Die Stadtbesichtigung in Rio de Janeiro gerät zur Nervenprobe

Kirche Metropol in Rio

Die Großfamilie plant heute eine Stadtbesichtigung in Rio de Janeiro. Ich beginne den Tag an der fast menschenleeren Copacabana, sitze im warmen Sand, höre dem ewigen Rauschen der Wellen zu. Der Wind streichelt mein Gesicht, die Sonne wärmt mich. Traumhaft. Ich genieße die letzte Ruhe des Tages. Hinter mir erwacht langsam die Stadt.

Unser erster Anlaufpunkt soll der „Corcovado – die Christusfigur“ sein. Der Plan sagt: „Laufe zur Metrostation um die Ecke, fahre mit ihr bis ins Centro, dann mit der alten Tram durch den hübschen Stadtteil Santa Teresa bis zur Zahnradbahn.“ Easy. Der erste Abschnitt ist schnell erledigt, doch dann tauchen unerwartet Schwierigkeiten auf.

Wo ist die Tramstation?

Weit und breit keine zu sehen. Bei der Suche kommen wir zufällig an ein paar Sehenswürdigkeiten vorbei. Wir schauen sie uns an, auch wenn die nicht auf unserem Plan standen: das prächtige Teatro Municipale flankiert von glitzernden Hochhäusern, breite Boulevards, der gläserne Prachtpalast von petrobas und versteckt dahinter ein Betonbau, die Kirche Metropol. Innen entfaltet sie ihre ganze Schönheit. Das Licht leuchtet durch 4 riesige Glasfenster und zeichnet bunte Farbreflexe in den dunklen Innenraum – zum Niederknien schön.

Vom Suchen und Nichtfinden

Fragen an Passanten und deren Antworten führen uns mal hierhin, mal dorthin. Wir schrecken dösende „polizia“ aus der Mittagsruhe und finden einen sehr wichtig aussehenden Menschen mit Epauletten auf den Schultern. Er versteht ein paar Brocken Englisch und gibt Auskunft: „Tramstation? Keine Ahnung. Gibt es nicht.“ So leicht geben wir nicht auf: „Aber hier, in unserem Reiseführer steht, dass es eine gibt.“ Er bespricht sich mit Kollegen, alle schütteln den Kopf und präsentieren eine Lösung für das Dilemma, welche heißt: Zurück mit der Metro bis zum Lago Machedo, dort geht es mit dem Bus zur Zahnradbahn.

Nerven-Zerreißprobe

Es ist inzwischen 12 Uhr, das Thermometer zeigt 32° im Schatten, kleine Minifrau kreischt, wir sind entnervt, die Laune auf dem Tiefpunkt. Da die Rettung: Ein Stand mit Cafezinho und süßestem Gebäck. Die Zweijährige stopft das klebrige Zeug mit beiden Händen in ihren Mund und strahlt. Hatte sie etwa Hunger? Klar, nur wir hatten mitten im Abenteuer übersehen, dass ein Kind auf geregelte Mahlzeiten besteht.

Oh Schreck, die Anderen sind weg

Am Ziel angekommen gehe ich fröhlich mit dem Schätzchen auf dem Arm in Richtung Fahrkartenschalter Corcovado, drehe mich nach den anderen um – und? Niemand da. Wo sind sie hin? Weitergefahren? Meine Nachforschungen ergeben, dass sie sofort nach Verlassen des Busses von geschäftstüchtigen Corcovado-Autofahrt-Verkäufern aufgegriffen wurden. Mein Auftauchen lässt die regen Verhandlungen abrupt abbrechen. Eine 25-minütige Familiendiskussion folgt. Sie soll die Frage lösen, ob es besser ist mit dem Auto oder der traditionellen Zahnradbahn auf den Berg zu fahren. Die Bahn gewinnt, doch jetzt gibt es Fahrkarten nur noch für 15 Uhr. Super, 2 Stunden warten, womit das Kind kein Problem hat, denn gleich nebenan gibt es einen Spielplatz. Dort vergnügen sich die Jungen. Wir zwei alten Damen gehen schnurstracks in die gegenüberliegende Kirche. Der kühle Innenraum eignet sich perfekt, um Siesta zu halten.

