Ein Jahr Auszeit und sich einen Traum erfüllen

Elefant in Laos

Oft sind es Umbrüche im Leben, die eine Frau veranlassen, was Neues zu wagen. Manchmal entstehen Wünsche tief in uns drinnen, wollen an die Oberfläche und verwirklicht werden. Manchmal ist es das Umfeld, welches uns beutelt und dazu zwingt, eine Änderung in unserem Leben herbeizuführen.

Dieses ist ein Gastartikel von Gila Gertz, 63 Jahre alt, Unternehmerin und gerade dabei, sich in ihrem Leben neu aufzustellen. Sie nahm sich ein Jahr Auszeit, um sich einen Traum zu erfüllen. Als aupair 50+ reiste sie nach Laos.

„Wenn deine Träume stärker sind als deine Ängste, dann gehe“

Es war schon immer mein Traum, einmal eine längere Zeit im Ausland zu verbringen und den Alltag und Jahresablauf zu erleben.

Schon einmal, 1994, war ich, damals noch mit Familie, Mann und Kindern, für ein Jahr im Ausland, Nord- und Südamerika, unterwegs. Jetzt sind die Kinder groß, beide im Studium und in meinem Leben hatte sich gerade fast alles grundlegend verändert. Für mich wurde immer deutlicher, dass ein weiteres Auszeitjahr genau das Richtige wäre. Doch dieses Mal sollte es ganz anders sein. Das Reisen stand eher im Hintergrund. Ich wollte Neues erfahren, mich selbst in neuen Aufgaben erproben. In einer fremden Stadt „heimisch“ werden, das war mein Ziel.

Bei meinen Internetrecherchen stieß ich auf die Homepage von Aupair 50plus und war fasziniert von der Möglichkeit, auf diesem Weg mit einer anderen Familie im Ausland zu leben. Auszeit sollte für mich ja auch Auszeit von allen Jobverpflichtungen bedeuten. Schon beim ersten Schmökern auf der Website fiel mir die Familie L aus Laos ins Auge. Nach einigen Tagen der Überlegung, beschloss ich Kontakt zu Martin L. (Namen geändert) aus Luang Prabang in Laos aufzunehmen.

Laos – interessant, spannend, liebenswert

Luang Prabang in Laos, wo ist das denn? Laos liegt in Südostasien, eingebettet von Thailand im Westen, Kambodscha, Vietnam im Süden und Osten sowie China und Myanmar im Norden. Geprägt ist das Land durch den Mekong, der das Land von Norden nach Süden durchzieht. Alles hörte sich interessant und spannend an. Das Land, indem die Menschen zu den Liebenswertesten in Südostasien gezählt werden, das keine touristischen Highlights hat, dafür beeindruckende Landschaft, eine überall spürbare Gelassenheit und eine besondere Küche, zog mich sofort an.

Tempel in Luang PrabangLuang Prabang mit 30.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt und seit 1995 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Mit seinen über 30 Klöstern ein beliebtes Reiseziel von Travellern und Menschen aus der ganzen Welt. Das sollte es sein, beschloss ich und vertiefte den Kontakt mit der Familie L, einer deutsch laotischen Familie mit zwei Kindern, 3 und 5 Jahre alt.

Vorbereitungen

Meine Kinder, Geschwister und Freunde hatte ich schon vorher von meiner Idee informiert und alle sagten bedingungslose Unterstützung zu.

Ab dem Zeitpunkt meines Entschlusses liefen alle Vorbereitungen und Planungen an, die für einen längeren Aufenthalt im Ausland notwendig sind: Bank und Geldgeschäfte, Kranken- und andere Versicherungen, was ruht und was muss ab oder umgemeldet werden, Arztbesuche, Check für viele Sachen, was braucht man zusätzlich und was lässt man besser

Nach einem herzlichen Abschied von Familie und Freunden, brach ich am 7. Oktober 2013 zu meinem „Aupair50+Jahr“ nach Luang Prabang, Laos auf. Ich war voller Freude und bereit, alles mit Offenheit auf mich zukommen zu lassen.

