7 Wochen weniger Plastik – ein Experiment zur Fastenzeit 2015

weniger Plastik

Weniger Plastik beim Einkauf war die Herausforderung. Ganz darauf zu verzichten kam mir einer Utopie gleich und ist, denke ich, praktisch unmöglich. 7 Wochen lang wollte ich bewusster einkaufen, meinen schon geringen Plastikverbrauch nochmals reduzieren.

Wo du gehst und stehst, Plastik ist schon da

Plastik ist bunt. Plastik ist schön. Plastik ist so praktisch. Plastik ist leicht. Plastik ist überall: in den Geschäften, in meiner Wohnung, in der Kleidung, in der Erde, im Wasser, im Meer. Es landet am Ende im Körper der Tiere, und ich bin sicher, auch in meinem. Hier in Deutschland verbrauchen wir ca. 12 Millionen Tonnen Plastik/Jahr, wovon die Hälfte in kürzester Zeit auf dem Müll landet.

Eine Zwickzwackmühle

Mit der Plastikvermeidung ist das so eine vertrackte Sache. Was sind die Alternativen? Egal, was ich benutze, immer liegt am Beginn der Herstellung ein Rohstoff, welcher aufwendig bearbeitet werden muss, damit daraus Papier, Dosen, Plastik oder Glas entstehen kann. Letzteres ist da sicher am umweltfreundlichsten, denn es wird zu 70% aus Sand unter Zufuhr von Hitze hergestellt. Es ist geschmacksneutral, leicht zu reinigen, bestens zu recyclen, das perfekte Verpackungsmittel, wenn da nicht das Gewicht wäre, die Sache mit dem Transport und der Deckel aus Blech.

Sieben Wochen weniger Plastik

Die bunten Plastiktüten, welche in Feld, Wald, Flur und neben den Straßen allerorts anzutreffen sind, hatten in meinem Haushalt bereits lange vor dieser Aktion das Weite gesucht, ebenso die PET-Flaschen.
Reduziere den Verpackungsmüll war das Motto der 7 Wochen und weiter:
Vermeide eine kilometerweite Fahrt durch das Land, um bestimmte Produkte auf dem Wochenmarkt (25 km entfernt) ohne Verpackung zu bekommen.
Versuche, diese Veränderungen in das tägliche Leben zu integrieren mit dem Laden vor Ort.

Bin ich eine Außerirdische oder was?

Alles easy, alles leicht, kleine Veränderung hier, anderer Artikel dort – so stellte ich mir meinen Einkauf am nächsten Morgen vor. Mein lieber Thomas nahm die Sache nicht so gelassen. Als er meinen Blogartikel dazu gelesen hatte, wurde sein Gesicht blass: „Abenteuerliche Idee, das willst du nicht wirklich durchziehen?“
„Aber klar doch, natürlich müssen wir ein paar Töpfchen und Tüten mitnehmen.“
„Am Besten wird es sein, du gehst morgen alleine einkaufen“, sprach mein Liebster und verschwand. Tolle Unterstützung.

Irgendwann ist immer das erste Mal

Frühmorgens startete ich also zu meinen Lieblingssupermarkt, weil der so viele Bio- und regionale Produkte hat. Ich bin ein Fan davon und ohne die geht es gar nicht. Bisher hatte ich nicht so genau darauf geachtet, doch heute prallte die Welt der Verpackungskünstler mit voller Wucht auf mich herein. Ein kleiner Alptraum im wachen Zustand – Plastik wohin mein Auge auch schaute. Das war mir vorher nie aufgefallen.

Langsames Vorantasten durch den Plastikwald

Auf geht’s! Hier kommt der zukünftige Schrecken des Ladens. Als erstes der Gemüsestand. Meine Hand greift zu und zuckt zurück. Plastik umhüllt liegen dort Paprika, Salate, Möhren und mehr. Nur vereinzelt gibt es konventionell angebautes Gemüse ohne dieses Schutzmäntelchen. Ich begnüge mich mit einem Kohlkopf, einem Blumenkohl und der Sellerie darf auch mit.
Wollte ich zwar nicht, doch was soll’s. Eine magere Ausbeute. Alles landet lose in meinen Korb, was mir später ungeduldige Blicke in der Kassenschlange einbringen soll.

Die Kühltheke: Wer oder was ist Schutzatmosphäre

Fein anzusehen liegen dort Fleisch und Wurst in ihren blitzeblanken hygienischen Plastikschachteln. Unter Schutzatmosphäre wurden sie verpackt. Das garantiert ein längeres Haltbarkeitsdatum. „Ich bin auch in 5 Tagen noch genauso herrlich frisch und rosarot wie heute. Meine Konkurrenz vom Metzger ist dagegen nach Stunden bereits unansehnlich grau,“ flötet mir das Hackfleisch verschwörerisch zu. An dieser Stelle möchte ich mir nicht ausmalen, was sich hinter dieser Atmosphäre verbirgt.

