Frau 50plus – früher und heute

Während ich hier sitze und diesen Artikel schreibe, erscheint das Bild meiner Oma vor meinem inneren Auge. Als ich sie das erste Mal bewusst wahrnahm, war ich 3 Jahre und sie 57. Sie trug immer dunkle Kleidung. Erst im hohen Alter hat sie sich an „fröhlichere“ Farben gewagt. Geboren 1904 war ihr Leben von Entbehrungen gezeichnet.

Frau 50+ früher

Beide Weltkriege musste sie durchstehen. Im Ersten war sie ein Mädchen von 10 Jahren. Ich glaube, solche extremen Erlebnisse im jungen Alter sind prägend für das ganze Leben. Im Zweiten Weltkrieg verlor sie ihren Mann und floh mit ihrer 15 jährigen Tochter aus ihrer Heimat. Der Aufbau einer neuen Existenz erforderte ihre ganze Kraft. Harte Arbeit, wenig Geld und ein Umfeld, welches Flüchtlinge nicht überall willkommen hieß, ließen sie zu einer verschlossenen Frau werden. Für persönliche Eitelkeiten blieb keine Zeit ebenso wenig für Befindlichkeiten. Es gab wenig zu lachen, und ich bin sicher über Träume und Wünsche hat sie nie nachgedacht. Die Arbeit musste erledigt werden. Punkt.

Geboren 1964 und davor

Wir, die Generation der „Babyboomer“, ja, so heißen wir, weil es so viele von uns gibt, wurden aufgezogen von Müttern und Vätern, die vor oder im Krieg geboren wurden. Sie haben Zerstörung, Mangel und Wiederaufbau hautnah erfahren. Diese Eltern lernten daraus, nüchtern und praktisch zu denken, zu improvisieren und anzupacken. Sie wollten eine bessere Zukunft. Uns, ihren Kindern, sollte es mal gut gehen im Leben. In meiner Kindheit und Jugend hatte ich immer das Gefühl, dass alles, was zum Leben benötigt wurde, da war. Klar, nicht so üppig wie heute, wo wir in der Fülle des Angebots oft den Überblick verlieren und lieber keine als eine falsche Entscheidung treffen. Aber mir fehlte nichts, was ich zum Glücklichsein brauchte. So wuchsen wir heran.

Frau 50+ heute

Das Modell „Frau 50 plus“ unterscheidet sich heute gravierend von dem meiner Oma und auch meiner Mutter. Früher war es Standard, „Nur-Hausfrau“ zu sein. Wir dagegen haben fast alle eine Ausbildung bzw. Studium gemacht und damit die Möglichkeit zu wählen. Laut Statistischem Bundesamt ist über die Hälfte der Frauen über 50 Jahre berufstätig. Die Anderen haben sich für die Vollzeit-Hausfrau entschieden. Beides hat seine Vor- und Nachteile. (Ja, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Frau manchmal keine Wahl hat.)

Die Frauen über 50 sind in der Regel körperlich und geistig fit, platzen vor Energie, könnten jeden Tag Bäume ausreißen und Neue setzen. (Ich gestehe, es gibt auch Tage, da sind es nur winzige Pflänzchen und manchmal noch nicht mal diese). Sie ernährt sich ziemlich gesund und bringt Bewegung in ihr Leben. Ohne schlechtes Gewissen lässt sie alle Fünf gerade sein, wenn ihr danach ist. Sie hat genügend Mittelchen, ihre äußere Schönheit zu erhalten. Das ist wunderbar. Meine Bitte: „Achte darauf, dass es nicht zum Zwang wird. Ich finde, Schönsein soll uns in erster Linie Spaß machen und nicht fehlendes Selbstvertrauen ersetzen.“ Ihre Persönlichkeit, ihr inneres Wesen hat sie sich in 50 Jahren durch Versuch und Irrtum aufgebaut. Jetzt sind diese Frauen bereit, die Welt aus den Angeln zu heben und Berge zu versetzen. Sie haben jeden Tag neue Ideen, Veränderungen sind an der Tagesordnung und es brodelt in ihnen wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Sie stören sich weder am Erstaunen noch am Kopfschütteln ihrer Mitmenschen über so viel „Unvernünftigkeit“.

Mehr Zeit und Möglichkeiten

Der Tag, an dem die Kinder ausziehen ist ein weiterer Einschnitt in dieser Phase. Auf einmal haben wir mehr Zeit für uns und unsere Interessen. Hört sich gut an, ist es aber meistens nicht. Zuerst ist man wie erstarrt, denn wir müssen uns neu im Leben einrichten. Endlich können wir die Dinge tun, die wir schon lange vor uns herschieben. Endlich können wir uns unsere lang gehegten Wünschen erfüllen. Endlich können wir unsere neu gewonnene Freiheit genießen. Endlich . . . aber das ist ein extra Thema.

Wir Frauen 50+ haben heutzutage grandios viele Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten. Wir dürfen unsere Grenzen erweitern, Mauern abreißen, umdenken, noch mal von vorn anfangen, zu neuen Zielen aufbrechen oder auch alles so lassen wie es ist. Die Entscheidung liegt in unserer Hand.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und lauter bunte Sachen machen

Elvira

PS: Gab es in Deinem Leben Veränderungen nach der 50? Wenn ja, welche? Wie haben sie Dein Leben beeinflusst?