Angekommen

Die erste Begegnung mit einem Teil der Familie L, Martin mit Sohn Alec, fand in Bangkok in der Lounge von Bangkok Airlines statt. Alec war ganz begeistert vom Fliegen und teilte dies gleich mit mir. Gemeinsam ging es nun auf den ca. zweistündigen Flug mit einer Propellermaschine von Lao Airline nach Luang Prabang.

Der erste Eindruck: heiß, die Sonne glühte auf das Flugplatzfeld, über das wir zur Empfangshalle liefen. Draußen vor dem Gebäude erwartete uns der Rest der Familie: Nim, die laotische Mutter und Kimia, Alecs große Schwester. Ein Minivan brachte uns in die Stadt. Tuktuks, viele Motorbikes, Frauen in traditioneller Kleidung, holprige Straßen, fremde Gerüche, Häuser und Hütten, Palmen und Bananenstauden, ja ich war in einer „anderen Welt“ angekommen.

In den nun folgenden Tagen lernte ich die Stadt kennen. Die Halbinsel zwischen Mekong und Nam Kam, die von drei großen Straßenzügen, vielen kleinen Gassen, unzähligen Vats (Tempeln), Guesthouses, Hotels und Restaurants geprägt ist. Einige Zeit später entdeckte ich die lokalen Märkte mit ihrem reichhaltigen Angebot an Gemüse und Obst und all den Dingen, die ein Haushalt in Luang Prabang braucht.

Essen heißt: Mut zur Überraschung

Die Laoküche ist abwechslungsreich und vieles war für mich natürlich auch fremd und neu. Kommt ein Besucher daher, ist die Frage immer „kin khao“ was so viel wie „willst du mitessen (?)“ heißt. Gegessen wird in der laotischen Großfamilie meist aus „einer Schüssel“, was auch mehrere Schüsseln oder Teller bedeuten kann. Immer dabei ist der tip khao, der traditionelle Bambuskorb für den Klebereis. Der Reis wird mit den Händen aus dem Korb genommen, in der rechten Hand zu einer nussgroßen Kugel geknetet, mit der dann das Gemüse und die anderen Gerichte aufgenommen werden. Die Suppe, die zu jedem Essen gehört, wird mit dem in Asien überall verbreiteten Löffel gegessen.

Nicht unerwähnt darf Luang Prabang, Laosdie ‚fö‘, die traditionelle Nudelsuppe, bleiben, die zu jeder Tageszeit in den unzähligen Suppenküchen   angeboten wird. Viele Laoten nehmen die Suppe heiß verpackt in einem Plastikbeutel mit nach Hause. Fertiges Essen kaufen, dazu gibt es in vielen Straßen mobile „Küchen“ an denen gekochtes Essen angeboten wird, ist für Laoten ganz normal. Für mich bedeutete dies am Anfang, auch heute teilweise noch, Mut zur Überraschung, was sich in den Schüsseln und Töpfen alles verbirgt. Bisher war alles lecker und für 10 000 – 20 000 KIP plus 5000 Kip für den Reis (ca. 2,30€) wird man auch mit zwei und mehr Personen satt.

Das Leben in Laos spielt sich weitgehend im Freien oder auf der Straße ab. Die Laoten sitzen gerne zusammen, auf kleinen Schemeln dicht am Boden, plaudern, essen, kochen, grillen und trinken gerne Bierlao. Sie wirken wenig gestresst und freudig gelassen in allem was sie tun.

Was macht nun eine deutsche Granny in Laos?

Eine meiner Hauptaufgaben ist, mit den Kindern Deutsch zu sprechen, sie zur Schule zu bringen und in der Freizeit mit ihnen zu spielen, schwimmen zu gehen und sie auch mal abends zu Bett zu bringen, wenn die Eltern beide nicht da sind. Die Kinder sprechen fließend Laotisch mit der Mutter. Deutsch sprechen sie immer mit dem Vater und jetzt mit mir und Englisch, was sie von den Eltern aufgeschnappt oder in der Schule und Preshool gelernt haben. Es ist für mich bewundernswert, wie schnell sie umschalten und sich so einfach gut verständigen können. Wir haben uns schnell angefreundet und meistens viel Spaß miteinander.