Reingefallen an der Frischetheke

Der freundlichen Bedienung erläutere ich mein Vorhaben der nächsten Wochen. Geduldig hört sie zu. Ihre Kolleginnen springen derweil ein, die wartenden Kunden zu bedienen. Sie weiht mich ausführlich in die Hygieneverordnung und Reinlichkeitsvorschriften ein. Kompliziert. Meine mitgebrachten Töpfchen über die Theke reichen, damit sie dort gefüllt werden, geht gar nicht. Wir kommen überein, dass der Aufschnitt verschiedenster Sorten zusammen verpackt wird. Dazu benötigt man dann nur ein Blatt des mit dünner Plastikfolie beschichteten Papiers. Ich akzeptiere, dass dann der Schinken ein bisschen nach Salami schmeckt und umgekehrt, doch das macht nichts. 2 Wochen später kannten alle Bedienungen meine Macke, und es klappte vorzüglich. Allerdings habe ich einmal nicht richtig hingesehen und dann lagen winzige Plastikblättchen zwischen den Wurstscheiben. Reingefallen.

Was tun bei den Milchprodukten?

An diesem Punkt haben sich meine guten Geister fürchterlich gestritten. Plastikverzicht bedeutete, Produkte aus ferner Gegend in Glasflaschen zu kaufen. Allerdings will ich die kleine regionale Bauernmolkerei unterstützen, welche jedoch in Plastikbecher abfüllt. Plastik hin oder her, die Bauernmolkerei der Bio-Landwirte hat den Streit ganz klar gewonnen. Es handelt sich nur um Sahne und Butter, denn seit langer Zeit verzichte ich auf Milch, Joghurt und Quark.

Haltbare Produkte mit kleinen Mogeleien

Wer jetzt denkt, na super, die sind alle in Papier verpackt, der irrt gewaltig. Früher, ja früher, da war das so. Hier gibt es kein Entrinnen, denn Linsen, Nüsse, Nudeln, Reis, Kaffee, Müsli usw. sind, damit wir Verbraucher die Köstlichkeiten sehen können, in knisternde Plastiktüten gefüllt. In diesem Bereich gibt es auch die Mogelpackungen, außen Papier und innen Folie. Und Toilettenpapier ohne schützende Plastikfolie ist völlige Fehlanzeige.

Hungern im Urlaub

Die ganze Familie ist Skifahren. Einen Mini-Supermarkt gibt es in dem kleinen Ort. Der ist vollgepackt mit Köstlichkeiten. Die wiederum befinden sich in funkelnden Plastikpackungen für die einfache Handhabung in den Ferienwohnungen. Wir haben zugegriffen, denn die Alternative wäre Hungern gewesen.

Die Leiden des Thomas O.

Mein Partner Thomas hat beim Einkauf mehr oder weniger still gelitten. Freudestrahlend kam er mit Leckereien für das Abendessen um die Ecke. Es brach mir fast das Herz als ich ihn auf die Plastikhüllen aufmerksam machen musste. Betrübt schlich er davon, um alles ins Regal zurückzulegen. Nach zwei Versuchen hat er aufgegeben. Einkaufen mit Verzicht ist spaßfeindlich.

Fazit nach 7 Wochen

Eine verrückte Idee, doch sie hat uns die Augen geöffnet. Wir sahen diesen Plastikwald, in dem wir sonst unbekümmert leben. Wir produzierten bisher gedankenlos riesige Plastikmüllberge, die zuerst die Umwelt schädigen und danach sofort uns. Vieles wird verpackt unter dem Deckmäntelchen von Reinlichkeit, Hygiene und der Panikmache vor bösen Keimen. Sicher ist Schutz gut, aber muss man es gleich übertreiben. Und wie steht es mit den Kosten? Selbstbedienung erspart auf jeden Fall teures Personal. Spielend ließen sich hier weitere Argumente finden, warum Plastik unbedingt sein muss.

Wir haben auf vieles verzichtet oder Alternativen gesucht. Statt Bio habe ich schweren Herzens konventionelle Produkte gekauft. Reinigungsmittel, Kosmetik und Konsorten waren zum Glück genügend vorhanden. Die hätten wir selbst anrühren müssen, um ohne Plastik auszukommen. Ziemlich arbeitsaufwendig.

Wie geht es weiter mit weniger Plastik?

Die 7 Wochen sind herum, nun könnten wir wieder in unseren alten Trott verfallen. Wir werden weiter sehr aufmerksam kaufen und wo es passt, den Wochenmarkt besuchen, die Hofläden der Gegend und dann liefert mir mein „Grüner Bote“ noch Frisches direkt aus der Gärtnerei ins Haus.

