Frühstück im Zululand

Wie ist Dein Start in den Tag? Frühstück in Ruhe, schnell im Stehen oder gar nicht? Sind Deine Gedanken noch zuhause, sind sie voraus zur Arbeit geeilt oder mit dem beschäftigt, was Du diesen Tag alles erledigen willst. Ergreift Dich Hektik, noch bevor Du Deinen Fuß neben das Bett auf die Erde stellst? Dann lies mal diese kleine Reiseerinnerung. Was zum Schmunzeln, Nachdenken und vielleicht zum Entschleunigen.

Südafrikanische Gelassenheit

Am Buffet herrscht nicht viel Andrang. Thomas, mein fürsorglicher Partner, wird mir Eier und Toast mitbringen. Er stellt sich in die Warteschlange, nur 3 Personen sind vor ihm. Super, das geht sicher flott. Inzwischen suche ich einen Tisch, von dem aus ich alles überblicken kann. In der Ecke unterhalten sich kichernd einige Servicekräfte. Das Feuerrot ihrer T-Shirts steht ihnen vorzüglich und unterstreicht ihren fröhlichen Eindruck. Eine der Damen wird auf mich aufmerksam. Schnell bekomme ich Kaffee und frisches Obst, den Rest hole ich mir am Buffet. Lecker, das Frühstück kann beginnen.

10 Minuten später: Thomas steht fast an der gleichen Stelle wie vorhin. Gut, nach vier Tagen in Südafrika haben wir uns daran gewöhnt, dass hier alles etwas langsamer geht. Thomas versucht die Wartezeit mit Kaffee zu überbrücken, leider sind die Tassen alle. Also füllt er sich ein Löffelchen gebackene Bohnen auf den Teller, dazu die ein oder andere Leckerei.

Von meinem Tisch aus beobachte ich die Köchin. Sie legt ein gebratenes Ei auf einen Teller und reicht ihn mit strahlendem Lächeln der ersten Person in der Warteschlange. Der Nächste bitte! 2 Spiegeleier sind gefordert. Die heiße Platte wird akribisch gereinigt, einige Spritzer Öl werden darauf getropft und in einer gefühlten Minute gleichmäßig verteilt. Die Eier aufzuschlagen und in den Bratring plumpsen zu lassen, gerät zu einer bühnenreifen Zeremonie. Einsam und allein liegen sie auf einem Quadratmeter Herdplatte. Bei geringer Wärmezufuhr stocken sie zu einer festen Masse. Der erwartungsvolle Besteller wird gefragt, ob er Toast dazu möchte. Er möchte.  Ebenso einsam wandert eine Scheibe Brot in den Toaster. Alle warten gespannt das Ergebnis ab. Hingebungsvoll beobachtet das Kochmädel, wie die Eier langsam vor sich hin brutzeln. Ein bezauberndes Lächeln umspielt ihre Lippen.

Thomas lädt sich Würstchen auf den Teller, auch ein wenig Speck kann nicht schaden, daneben kommen Ketchup und andere Saucen. 

Jedem Gast die volle Aufmerksamkeit

Die Eier sind fertig und werden Nummer 2 gereicht. Der Nächste bitte. Gast Nummer 3 ordert ein Ei. Thomas lächelt die Köchin an, hofft, dass er jetzt auch gleich nach seinem Begehren gefragt wird. Entzückt lächelt sie zurück. Da kommt Nummer 2 zurück, fragt nach seinem Toast. Stimmt, da war noch was. Oh, leider verbrannt. Die Automatik funktioniert nicht. Macht nichts, eine neue Scheibe kommt in den Toaster. 

Da passiert das Unfassbare: Mann Nummer 3 begeht die Ungeheuerlichkeit, sich in den gewohnten Ablauf einzumischen. Ohne gefragt zu werden, bestellt er 2 Scheiben Röstbrot. Dem Gesichtsausdruck der Köchin entnehme ich, dass sie unter Berücksichtigung aller mathematischen Formeln nach einer Lösung für diese Massenbestellung sucht.

Von Langeweile geplagt, füllt sich Thomas Pilze und Tomaten auf. Die Speisen quellen langsam aber sicher über seinen Tellerrand. Endlich: Fast ist er am Ziel seiner Wünsche. Das Ei des Vordermannes ist fertig. Hektisch versucht dieser, der Köchin zu helfen. Er will seine Brotscheiben selbst aus dem Toaster ziehen. Da hört der Spaß auf. Mit einer Grillzange schiebt sie das Brot rigoros wieder zurück in den Toaster, um es in der nächsten Sekunde selbst  zu entnehmen. Mit dem Lächeln einer Siegerin legt sie es Nummer 3 schwungvoll auf den Teller.

