Wie mich die Frage nach meinem Alter in heillose Verwirrung stößt

Eigentlich ist alles ganz einfach. Mein Name ist Elvira Löber und ich bin 58 Jahre alt. Nein, das sagt man nicht mehr so. Also noch einmal: Mein Name ist Elvira Löber und ich bin 58 Jahre jung! Nee, geht auch nicht, das klingt so abgedroschen. Schwierig, sehr schwierig ist die Frage nach meinem Alter zu beantworten.

58 Jahre – ist das jung, mittelalt oder sogar alt?

Ich gehöre zu den jungen Alten oder alten Jungen? Oder sollte ich diese neue Definition verwenden: „Ich befinde mich in der dritten Lebenshälfte.“ Quatsch, das hört sich komplett schwachsinnig an. Die Vermutung liegt nahe, dass ich in meinem Oberstübchen nicht mehr richtig ticke. Außerdem haben meine Nachforschungen ergeben, dass ich mich erst ab 65 Jahren mit dieser seltsamen Bezeichnung „dritte Lebenshälfte“ schmücken darf. Rein mathematisch betrachtet wäre es richtig von der 2. Lebenshälfte zu sprechen oder, wenn es eine Neueinteilung geben soll, vom 2. Drittel. Gerade bekomme ich Herzrasen, Schweißausbrüche und mein Kopf dröhnt. Ich weiß nicht mehr wie alt oder jung oder was auch immer ich bin.

Bin ich echt alt und gefühlt jung oder echt jung und gefühlt alt

Irgendwo habe ich gelesen, die jetzt 80jährigen sind die neuen 60er oder so ähnlich. Wenn das stimmt, dass biologisches und mentales Alter so weit auseinander driften, dann bin ich gerade gefühlte 38. Oh Schreck, das will ich nicht. Ich bin gerade mitten in den Vorbereitungen „altersweise“ zu werden. Das wäre ein grauenvoller Rückschritt.

Obendrein lautet mein Jahresmotto für 2017 „Demut“. Als neue 38erin wäre ich von diesem Thema himmelweit entfernt. Keinen einzigen Augenblick würde ich über diese ehrenwerte Tugend nachdenken, denn ich hätte genug damit zu tun, mich um 3 Kinder sowie Mann, Beruf, Haus und Hof zu kümmern. Bin ich jetzt echt und gefühlt alt?

Die Frage nach dem Alter ist heikel. Bin ich Best Ager oder Power Ager oder . . .

Vielleicht hilft es, die Sache mal vom Anfang zu betrachten. Aus uns Baby-Boomern sind nun die Best Ager geworden. Das sind alle Menschen, die über 50, eben im besten Alter, sind. Das hört sich gut an. Hin und wieder plagt uns zwar ein Zipperlein, aber generell geht es uns gut. Da wir noch „rüstig“, neugierig und tätig sind, darf man uns, selbst nach Eintritt in das Rentenalter, auch gern als Power Ager bezeichnen.

Man könnte, will man die Anglizismen mal weglassen, die Bezeichnung „Graue Panther“ wieder hervorholen. (Eine Generationenpartei, gegründet von Trude Unruh). Alle drei Begriffe klingen kraftvoll und energiegeladen ganz im Gegenteil zur Seniorin. Oh Graus, das hört sich völlig verstaubt an. Lausche ich dem Wort jedoch eine Weile hinterher, hat es gleichzeitig auch etwas Würdevolles, Erhabenes ganz im Gegensatz zum abwertenden „die Alte“. Seniorin. Ich nehme es in die engere Auswahl.

Ein UHU ist kein Tier und auch kein Klebstoff

Jetzt bin ich noch kein Stück weitergekommen. Alles ist schrecklich verwirrend. Leute, die Tiere mögen, dürfen sich altersgerecht gern „UHU“ nennen, eine Abkürzung für „Unter Hundert“.

Geht es nach meinen Kindern bin ich bereits seit 20 Jahren uralt, ein Oldie. Sie waren durchaus nicht zimperlich mit ihren Kommentaren, was ältere Herrschaften betraf. Bei „scheintot“ fühlte ich mich noch wie ein junges Reh, die Begriffe Gruftie oder sogar Mumy klangen bereits anders in meinen Ohren. (Mumy schreibe ich mit Y, um Verwechselungen mit Mumie auszuschließen, wobei durchaus das Gleiche gemeint ist, nur in zärtlicher Variante).

Inzwischen gibt es bei mir Tage, wo das Wort Gruftie durchaus angebracht wäre, so wie meine Knochen ächzen, wenn sie ihre Position verändern sollen.

Jugendwahn, Paradiesvögel, Wahrheiten und eine Katastrophe

Gerne wäre ich immer noch jugendlich frisch und knackig, jedoch mit allen Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Das wäre die optimale Kombination. Viele Frauen trimmen deshalb ihr Äußeres gnadenlos auf jung und betrügen sich damit selbst. Claudia Braunstein schildert diesen Jugendwahn, der immer mehr um sich greift. Hier geht es zu ihrem Artikel.

Ich tendiere mit meiner Vorliebe für Knallfarben mehr in Richtung Paradiesvogel. Ich stehe zu (fast) allen meinen Falten, trage meine Pölsterchen mit Fassung, bin neugierig auf das Leben und bemühe mich, den Kontakt zur jüngeren Generationen nicht abreißen zu lassen. Nun habe ich erfahren, dass ich damit ein „altersloses Selbst“ bin, also eine, die das Alter in Alltag nicht spürt, wie es Sonja Schiff in ihrem Beitrag so treffend beschreibt

Wenn du denkst, du bist so alt wie du dich fühlst, irrst du dich. Die Weltgesundheitsorganisation hat Licht in den Dschungel aus verwirrenden Bezeichnungen gebracht. Sie hat genau festgelegt, wie ich mich nennen darf. Also: Ich bin ganz klar ein alternder Mensch, da ich mich zwischen dem 51 – 60. Lebensjahr befinde. Von 61 – 75 ist man ein älterer Mensch, ab 76 alt und mit dem 90. Lebensjahr sehr alt.