Berliner, Dresdner und andere Großstädte haben ihn inzwischen: den plastikfreien Laden. Ein paar mutige Gründerinnen haben sich da vorgewagt und ich wünsche ihnen gutes Gelingen, Freude am Tun und Durchhaltevermögen.
http://www.lose-dresden.de
http://www.original-unverpackt.de/ueber-original-unverpackt/

Lass uns zusammen LEBEN – LIEBEN – LACHEN
und weniger Plastikmüll machen

Deine Elvira

Wenn Jede/r nur ein bisschen bewusster einkauft würde, könnten wir gemeinsam am Schluss einen Riesenberg Plastikmüll vermeiden.

Zum Weiterlesen:

http://www.bund.net/plastikfasten
https://www.foodwatch.org/de/informieren/schutzatmosphaere/2-minuten-info/

 

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elvira,

    danke für diesen spannenden Beitrag, der ja auch noch unterhaltsam über dieses schwierige Vorhaben berichtet.

    Es ist ein wenig frustrierend wie schwer es letztlich dann doch für den Einzelnen ist etwas verändern zu wollen. Letztlich kann man ja aber nur bei sich selbst anfangen.

    Ich fände es schön, wenn solche Themen einfach zur Bewusstmachung und darüber nachdenken noch viel mehr Öffentlichkeit fänden.

    Toll, dass Du das auf Dich genommen hast und sogar Alternativen aufgezeigt hast. Vielen Dank dafür. 🙂

    Liebe Grüße

    Stephanie Mertens

    1. Liebe Stephanie,

      aller Anfang ist schwierig, doch mit der Zeit kam ein wenig Routine hinein. Ich werde auf jeden Fall in Zukunft weiter bewusst darauf achten, was wie verpackt ist. Auch Hofläden stehen auf dem Programm. Und vielleicht traue ich mich auch an das Thema Duschen und Waschen. Es bleibt spannend.

      Ich grüße dich ganz herzlich
      Elvira

  2. Liebe Elvira,
    Glückwunsch zu deinem Experiment und deinem lebhaften Artikel. Ja er öffnet einem die Augen und macht uns doch auch klar, wieviel wir so im Alltag hinnehmen, an Plastikverpackung. Ich wünsche mir und dir, dass viele deiner Leser uns Leserinnen auch so ein Experiment starten und damit hautnahe Erfahrung machen. Nur so geht Bewusstwerdung, wenn wir es spüren und selbst der Mittelpunkt sind. In meinem Laosjahr habe ich entsetzlich darunter gelitten, dass der vermeintliche „Wohlstand“ in diesen Ländern mit ganz viel Plastik einhergeht. Alles auch auf dem Tages-und Wochenmarkt wird in Plastik verpackt. Die vielen Lebensmittel, bzw das Essen aus den Garküchen kommt in Plastiktüten und wird nach Hause getragen. Das Wasser, jeden Tag, wird aus Plastikflaschenwasser getrunken. Früher haben die Menschen dort ganz viel z. b. In Bananenblätter verpackt, die gab es kostenlos und in großen Mengen und konnten problemlos weggeschmissen werden. Doch genug davon, zurück zu uns und unserem Plastik- und Verpackungswahn. Tolles Experiment und absolut nachahmenswert. Ich mache seid meiner Rückkehr das Experiment, wie geht es ohne Auto. Ich habe etliche Angebote hier liegen und jeden Tag schiebe ich es weiter hinaus. Ich laufe viel, das tut mir auch gut und fahre Fahrrad, mit der Bahn, bin Mitglied bei mittlerweile zwei Caresharingangeboten, habe Freunde zum privaten Carsharingangeboten animiert und ……….. . Ich bin stolz auf jeden Tag, an dem ich der Versuchung, ich brauch doch ein eigenes Auto, widerstanden habe. Beste Grüße Gila

    1. Liebe Gila,
      was das Verpacken in Plastiktüten beim Einkauf angeht, da sind wir hier in Deutschland fast „vorbildlich“ zu nennen. Pro Kopf verbrauchen wir 70 Tüten pro Jahr, der EU-Durchschnitt liegt bei 200 Stück. Das, was du von Laos berichtest hat meine Tochter auf Bali erlebt und wir in Brasilien.
      Kein Auto zu besitzen hat meine vollste Bewunderung. Bereits beim Gedanken daran, kapituliert mein Vorstellungsvermögen. Doch versuche ich viele Wege hier in der Stadt zu Fuß zu regeln.

      Ein schönes Wochenende und herzliche Grüße
      Elvira

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