Die Zeit drängt

Nach 20 Minuten: Thomas ist an der Reihe. Rühreier sollen es sein. Mit einem glücklichen Lächeln, denn der Auftrag bringt Abwechslung in den Alltag, macht sich die Köchin ans Werk. Die Herdplatte akribisch reinigen, Öl minutenlang verschmieren, die Eier kunstvoll zerschlagen und dann mit geübten Bewegungen verhindern, dass sie von der schiefen Kochplatte rutschen. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist gefordert. Liebevoll werden die fertigen Eier auf einen Teller drapiert. Zeit für ein weiteres Lächeln und die Frage: „Weißes oder braunes Brot?“ Thomas möchte Braunes.

Das zauberhafte Lächeln ist wie weg gewischt. Dunkles Brot ist keins mehr da, das hätte er doch sehen können. Zu allem Übel macht er ihr nun auch noch klar, dass vier Scheiben Brot in den Toaster passen. Das ist eindeutig zu viel. Mit funkelnden Augen dreht sie sich um und verschwindet von der Bildfläche. Selbstbedienung ist angesagt.

25 Minuten sind vergangen: Endlich hat Thomas alles, was Mann so braucht. Neue Tassen kommen ebenfalls, doch jetzt ist der Kaffee alle. Missmutig kommt Thomas an unseren Tisch, wo ich gerade mein Frühstück beende. Und dann? Eine der Servicedamen schwebt herbei, schenkt ihm mit fröhlich strahlendem Gesicht frischen Kaffee ein. Perfekt. Der Tag kann beginnen.

In 15 Minuten fährt der Bus ab. Reichlich Zeit für Thomas, diesen Berg von Köstlichkeiten in aller Ruhe und Gelassenheit zu verzehren.

Die Zeit geht langsamer

Nach einigen Tagen in Südafrika gelang mir das Kunststück „Entschleunigung“. Mitgebrachte Hektik verwandelte sich in Ruhe, schnelle Schritte gingen in langsame über und Anspannung in Entspannung. Ich hatte keine Ahnung, was diese Veränderung in mir hervorrief. Vielleicht lag es am vom Herzen kommenden Lachen der Menschen, an ihrer spürbaren Lebensfreude. Vielleicht waren es die grünen Hügel, die sich endlos aneinanderreihen. Vielleicht lag es am Blick über den Ozean, dessen Blau am Horizont verschwimmt. Vielleicht war es auch so, dass die Zeit in Südafrika langsamer geht? Obwohl? Nein, das kann nicht sein, eine Stunde ist auch hier eine Stunde.

Doch irgendwas war anders, hat mir einen anderen Rhythmus aufgezwungen, langsam, unmerklich. Ich glaube, dass die Menschen mehr im Hier und Jetzt leben als bei uns in Deutschland. Am meisten fiel mir das bei der schwarzen Bevölkerung auf. Ist das der Zauber Südafrikas? Ist es das, was die Menschen, die dort waren, immer wieder zurückkehren lässt? Die Weite des Landes und das Entschleunigen?

Zurück in Frankfurt am Flugplatz hasten Menschen an uns vorbei. Eilig, hektisch, unruhig. Wir schlendern bewußt langsam zur Bahn. Wenn wir diesen Zug nicht erreichen, den nächsten bestimmt. Der Zauber Südafrikas – er wirkt noch.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN

und lauter bunte Sachen machen

Elvira

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Nun hat Dich aber die Hektik wieder,
    Du planst , terminierst und Stress ist Dein Leben.
    Du denkst an das Frühstück und würdest gern wieder,
    das viertel Stündchen noch gerne zugeben.
    Doch was solls: real ist hier unser Leben,
    wenn`s manchmal auch drüber und drunter geht.
    um so mehr dann die Freude – Du sollst es erleben –
    wenn die nächste Safari vor der Türe steht

    1. Danke lieber Christian für das schöne Gedicht. Gerne gebe ich das Viertelstündchen dazu, ganz in Ruhe mit einem extra Honigbrot, Kaffee und Lesen. Entspannung pur.
      Liebe Grüße
      Elvira

  2. Ich muss ein Glückspilz sein:
    ich habe ein bisschen der südafrikanischen Ruhe & Fröhlichkeit im tiefsten Bayerischen Wald gefunden!
    Danke für diese Erkenntnis, Elvira 🙂

    Und trotzdem: es bedarf täglicher Aufmerksamkeit nicht in die übliche Hektik zu verfallen 😉

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