 

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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10 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira, ich glaube, da ist einiges dran. Ich kenne eine Frau, die aus der Sowjetunion emigriert ist, und ich kann nur sagen: bieder, ohne Visionen (wobei gerade sie es geschafft hat, sich eine neue Existenz aufzubauen) und an persönlicher Weiterentwicklung nahezu uninteressiert. Und im Gegensatz dazu meine Eltern: beide über 70 und sprühen immer noch voll Leben. Als ich ein Kind war, war 50 für mich steinalt. Heute muss ich mir manchmal vorsagen, dass man es mit 70 LANGSAM wird 😉

    Alles Liebe
    Barbara

    1. Liebe Barbara, als Kind denkt man immer, alle über 30 Jahre sind steinalt. Ich kenne viele Frauen über 70, die jung im Herzen sind. Sie alle haben was gemeinsam: Sie sind neugierig, interessiert an ihrer Umwelt, lernen täglich dazu, wirken hellwach und haben wirklich eine positive Lebenseinstellung. Mit 70 langsam alt? Nee, lass uns da besser nicht mitmachen.

      Liebe Grüße
      Elvira

  2. hallo liebe Elvira….zunächst eine schnelles durchblättern und ich sage wow….manchmal denke ich , hast Du da heimlich von meinem Leben abgeschrieben…;) Tolle Idee ….ich bleib dabei…..und mein Motto..ist immer <<machs Dir schön…dann hast es schön…;) in diesem Sinne immer noch bei der Vorbereitung unserer Pilgerreise….bis bald…

    1. Danke für Dein Kompliment und dem dabei bleiben. Und denk daran, immer lächeln beim Pilgern, egal wie hoch die Berge und wie nass der Regen ist.
      Sonnige Grüße
      Elvira

  3. Hallo Elvira,
    auch ich gehöre zu 50+. Und ja – auch ich führe ein ziemlich anderes Leben als meine Mutter und Großmütter. Selbstgewählte und vom Leben an mich herangetragene Veränderungen erfordern von mir, mich noch einmal ganz neu auszurichten. Das braucht Mut und gute Freunde. Beides habe ich zum Glück. Auch mein jüngstes Kind wird in diesem Jahr das Haus verlassen, um in das eigene Leben zu schreiten.
    Einen umfassenden Neustart mit 50+ hätte ich mir nie träumen lassen.
    Siehe da: es ist möglich!
    Liebe Grüße
    Sophia

    1. Liebe Sophia,

      bravo, aus deinen Zeilen höre ich die Freude über den gelungenen Neustart und dass auch du bereits viele Veränderungen hinter dir hast. Jede davon hat dich bestimmt etwas gelehrt und dich ein Stückchen auf deinen Weg weiter gebracht. Das jüngste Kind geht aus dem Haus und das wird von dir nochmals Neuorientierung in deinem Leben verlangen. Doch siehe da – es ist möglich.

      Alles Gute und mach weiter so
      Elvira

  4. Liebe Elvira,
    warum nur „Frau von heute“ ? Auch „Mann von Heute“ hätte viel zu erzählen.
    Oft wünsche ich mir, nur einen Monat so zu leben, wie ich es als Kind erlebt habe .
    Das war die Zeit von 1945 bis 1955. Was hatten wir damals und wie sah „die Welt“ ,
    -unsere persönliche Welt aus.
    Heute leben wir in einem Luxus, der nachdenklich macht und sich sicher nicht zum Guten entwickeln dürfte und wo bleibt dabei „der Mensch“ als gottgeschaffenes Individium ?

    1. Lieber Christian,
      mit Sicherheit hat der Mann von heute ebenso viel zu erzählen. Oft schwelge ich auch in Kindheitserinnerungen, doch glaube ich auch, dass der Rückblick sie in einem verklärten Licht erscheinen lässt. Wo du sicher Recht hast, ist, dass der Mensch auf der Strecke bleibt im täglichen Optimierungswahn und dem Anspruch Höher – Weiter – Besser.

      Einen schönen Sonntag wünsche ich dir
      Elvira

  5. Liebe Elvira,
    danke für den Denkanstoß!
    Noch vor einigen Jahren befand man sich in der „Best Ager“ Altersgruppe 50Plus im „Herbst des Lebens“. Heute würden sicher ganz viele unterschreiben, das sie sich gerade im „zweiten Frühling“ befinden. Oder? Wie wir uns in den Best Ager Jahren –also unseren besten Jahren fühlen, hängt natürlich vom subjektiven Empfinden und dem konkreten Verhalten der 50 Plus Generation ab.
    Unser „gefühltes Alter“ hat sich in letzter Zeit rasend schnell verändert und sich weit vom tatsächlichen Alter entfernt.
    Der heutige „Best Ager“, Ü50 oder 50Plus Mensch fühlt sich mindestens 10 Jahre jünger, als er tatsächlich ist. Ich auch! Aber nie habe ich mich besser gefühlt. Das kann ich unterstreichen.

    Ganz liebe Grüße
    Simone aus der http://best-ager-lounge.com

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