Ein ungewöhnliches Kunstprojekt „Ich erzähle mich selbst“

100 Tage gibt es parallel zur Documenta 14 in Kassel eine ganz besondere Ausstellung. Sie trägt den Titel „Ich erzähle mich selbst“ und ist in den Räumen der „Kirche im Hof“ in der Friedrich-Ebert-Straße untergebracht. Mit ein wenig Aufmerksamkeit findet man das Schild auf dem Bürgersteig, das zum Betreten einlädt.

„Ich erzähle mich selbst“ als MitMachArbeit

Ich habe bereits begeisterte Berichte von Bekannten gehört, den Flyer studiert und nun gehe ich durch den Torbogen, dem Verbindungsstück zwischen der lärmenden Außenwelt und dem ruhigen Innenhof. Gleich zieht mich der Projektteil „Soziale Plastik“ an. Gemeint ist damit eine dreidimensionale Figur, die geformt werden kann. Der Begriff wurde 1967 vom deutschen Künstler Joseph Beuys geprägt und resultiert aus dem Verständnis eines erweiterten Kunstbegriffs, dass sich Kunst nicht auf ein abgeschlossenes Werk beschränkt, sondern das kreative Denken und Handeln des Menschen mit einschließt.
Quelle: Kulturkomplizen.de/wie-arbeiten-wir/aufgerufen am 06.09.2017

Dieses inzwischen riesige MitMach-Kunstwerk ist aus bunten Holzklötzen- und Brettern zusammengefügt. Ein paar Menschen, alt und jung, werkeln gemeinsam an einem Tisch im Sonnenschein. Fast andächtig wird dort gemalt oder die eigenen Gedanken auf’s Holz gebracht. Jedes dieser Stücke so unverwechselbar wie der Mensch, der es geschaffen hat. Alle zusammen verschmelzen sie zu einem einzigartigen Unikat – veränderbar, flexibel formbar, jederzeit bereit zum Wandel.

„Ich erzähle mich selbst“ als Bilderausstellung

Prunkvolle goldene Bilderrahmen sind im Eingangsflur befestigt, in die grüne Lebensfäden eingespannt und Lebenssymbole eingeflochten wurden. Es sind ungewöhnliche Exponate, die zum künstlerischen Dialog über die Grenzen des Alters einladen und Generationen verknüpfen wollen. Es sind Geschichten aus dem „DickICHt des Lebens“. Ein Stück weiter sehe und höre ich in einer Videoaufnahme die Menschen, die sich während der Gestaltung ihrer Kunstwerke miteinander austauschten. Unterschiedlichste Gruppen wurden dabei vereint: Gäste der Tagespflege der Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen, Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule (Schule zur Förderung von Kindern mit Mehrfachbehinderung), Mitglieder von Vereinen oder Menschen aus anderen Kulturkreisen.

"Ich erzähle mich selbst"

„Im DickICHt des Lebens“

„Ich erzähle mich selbst“ – 100 Tage und 100 Holzkästchen

Dann bin ich am eigentlichen Ziel meines Ausflugs. Dort hängen sie: 100 Holzkästchen. Sie wurden im Laufe des Jahres leer in alle Welt verschickt. Personen mit unterschiedlichen Biografien und Alter füllten sie. Diese kleinen Kisten beherbergen auf kleinstem Raum, was Menschen im Leben wichtig und wertvoll ist, worüber sie nachdenken, was ihrem Dasein Sinn gibt, was sie berührt oder wonach sie ich sehnen. 75 sind inzwischen geöffnet und präsentieren ihre sehr persönlichen Inhalte.

100 Lebenskästchen, das sind 100 verschiedene Lebenswege und Erinnerungen. Es sind Geschichten von Freude und Leid, von Zweifel und Zuversicht, von Licht und Finsternis, von gelebtem Leben aber auch von jungen Menschen, die noch viel Leben vor sich haben. Daneben geben Begleitbriefe oder Videoaufnahmen Hinweise auf die Hintergründe der jeweiligen „Lebens-Künstler“.

Es berührt mich, wenn ich sehe, wie liebevoll diese Holzkistchen ausgestattet sind und wieviel Mühe darauf verwandt wurde, sein persönliches Exemplar zu gestalten. Ich verweile vor dem ein oder anderen Kästchen etwas länger, spüre seiner Botschaft nach und freue mich, als ich plötzlich auf dem beigefügtem Schild den Namen einer Bekannten entdecke.

„Making Memories Matter“ – Erinnerungen Raum geben

Eine Kiste fällt aus dem Rahmen. Sie ist anders, größer, steht an exponierter Stelle in der Ecke des Raums. Es ist eine der 120 ausrangierten Munitionskisten, welche ältere Menschen aus sieben Ländern Europas 60 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges mit den Geschichten ihres Lebens füllten. Zusammen bilden diese einzelnen persönlichen Puzzlestücke ein Gesamtbild europäischer Erinnerungen. Eine Auswahl dieser Kästen ging ab März 2005 von Kassel aus auf Wanderschaft. Diese europäische Zeitgeschichte im Kleinformat bewegte Tausende von Besuchern und eine Vielzahl Menschen packten ihre eigenen Erinnerungskisten.

Lesetipp: Vortrag von Dr. Eva Maria Schulz-Jander zur Ausstellung in Berlin

„Halbzeit bei meinem Weg durchs Leben“ (w, 45 Jahre, Tschechien)

Ich lasse die Lebenskästchen jetzt mal für sich selbst sprechen. Sie bedürfen keiner Worte oder langer Erklärungen. Schau sie dir an und vielleicht lässt du dich zu einem eigenen Lebenskästchen inspirieren für deine Kinder, Enkel oder als Beitrag zum Zeitgeschehen.

Make love not war (m, 61 Jahre) Da es ein Spiegel ist, siehst du mich im Bild

Glückskind (w, ohne Angabe)

Lebensschleife (m, 60 Jahre)

Nachdenklich (m, 79 Jahre)

Bunker (m, 40 Jahre)

Feel connected
2 w, 13 Jahre, F und DE)

Scherben
(w, 61 Jahre)

Aussicht
(w, keine Angabe)

Meine Wurzeln
(w, 80 Jahre)

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
Erinnernd nach vorne schauen
und bunte Sachen machen

Deine Elvira

Die Ausstellung ist noch bis 15. September 2017 geöffnet.
Sonntag – Donnerstag von 12 – 18 Uhr
Freitag und Samstag von 12 – 20 Uhr

Kirche im Hof, Friedrich-Ebert-Str. 102, Kassel

weitere Informationen: www.gesundbrunnen.org

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