Gemeinsam auf dem Corcovado

Die 25,- €/Person Fahrt führt durch den letzten verbliebenen Regenwald Rios. Sehr idyllisch. Oben steigen wir aus und prallen zurück. Menschenmengen bevölkern die Plattform der Christusstatue. Sie ist halt die Top-Touri-Attraktion. Jeder Schritt birgt die Gefahr, auf einen der vielen, auf der Erde liegenden und fotografierenden Menschen zu treten. Unsere Süße kreischt mal wieder aus voller Kehle. Nach 5 Minuten treten wir entnervt den Rückzug an, müssen 40 Minuten für die Rückfahrt anstehen. Ein Erlebnis. Zum Glück bleibt die Gruppe einmal zusammen, sodass wir unten gleich in den nächsten Bus springen können, der uns in einer Stunde zurück bis vor unsere Haustür fährt.

Leckeres Essen, hipp und trendy

Kurze Verschnaufpause, dann meldet sich der Hunger. Erwartungsvoll machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Etablissement, eines, welches uns allen gefällt. Oh nein, die jüngste Reiseteilnehmerin schaut bereits wieder sehr unwirsch drein, verlangt nach Essen und das möglichst zackig. Um dem nächsten Kreischanfall vorzubeugen, eilen wir ins 3 Minuten entfernte Buffet-Restaurant.

Als wir den Fuß über die Schwelle setzen, bleiben wir überwältigt stehen. Ist das hipp und  trendy oder war der Raumgestalter depressiv? Ein nougatbrauner Fußboden wird farblich aufgelockert von braunen Resopaltischen und dazu passenden Stühlen. Die ockerfarben gekleideten Bedienungen sehen mit ihren nussbraunen Häkelmützchen sehr nett aus. Nichts, aber auch gar nichts, kein bischen Farbe lenkt von den aufgebauten Speisen ab, die übrigens sehr günstig und sehr lecker sind. Während wir speisen, beobachten wir die Cariocas (Einwohner Rios): alt und jung, dick und dünn, Mann und Frau, gewöhnlich und seltsam, helle und dunkle Haut, alle treffen hier aufeinander. Eine nette ältere Dame vom Nachbartisch flirtet mit unserer kleinen Strahlefrau, schenkt ihr eine Tüte mit kugelförmigen leckeren Plätzchen. Entzückend.

Morgen ist auch noch ein Tag

Der Abend endet wie immer in unserer Ferienwohnung beim Caipirinha und Pläne schmieden für den nächsten Tag. Von der Hitze und Feuchtigkeit fühlen wir uns schlapp und aufgedunsen. Langsam fehlt uns jegliches Zeitgefühl. Welcher Tag ist heute eigentlich? Wir schätzen Dienstag. Die Flasche Cachaca ist schon wieder leer. Die Augen fallen uns im Sitzen zu. Was wir morgen unternehmen? Das entscheiden wir morgen.

Am nächsten Tag haben wir doch noch viel von Rio gesehen, denn die Familie trennte sich in Strandgänger und Stadtbesichtiger.

Das war nun der dritte Teil „Brasilien“. Ich schwanke gerade ein wenig, ob ich es dabei belasse oder noch einen vierten Teil anschließe. Was meint Ihr dazu? Würde Euch eine Fortsetzung interessieren? Dann hinein damit in die Kommentare. Ich bin sehr gespannt.

Lasst uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und lauter bunte Sachen machen

Elvira

Du hast die vorherigen Teile der Reise verpasst? Dann viel Spaß beim Lesen von

Teil 1 – wir kommen in Rio an.
Teil 2 – erste Erkundigungen im Stadtteil Ipanema

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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