Lächelnd Laotisch lernen

Mein Zimmer und Aufenthaltsort ist das Guesthouse der Familie, das 9 Zimmer für Touristen bereithält und von der Mutter geführt wird. Das Personal des Guesthouse hatte mich schnell ins Herz geschlossen, versorgt mich gerne mit Essen. Sie wünschte sich nichts sehnlichster, wie ich auch, sich mit mir gut verständigen zu können.

Gila in LaosSalbaidee und koptai, kin kao, guten Tag, Danke und Essen, waren die ersten Worte die ich auf Laotisch lernte. Die Sprache, Aussprache und Schrift, sind für uns Europäer sehr fremd. Es sollte noch viele Stunden geben, an denen ich, lächelnd, aber leider nichts verstehend, in den Runden der Laoten saß und Worte oder zumindest den Sinn der Gespräche zu erahnen suchte. Nur wenige in den Runden sprachen Englisch, aber die Gastfreundschaft ist groß und die ‚Falanggranny‘ sollte überall dabei sein.

Nach fünf Monaten hatte ich mich entschlossen meine Sprachkenntnisse in einer Sprachschule, hong huiian ARDA, auf ein besseres Fundament zu stellen. Jetzt kann ich sogar schon etwas lesen und ein wenig sprechen. Was immer, wo ich es anwende, mit Achtung und Freude belohnt wird und die Preise auf dem Markt sind für mich gleich besser.

Mobilität ist für die Laoten sehr wichtig

Zu Fuß trifft man sie selten an. Sie fahren jeden, auch noch so kleinen Weg, mit ihrem Motorbike oder mit dem Fahrrad.

Für meine Mobilität standen sowohl ein Scooter (Elektrofahrrad) und ein Motorroller bereit. Mit dem Motoroller sollte die Granny auch die Kids zur Schule bringen. Da, wie schon erwähnt, der Roller oder das Motorbike, das Verkehrsmittel der Laoten ist, verwundert es fast nicht, dass ganze Familien, Vater, Mutter und 1,2,3 Kinder, vom Baby bis zum Schulkind, zusammen auf dem Motorbike fahren. Deutsches Sicherheitsdenken, ganz besonders was Kinder anbelangt, ist in Laos fehl am Platz.

Ich brauchte dann doch zu Anfang all meinen Mut, Erfahrung und das nötige Selbstbewusstsein, um mich diesen Anforderung gewachsen zu zeigen. Wer fährt schon in Deutschland mit einem Kind vorne und vielleicht zwei hinten auf dem Roller, noch dazu in so einem „wilden“ Verkehr. Einige Wochen später, traute Nim, die Mutter, mir, die in Deutschland schon seit 40 Jahren Auto fährt, dann auch zu, dass ich auch in Laos ein Fahrzeug beherrsche. Das kommt sicher daher, dass man hier Autofahren bei „doing“ lernt und es noch nicht so viele, schon gar nicht ältere Frauen beherrschen.

Anders leben, Anderes erleben

ReisfelderAuf die Frage, ob mein Aufenthalt meine Erwartungen (gab es die überhaupt…?) getroffen hat, kann ich nur antworten: ich wollte anders leben, anderes erleben und mich einlassen auf eine ganz andere Kultur und das ist voll und ganz eingetroffen. Bereut habe ich meinen Schritt noch in keiner Minute. Ich habe viel über die laotische Kultur, das Denken, Handeln und Leben der Menschen und letztendlich auch über mich gelernt.

Ich habe viele Freunde, in Laos aber auch aus anderen Ländern und letztendlich eine liebevolle Beziehung zu zwei fröhlichen, aufgeweckten, wissbegierigen, mutigen, manchmal durchaus eigensinnigen Kindern gewonnen, die mein Leben bereichern.

Ich habe meinen Schritt noch an keinem Tag bereut und meine mitgebrachte Gelassenheit und Flexibilität ist hier gut am Platz und kann nach laotischem Muster wachsen.

Noch mehr über Gila gibt es in ihrem Blog. Schaut mal hinein. Fernweh überfällt einen, wenn man ihre Fotos in der Mediathek ansieht. Viel Spaß beim Stöbern.

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Elvira

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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