Ein Kulturtag in Rio de Janeiro

Das Theater in Rio

Der November drückt mir auf das Gemüt. Unklar ist, ob das am Monat selbst liegt oder an meiner Erwartungshaltung ihm gegenüber. Vielleicht ist die Sache mit dem Winterschlaf eine gute Idee, doch vorher müsste ich mir Speck anfressen wie das bei meinen beiden Katzen gerade der Fall ist. Besser ist es, noch einmal die heiße Sonne von Rio de Janeiro zu genießen.

Kulturprogramm für einen Tag

In Rio ist heute für die zwei „Alten“ Kultur angesagt. Erstes Ziel ist die prächtige Klosteranlage Mosteiro de Sao Bento. Wir finden sie eher zufällig, weil wir dem Hinweisschild an der Tür eines modernen Gebäudes folgen. Es ist uns ein wenig seltsam zumute, trotzdem treten wir durch die verspiegelte Tür. Gleich werden wir von zwei Männern begrüßt. Auf die Frage nach der Kirche (natürlich in unserem „perfekten Portugiesisch“) schnappen uns die Herren am Arm, stecken uns freundlich aber entschieden in den Aufzug und drücken den Knopf zum 5. Stock. Abhauen geht nicht, mit ihren mächtigen Körpern versperren sie die Tür. Mutig sehen wir den Dingen entgegen, unternehmen keinen Fluchtversuch obwohl meine Schwägerin befürchtet, dass wir statt in den erwarteten Raubüberfall nun ins Kidnapping geraten sind.

Die älteste Kirche Brasiliens

Alles geht gut. Wir steigen aus und stehen vor der unscheinbaren Klosterfassade, gehen durch die Eingangstür und erstarren. Atemlos betrachten wir mit offenem Mund die goldglänzende barocke Pracht des Innenraums. 70 Jahre arbeiteten Künstler an der Ausschmückung, fast jeder Zentimeter ist mit Blattgold überzogen. Es ist 12 Uhr mittags. Draußen brennt gnadenlos die Sonne vom stahlblauen Himmel. Hier drinnen ist es schön kühl. Andächtig hören wir den Mönchen bei ihren liturgischen Gesängen zu. Sie sind beruhigend und berühren unser Herz.

Überreste einer großartigen Vergangenheit

Zu Fuß schlendern wir durch das historische Centro oder was davon noch übrig geblieben ist. Viele der hübschen Gebäude wurden abgerissen, um Platz für Geschäftsgebäude und breite Straßen zu schaffen. Fassadenreste der einstigen Kolonialbauten säumen enge Gassen, sind Zeugen vergangener Zeit. Dahinter türmen sich glitzernde Wolkenkratzer auf.
Wir werfen einen Blick in das pompöse Belle-Époque-Kaffeehaus „Confeitaria Colombo“. Zeit für eine kleine Pause bei Kaffee und Kuchen. Fehlanzeige. Erstens ist es noch nicht 15 Uhr und Zweitens haben wir noch nichts geschafft. Also weiter.
Durch die zauberhafte Fußgängerzone „Travessa do Comércio“ mit ihren zahlreichen Läden und Bars bummeln wir zum Platz „Praca XV“, welcher in Zeiten des Goldrausches als wichtiger Handelsort entstand.

Erotik im Kunstmuseum

Zeit, dem „Museu Nacional de Belas Artes“ mit der bedeutendsten Sammlung brasilianischer Gemälde und Skulpturen unsere Aufwartung zu machen. Es ist wenig los und wir möchten gern mal hier, mal dort schauen. Denkste. Die Museumswächter von der Guardia Municipal lassen uns keine Chance. Sobald wir ansatzweise vom Rundgang abweichen, pfeifen uns die strammen Polizisten sofort zurück und weisen uns den rechten Weg. Wo käme man hin, wenn Jeder herumläuft wie er will. Entschädigt für diese Gängelei werden wir in der Abteilung Moderne Kunst, Erotik pur von Frauenhand gemalt.