Für die Politik, Sozialverbände und andere Organisationen sind wir alle zusammen eine demographische Katastrophe, welche aus dem Tannenbaum der Altersstruktur bis 2030 einen Pilz macht.

Ich wünsche mir ein ganzes Jahrhundert Leben

Seit ich die 50 überschritten habe, steht das Bild einer Hundertjährigen vor meinem geistigen Auge. Lacht nicht, ich möchte wirklich so alt werden. Voller Weisheit, mit unzähligen Falten im Gesicht, funkelnden Augen und zartgliedrig sitze ich umgeben von Menschen jeden Alters in einem roten Polsterstuhl. Freude über Freude. Bis es soweit ist, hätte ich noch so viel Leben zu leben. 42 Jahre. Es ist unvorstellbar, der Wahnsinn.

Falls du denkst, ich wäre völlig verrückt – die Zahl der Hundertjährigen steigt ständig, warum sollte ich nicht dabei sein. Vor allem Frauen haben da gute Aussichten. Jedes 2. Mädchen, welches jetzt geboren wird, hat die Chance Hundert zu werden. Unglaublich. Das statistische Bundesamt hat die Zahl dieser Menschen in 2014 mit 16.860 angegeben, Tendenz steigend.

Und dann diese wunderbaren Namen: Methusalem, Centenarian oder im biblischen Alter. Klingt weich, warmherzig und wunderschön.

Was empfindest du, wenn du ans älter werden denkst? Sind es freudige Gedanken oder mischen sich Ängste hinein? Schreib mir doch was im Kommentar dazu.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
alt werden und lauter bunte Sachen machen

Deine Elvira

Und wehe, es sagt dann Jemand zu mir, ich sei steinalt oder sogar „dem Grabe zugebeugt“. Die/Der wird aus der Freundesliste gestrichen.

Septemberfrau 7 Inspirationen50 Jahre – mitten im Leben

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira,

    „alt werden ist nichts für Feiglinge“ trifft es am besten – also bei mir. Auch ich bin ganz zufrieden und auch dankbar – viele Menschen dürfen Ü50 nicht erleben … Dennoch – manchmal hadere ich ein wenig – beim Blick in den Spiegel, oder auf die Waage oder wenn mir wieder Mal irgendwas wehtut …. Aber ich bin auch überglücklich, wenn ich meine Tochter und Enkeltochter anschaue.

    Was mich nervt, ist der Druck, anscheinend nicht einfach Ü50 sein zu dürfen, weil die Gesellschaft mir suggeriert, dass ich ja das neue 30 bin. Mein Wunsch? Ohne Druck so alt sein dürfen, wie ich bin. Gute und weniger gute Tage haben zu dürfen und einfach genießen, was man in unserem Alter so genießt.

    Beste Grüße Betty Wolf

    1. Genau das tun wir, so alt zu sein wie wir sind, dazu stehen, die Gesellschaft Gesellschaft sein lassen und genießen.

      Ein schönes genussreiches Wochenende, liebe Betty
      und herzliche Grüße
      Elvira

  2. Hallo Elvira,
    ich fühle mich mit meinen 52 Jahren noch sehr gut. Wenn ich mir allerdings die Zahl 52 genau ins Gedächtnis rufe dann wird mir ein wenig Angst dass mir ja nun nicht mehr so viel Zeit bleibt. Ich empfinde zur Zeit alles sehr schnelllebig. Damit meine ich, dass die Zeit gefühlt unheimlich schnell vergeht. Viele Ereignisse aus der Vergangenheit sind mir noch sehr gut im Gedächtnis, obwohl sie mittlerweile schon mitunter 20 Jahre und länger her sind. Da rechne ich dann immer und denke – ach Gott – die Zwischenzeit ging sehr schnell rum und nochmal so lange und ich bin dann z.B. schon 74. Da bekomme ich Angst.

    Da mein Mann und ich keine Kinder haben und ich auch noch immer in der gleichen Firma arbeite wie vor 30 Jahren hat sich so grundlegend gar nicht viel bei mir verändert.

    Ich/wir haben für unsere gemeinsame Zukunft noch unheimlich viele Pläne. Um diese Pläne alle zu verwirklichen muss ich sehr alt werden und das ist auch mein Ziel.

    Viele Grüße Heike I.

    1. Ein grandioses Ziel, liebe Heike und es besteht lt. Statistik die berechtigte Hoffnung, es auch zu erreichen. Ja, manchmal denke ich auch, die Zeit rast. Ich unterbreche diesen Eindruck, indem ich mal Tätigkeiten ganz langsam erledige. Ich baue auch kleine Stoppschilder in meine tägliche Routine, und wenn es nur ein winziger Augenblick bewusster Wahrnehmung oder Änderung des Ablaufs ist. Dann erlebe ich was Anderes, muss genauer hinsehen wie gerade eben, als ich in die Stadt gegangen bin. Ich habe eine Seitengasse genommen, ein kleiner Umweg mit großer Wirkung.

      Einen schönen Tag und vielleicht kann man den einen oder anderen der unheimlich vielen Pläne früher in Angriff nehmen und nicht erst im „wohlverdienten“ Ruhestand.

      Ganz herzliche Grüße
      Elvira

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