Der Narr und die Tugend der Verschwiegenheit

Venezianische Maske

Februar, ich denke bei diesem Monat sofort an Karneval und Narrentreiben. Von der Tugend der Verschwiegenheit ist weit und breit keine Spur. Verkleiden heißt für mich, in die Haut einer anderen Person schlüpfen, so wie sie denken, reden und handeln. Versteckt hinter dieser Maske darf ich voller Übermut aus meiner gewohnten Rolle herauspurzeln.
(Anmerkung: Und beim Theater spielen darf ich das das ganze Jahr.)

Der Narr und seine Freiheiten

Diskretion ist wohl eher kein Markenzeichen der Karnevalszeit. Im Gegenteil: Sie ist prädestiniert dafür, Geheimnisse ans Tageslicht zu zerren und bislang Verschwiegenes unter dem Teppich hervorzukehren.
Eben noch wildfremden Menschen erzählt man seine ganze Lebensgeschichte und die der Nachbarin gleich dazu. In Büttenreden werden Missstände aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angeprangert.

Der Narr war schon immer die Person, welche unbequeme Wahrheiten, verpackt in Wortwitz, verkünden durfte. Dieses Recht spiegelt sich in dem Wort „Narrenfreiheit“ wieder. Sage alles, was du weisst und sage nicht alles, was du weisst – diesen Balanceakt zu vollbringen ist die hohe Kunst im Narrendasein. Genau zu wissen, wann er reden darf und wann es besser ist verschwiegen zu sein.

Lautes Treiben trifft auf Verschwiegenheit

Warum lädt gerade der Februar dazu ein, sich mit der Tugend der Verschwiegenheit zu beschäftigen, sie sogar zu üben. Vielleicht liegt es daran, dass sich dieser Monat zwischen zwei Polen bewegt. Da geht es laut, bunt und fröhlich zu, wird noch einmal aus dem Vollen geschöpft, der Winter vertrieben bevor die Fastenzeit mit Stille und Nachdenken Einzug hält. Sie ist eine Zeit des In-sich-Gehens, des Wachstums, an deren Ende das Erwachen und der Neuanfang stehen.

Pssst, hast du schon gehört?

Verschwiegenheit, eine Tugend, die ein hohes Maß Urteilsvermögen und Feingefühl verlangt. Mit den neuen Medien kann man heute in Sekundenschnelle seine eigenen Gedanken, und nicht nur die, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Da wird Gehörtes und Gesehenes gepostet, geteilt und gezwitschert. Was erzähle ich weiter und worüber decke ich das Mäntelchen des Schweigens. Es ist ein schmaler Grat zwischen Diskretion und Plaudertasche und nicht immer schaffen wir es, darauf zu wandeln ohne abzustürzen.

Pssst, nicht weitersagen

Ähnlich wie bei dem Kinderspiel „Stille Post“ kommt es durch Weiterreichen der Information zu falschen Aussagen. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit blüht der Tratsch und brodelt die Gerüchteküche. Wer kann da noch wahr von unwahr trennen. Wohl dem, der das feine Gespür besitzt, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig zu sagen.

Was heißt denn hier Vertrauen?

Verschwiegenheit ist der Nährboden für Vertrauen und Respekt. Alle Drei bilden die Grundlage für menschliches Miteinander. Einer befreundeten Person gegenüber unsere Probleme zu erzählen zeugt von großer Nähe und Vertrautheit. Wir gehen davon aus, dass sie das Gesagte für sich behält. Handelt sie dem zuwider, ist das ein schwerwiegender Bruch in der Beziehung. Im Arbeitsleben hat diese Art Vertrauensbruch einen Namen: Mobbing.

Miteinander reden statt übereinander

Verschwiegenheit umfasst sowohl Sprechen als auch Schweigen. Beides ist nicht möglich ohne das Zuhören. Wenn uns ein Mensch von seinen Sorgen und Nöten, von dem, was ihn glücklich macht erzählt, sollten wir ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Nehmen wir das Gesagte auf, bewegen es dann in unseren Gedanken und Herzen, lauschen in uns hinein. Danach entscheiden wir, ob wir einen Ratschlag geben, helfend eingreifen oder ob unsere stille Anwesenheit genügend Trost und Freude spendet. So nehmen wir Anteil am Leben dieses Menschen. Das miteinander reden tut sowohl seiner als auch meiner Seele gut.

Verschwiegenheits-Training

Üben wir uns doch einmal in der Tugend der Verschwiegenheit durch intensives Zuhören. Schauen wir unseren Gesprächspartner an, lassen ihn ausreden, lauschen den Zwischentönen und folgen seinen Gedanken. Machen wir uns bewusst, wann es Zeit zum Reden und Zeit zum Schweigen ist. Durch diese Übung werden wir selbst wachsen.

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und auch mal stille Sachen machen

Elvira

PS: Meditationskraft ist der Pfad, der sich aus der Tugend der Verschwiegenheit heraus entwickelt.

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