unter einen Hut gebracht werden. Es gab zuviel zu tun und erforderte oft Nerven wie Stahlseile.

Ganz anders ist das als Oma. Du hast Gelegenheit, Versäumnisse an deinen Kindern bei den Enkeln nachzubessern. Du kannst in Sachen Geduld, Ruhe, Ausdauer, miteinander spielen und bei gemeinsamen Unternehmungen alles nachholen. Das ist das große Plus.

Mit den Augen eines Enkelkinds

Unbedingt solltest du dir von deinem Enkel die Welt mit seinen Augen zeigen lassen. Du erlebst sie aus einer ganz anderen Perspektive und wirst manches Wunder entdecken. Auf der anderen Seite dürfen deine Enkel lernen, dass man Rücksicht auf ältere Menschen nehmen muss, wenn sie eine Ruhepause benötigen.

Fakt ist, dass es für ältere Menschen nichts besseres zum jung erhalten gibt als Enkel. Es ist herrlich, mit ihnen Unsinn und Quatsch zu machen. Du darfst dich mal wieder nach Herzenslust austoben, im Bett rumspringen, im Sand matschen, in Pfützen springen, im Wasser plantschen und auf Bäume klettern. Deine Enkel lernen von dir und umgekehrt du von ihnen.

Mimi, erzähl wie es früher war

Bereits meine Kinder liebten die alten Fotoalben. Auch meine Enkelin ist darin vernarrt, entsprechend zerfleddert sehen sie inzwischen aus. Sie wird nicht müde immer und immer wieder die Familiengeschichten zu hören. Als Oma bist du auch die Vermittlerin zwischen Jung und Alt. Du sorgst dafür, dass Rituale und Traditionen der Familie gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Du sorgst ebenfalls dafür, dass die Verbindungen innerhalb einer sich immer weiter verzweigenden Familie erhalten bleiben.

Der Zauber des ersten Mals

Ich bin überzeugt, dass man zu seinem ersten Enkel eine ganz besonders innige Beziehung hat, denn schließlich ist man dadurch zur Oma geworden. Mit einem Schlag gehört man der nächsten, älteren Generation an. Die ersten Fotos, die ersten vom Enkelkind gemalten Bilder zum Geburtstag sind Kostbarkeiten. Das erste Mal, dass du mit ihr gemeinsam in den Zoo, ins Puppentheater, ins Schwimmbad oder woanders hin gehst Glücksmomente.

Lieblingsenkel

Ein Enkel ist einfach. Deine ganze Konzentration ist auf ihn gerichtet. Wohnt er dann noch in der Nähe vertieft sich diese Beziehung. Bei mehreren Enkeln musst du deine Aufmerksamkeit zwangsläufig aufteilen.

Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die Tatsache, dass es Lieblingsenkel gibt und mein gesunder Menschenverstand kann das voll und ganz bestätigen. Ich hoffe sehr, dass jede Oma selbst reflektiert, ob und welche Enkel sie bevorzugt oder benachteiligt und da einen Ausgleich schafft.

Oma und Opa bald Mangelware?

Die heutigen Großeltern sind in der Regel fit und unternehmungslustig. Davon profitieren Eltern und Enkel gleichermaßen. Doch wird es in Zukunft weniger Omas und Opas geben, denn die Zahl der Geburten geht permanent zurück. Kinder wollen heute nicht mehr so richtig in die Lebensplanung hineinpassen. Entweder es ist noch zu früh und plötzlich ist es dann zu spät.
Und nach wie vor muss Frau die schwerwiegende Entscheidung treffen: Kinder oder Karriere, denn beides ist nur mit einem ausgeklügelten kostspieligen Betreuungssystem zu vereinbaren. Klingt abgedroschen, altmodisch, wie aus fernen Zeiten, ist aber so. Kindergarten- oder Hortplätze sind rar und hat man einen ergattert, passen deren Öffnungszeiten selten zu den Arbeitszeiten.
Wegen eines Kindes zuhause bleiben sollte sie sich aus Gründen der Altersvorsorge und ihres Selbstwertgefühls ganz genau überlegen. Und ein Mann ist definitiv KEINE Altersvorsorge.
Nur Karriere? Ist auch eine Entscheidung, doch fehlte mir seinerzeit die Vorstellung, wie es ist, später im Alter allein dazustehen.

Schaue ich auf meine Familie und neuerdings zu Nachbars in den Garten, wo drei Generationen auf dem Rasen herumtollen, weiss ich, dass Kinder und Enkel alle Mühen wert sind und meine vor langem getroffene Entscheidung für Kinder plus Beruf richtig war.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und verrückte Sachen mit den Enkeln machen

Elvira

Und wer keine hat, kann sich als Leihoma ausprobieren. Bei einer der vielen allein erziehenden Mütter wirst du bestimmt mit Kusshand genommen.

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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