Der letzte Abend

Es darf etwas Besseres sein. Mit dieser Aussage im Hinterkopf sucht meine älteste Tochter das Restaurant aus. Ihre Wahl fällt auf das „Barracuda“, einem Fischrestaurant in der Marina di Gloria. Nach dem Aussteigen aus der Metro wissen wir mal wieder nicht in welche Richtung wir uns wenden sollen. Also immer der Nase nach, durch den Park in Richtung Wasser. Wird schon stimmen. Am Hafen angekommen, nichts, nur Schiffe.

Fragen! Die ersten fünf Personen schauen uns aus großen Augen verständnislos an. Oh weh, wir sehen die Katastrophe auf uns zukommen und suchen weiter. Langsam wird es dunkel und es gibt bestimmte Dinge, die sollte man in Rio unterlassen. Herumspazieren in einem dunklen Park gehört dazu. Der sechste Spaziergänger guckt verständnisvoll und schickt uns nach links. Nichts. Der Siebte will uns wieder zurückschicken.

Ein Mann ruft uns in Englisch aus der Snackbude zu, wohin wir denn wollen. Große Freude, der versteht uns. Das Restaurant ist ihm bekannt, es soll sehr gut sein, noch größere Freude. Im übrigen hat er Freunde in Deutschland, erzählt er, ein schönes Land und . . . Wir würgen seinen Redeschwall ab, denn Zeit und hereinbrechende Finsternis drängen. Gemäß Anweisung gehen wir nach rechts. Vom Restaurant keine Spur. Erneutes Fragen, niemand hat eine Ahnung.

Da eine Schranke, Military steht daran, zwei Polizisten stehen davor. Auf die Frage „Barracuda“ erfolgt ein Nicken, das Öffnen der Schranke und ein Fingerzeig geradeaus. Langsam wird es richtig dunkel. Da, aus der Ferne blinken uns die erleuchteten Fenster einer Ladenzeile entgegen. Schnell hin. Wir fragen den Mann im ersten kleinen Geschäft nach Barracuda, bekommen ein Schulterzucken, im nächsten ein Kopfschütteln. Im dritter Laden endlich die Auskunft: „The next, next, next door.“ Also noch 3 Geschäfte weiter. Super, wir haben es gefunden.

Jetzt noch den Türsteher überwinden. Reserviert? Wie? Nein, natürlich nicht, unser Portugiesisch hätte doch niemand verstanden! Er mustert uns mit strengem Blick und entscheidet, wir dürfen rein.

Es wird ein sehr schöner Abend. Das Essen ist ausgezeichnet und mit jedem Glas Wein steigt unsere Fröhlichkeit. Mit dem Taxi geht es heim. Natürlich eins für alle, denn inzwischen können wir uns darin in Sekunden fachgerecht stapeln.

Tschau Rio de Janeiro

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von Rio. Wir stehen um 6 Uhr auf. Die Fröhlichen versuchen den Morgenmuffeln auszuweichen. Mit zwei! Taxis geht es zum Flugplatz. Dort kommen wir viel zu früh an, was an dem fehlenden Verkehrsstau gelegen hat. Ein leichtes Rumoren entsteht in der Gruppe über der Frage: „Warum mussten wir dann so früh aufstehen?“ Die kleine Lady möchte durch lautes Gebrüll zum Gespräch beitragen. Endlich sitzen wir im Flieger nach Curitiba, zusammen mit 25 weiteren Personen. Große Freude bei uns, wir werden über Lautsprecher vom Piloten höchstpersönlich begrüßt, in Deutsch!!!

Schlussbetrachtung

Wider Erwarten ist in Rio niemand verloren gegangen, wir wurden nicht bestohlen, somit sind die glitzernden Klunkern meiner Schwägerin wieder zuhause gelandet, es erfolgte kein dramatischer Raubüberfall und selbst das erwartete Kidnapping fand nicht statt.

Damit schließe ich die Artikelreihe „Eine Großfamilie erobert Brasiliens Süden“ und schicke dir wärmende Sonnenstrahlen in das Novembergrau.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und lauter bunte Sachen machen

Elvira

Hier kannst du noch mal nachlesen, was die Großfamilie außerdem in Rio erlebte
Teil 1   Eine Großfamilie erobert den Süden Brasiliens
Teil 2   Die Großfamilie erforscht Rio de Janeiro
Teil 3   Eine Stadtbesichtigung gerät zur Nervenprobe

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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